Unsere Empfehlungen

Augenblicke in Bernstein
empfohlen von:

Alex Bachler

Alex Bachler

Augenblicke in Bernstein Yoko Ogawa

gebunden

Was für eine Geschichte!
Ich bin bisher nie so richtig mit Yoko Ogawas Büchern warm geworden, aber ich bin froh, dass ich „Augenblicke in Bernstein“ eine Chance gegeben habe! Es ist sehr schwierig, über diese eigentlich simple Geschichte zu sprechen, ohne etwas zu verraten, das man eigentlich selbst kaum verstanden hat. Ogawa erzählt von drei Geschwisterkindern, die von ihrer Mutter auf einem von hohen Mauern umgebenen Grundstück verborgen werden. Ja, verborgen! Sie sind nicht eingesperrt, die Tore sind nicht verschlossen. Doch die drei befolgen die Regeln der ängstlichen Mutter, die als einzige, arbeitend, das Grundstück täglich verlässt und sich der gefährlichen Welt stellt. Die Kinder vergessen ihre Namen und nehmen neue an. Sich nur noch hauchend und wispernd unterhaltend, schaffen sie einen eigenen kleinen stillen Mikrokosmos, spinnen Welten aus Fantasie, lernen aus Enzyklopädien, die ihnen der Vater, der nie Teil dieser Familie war, hinterließ. Innerhalb der Mauern genießen sie allein unter sich, viele Freiheiten. Sie spielen, tanzen und erzählen sich Geschichten, rücken dicht zusammen, aus Angst vor dem bösen Hund, der da draußen lauert...

Der Text ist vielschichtig, surreal und märchenhaft. Aber bald macht sich bei den Lesenden ein mulmiges Gefühl breit, erst subtil, dann immer schwerer, die Idylle bekommt mit Fortschreiten der Zeit Risse. Die unschuldigen, fantastischen Metaphern, die Fantasiegespinste der Kinder scheinen unschöne Dinge zu verpacken… Haruki Murakamis Texte erscheinen gegen diese surreale Geschichte, die auf vielen Wirklichkeitsbenen abläuft, wie trockene, faktenreiche Sachbücher! Ein Buch, das zum Zurückblättern, Träumen und Staunen einlädt und noch lange im Kopf nachklingt!

Aus dem Japanischen übersetzt von Sabine Mangold.

zum Produkt € 22,00*

Feministisch leben!
empfohlen von:

Alex Bachler

Alex Bachler

Feministisch leben! Sara Ahmed

kartoniert

Wer sich feministisch engagiert, gilt schnell als Spaßbremse, Spielverderber*in, als wütend und unglücklich. Sara Ahmed erklärt fundiert und dennoch verständlich, wie unsere Gesellschaft die Figur der "feminist killjoy", fürchtet, sie ausgrenzt, sie aber auch emotional erschöpft. Gleichzeitig gibt Ahmed wichtige Anregungen zur Selbstfürsorge, zum Neu- und Weiterdenken in Sachen Intersektionalität und gibt vielen ausgrenzenden Vorgängen und Machtapparaten einen Namen.
Das Buch ist eine großartige und wichtige Anleitung für alle, die sich in ihrem feministischen Engagement bestärken und gleichzeitig verstehen wollen, auf welche Weise strukturelle Unterdrückung wirkt.

Für alle, die durch Passmann und Stokowski ihren Themeneinstieg fanden und jetzt einige große Schritte weitergehen möchten!

zum Produkt € 19,80*

Die Brandstifter
empfohlen von:

Magda Birkmann

Magda Birkmann

Die Brandstifter R. O. Kwon

gebunden

Will, ein mittelloser Stipendiat aus einfachen Verhältnissen, findet sich im sozialen Gefüge an der Eliteuniversität Edwards nur schwer zurecht, Halt findet er nur in seiner allseits beliebten, quirligen Freundin Phoebe. Doch auch unter Phoebes lebhafter Persönlichkeit liegen dunkle Gefühle verborgen, gibt sie sich doch die Schuld am Tod ihrer Mutter. Die Beziehung von Will und Phoebe gerät ins Wanken, als Phoebe unter den Einfluss des charismatischen wie geheimnisvollen Will Leal gerät und immer mehr Zeit in der von diesem angeführten christlichen Gemeinschaft verbringt. Hilflos muss Will, der Leal für einen Hochstapler hält, mit ansehen, wie Phoebe sich immer weiter radikalisiert. Doch die Mittel, zu denen Will greift, um Phoebe diesem Einfluss zu entziehen, sind ebenso unlauter wie die immer extremer werdenden Methoden der Sekte. Schließlich gipfelt alles in einer Katastrophe, die Will bestürzt zurückblicken lässt im Versuch, zu ergründen, wie es soweit kommen konnte. Aber ist seiner Sicht auf die Ereignisse wirklich zu trauen?

R.O. Kwon ergründet die Abgründe einer zerrütteten, von religiösem Extremismus geprägten Gesellschaft, die sich in den zwischenmenzlichen Beziehungen Einzelner fortsetzen und verstärken, und lässt dabei ihre Leserschaft immer wieder an der eigenen Wahrnehmung zweifeln. Ein starkes Debüt!

zum Produkt € 20,00*

So oder so ist das Leben
empfohlen von:

Cecilia Drain

Cecilia Drain

So oder so ist das Leben Benedikt Feiten

gebunden

„Der große Anton Lobmeier raucht eigentlich nur noch aus einem Grund. Er raucht, damit er weiß, was er als nächstes tut.“ Und solche Momente gibt es in seinem Leben gerade einige. Seine Freundin hat ihn verlassen, seine Mutter stirbt und dann verschwindet auch noch seine beste Freundin. Als noch allerhand andere Dinge schief gehen, beschließt Anton Lobmeier kurzerhand aus dem Scheitern eine Kunst zu machen, kündigt seinen guten Job und hält sich als Pizzalieferant über Wasser.
Während des Lesens habe ich darauf gewartet, dass mich dieses Buch anfängt zu nerven. Das passierte aber nicht. Stattdessen musste ich immer weiterlesen.
In diesem Roman zeigt Benedikt Feiten mit viel Witz, Ironie, einer unglaublichen Situationskomik und auch sehr traurigen und melancholischen Stellen, dass das Leben schon irgendwie weitergeht. So oder so.

zum Produkt € 20,00*

Hier sind Löwen
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

Hier sind Löwen Katerina Poladjan

gebunden

Wie viele Romane haben Sie schon gelesen, die in Armenien spielen? Man lernt so viel, wenn man beim Lesen reisen darf.
In "Hier sind Löwen" reist Helen nach Jerewan.
Die Buchrestauratorin möchte dort die armenische Buchbindetechnik lernen und ein altes Heilevangeliar reparieren.
Die detaillierten Beschreibungen dieses Handwerks haben mich sehr fasziniert; dieses Hantieren mit Skalpell und Laugen, Klebern, Fäden und Farben, dieses bewusste Zerstören, um etwas erhalten zu können.
Die zweite Erzählebene führt in das Jahr 1915, wo wir lesend zwei Geschwistern folgen, die dem Völkermord zu entkommen versuchen.
Das alles auf nicht einmal 300 Seiten. Kein Wort zu viel und trotzdem atmosphärisch beeindruckend dicht.
Poladjans Sprache ist wasserklar und viele ihrer Sätze unterstreichenswert klug.
Die Liebesgeschichte in diesem Buch (eigentlich habe ich sogar drei darin gefunden) ist wunderbar und ganz und gar über jeden Kitsch erhaben.
Außerdem ist dieser Roman bis in die kleinste Nebenfigur beeindruckend gut besetzt. Am liebsten hätte ich von jedem Protagonisten, jeder Protagonistin einen weiteren Roman von Katerina Poladjan gelesen. Und trotzdem bleibt nichts offen. Außer zu staunen.

zum Produkt € 22,00*

Wer wir sein könnten
empfohlen von:

Ludwig Lohmann

Ludwig Lohmann

Wer wir sein könnten Robert Habeck

gebunden

Ich wage jetzt mal eine steile These: Hätten sich führende RegierungspolitikerInnen in den letzten Jahren die Erkenntnisse dieses kleinen Buches etwas mehr zu Herzen genommen, würden wir jetzt nicht von der Krise der Volksparteien sprechen. Robert Habeck erläutert in „Wer wir sein könnten“ die Mechanismen politischen Sprechens. Dass Kompromisse keine Niederlagen bedeuten müssen, dass Zuhören eine Sache weiterbringen kann, als lautes Grölen, dass Metaphern wie „Flüchtlingswelle“ die Wahrnehmung unserer Welt verändern, dass Sprache ausschließen kann - all das sind keine neuen Erkenntnisse. Der klare, verständliche und sehr flüssige Stil in dem der Bundesvorsitzende der Grünen dieses Wissen als Praxis empfiehlt, erfrischt dennoch. Vielleicht liegt das an seinem Philosophiestudium oder seiner Vergangenheit als Schriftsteller. Seine Verweise auf Luhmann, auf die Frühromantiker und - sehr sehr klug! - auf die Theorie des Gesprächs bei Paul Celan erläutern die Probleme der aktuellen Politik mit den Mitteln der Sprachphilosophie. Aber keine Angst, er schreibt nicht zur Beweihräucherung des eigenen Wissens, sondern erklärend und um Verständnis bemüht. So wie dieses Buch sollte politisches Sprechen sein. Nach Habeck soll es die Hintergründe für Entscheidungen ebenso verdeutlichen, wie die Widersprüche und Debatten, die zu ihnen geführt haben.
Hier äußert sich ein Politiker eloquent zu den Schwierigkeiten und Chancen des Sprechens in der Demokratie. Damit liefert er auf einer Metaebene und ganz ohne parteipolitische Agenda genau jenes Narrativ, auf das viele Bürgerinnen und Bürger in den letzten Jahren verzichten mussten.

zum Produkt € 14,00*

Ich bin Özlem
empfohlen von:

Alex Bachler

Alex Bachler

Ich bin Özlem Dilek Güngör

gebunden

So schnell wie "Ich bin Özlem" habe ich schon lange kein Buch mehr durchgelesen! Am liebsten würde ich es gleich nochmal von vorn anfangen, darüber reden, meine Gedanken sortieren, nochmal neue Eindrücke auflesen, Einschätzungen anderer hören...
Dilek Güngör erzählt die Geschichte einer sympathischen 39 jährigen Frau, Lehrerin, Mutter, Freundin, die aufgrund einer „Herkunft“, die sie selbst noch immer zu bestimmen versucht, ein permanentes Gefühl von „nicht genug“ empfindet. Özlem beschreibt eine dumpfe Ohnmacht, Wut und Beklemmung, ausgelöst durch das Unverständnis der biodeutschen Protagonist*innen in dieser Geschichte. Langjährige Freundschaften, in denen doch eine unbeschreibliche Kluft herrscht, ausgelöst durch Unsicherheiten, klischeebehafteten, unsensiblen Formulierungen und der eigenen verkrampften Suche nach einer Identität zwischen der schwäbischen Kleinstadt, Berlin und einem kleinen Dorf in der Türkei.
Ich bin so froh, dass mich schon die ersten Sätze gleich zum Mitessen einluden, mir ein warmes, vertrautes Gefühl im Herzen machten. Wie gerne hätte ich noch weitere 200 Seiten von Özlems suchenden, klugen Gedanken und Beobachtungen gelesen. Wie sie versucht, den Kern, die wahre, richtige Antwort auf die Frage nach Zugehörigkeit zu finden... Ein Buch, das sich wie Zuhause anfühlt.

zum Produkt € 19,00*

GRM
empfohlen von:

Maria-Christina Piwowarski

Maria-Christina Piwowarski

GRM Sibylle Berg

gebunden

Dieses Buch ist düster und wütend und hart und rasant ... und sehr gut.
In ungefähr dieser Reihenfolge.
Benannt nach Grime, einer dem Rap verwandten Musikrichtung, die ich in meinem ganzen Leben noch nie gehört habe, vermittelt mir Sibylle Berg durch die Verwendung aggressiver Zeilenumbrüche und äußerst dezidierter Wortwahl trotzdem ein fast ohrenbetäubendes Gefühl dafür.
Doch dieses Buch mehr als ein körperlich wirkender Übergriff.
Es ist die schonungslose Abrechnung mit unserer idiotischen Leichtgläubigkeit, mit den Folgen der Digitalisierung, die wir auf der Suche nach Likes & Clicks nur allzu schnell ignorieren und vor allem ist es ein Buch über den ewig scheinenden Krieg der Reichen gegen die Armen.

Don, Hannah, Karen und Peter sind eher eine Schicksalsgemeinschaft als Freunde. Gemeinsam versuchen sie im England nach dem Brexit zu überleben. Sie sind die Vergessenen einer schonungslosen Gesellschaft, ausgebeutet und missbraucht.
Von Rochdale im Norden Englands machen sie sich auf den Weg nach London, wo sie unter dem Radar des überwachungskapitalistischen Systems einen Rachefeldzug planen.

Zu hoffen, dass in diesem Buch Gerechtigkeit stattfinden könnte, ist genauso naiv, wie sich in dem Glauben wiegen zu wollen, dass es sich bei "GRM. Brainfuck" (und nie passte ein Untertitel besser) um eine Dystopie handelt.
Sibylle Berg schwebt als spöttische Göttin über dem Wasser.
Sie benennt das Chaos. Sie hat weder Erbarmen mit ihren ProtagonistInnen, noch mit ihren LeserInnen. Doch zwischen all der Bitterkeit und der Brutalität schimmert ihre Menschenliebe so sehr durch, dass es weh tut.

zum Produkt € 25,00*

Milchzähne
empfohlen von:

Eva Voigt

Eva Voigt

Milchzähne Helene Bukowski

gebunden

Die letzte Verbindung zur Außenwelt ist gekappt.
Seit die Betonbrücke, die über den reißenden Fluss führt, von den Inselbewohnern gesprengt wurde, verirren sich keine Fremden mehr hier her. Die letzte, die es übers Wasser schaffte, war Edith. Sie stand einfach da, triefend nass, mit ihrem silbernen Rollkoffer.
Auch heute, viele Jahre später, beäugen die Anderen sie und ihre Tochter Skalde argwöhnisch. Nur wer sich an die unausgesprochenen Regeln dieser Zweckgemeinschaft inmitten einer Welt, die sich scheinbar selbst zu zerstören scheint, hält, darf sich in Sicherheit wiegen.
Die letzten Jahre haben Edith und Skalde auf ihrem Grundstück verbracht, ohne viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das kleine Mädchen mit dem roten Haar, das eines Tages im Wald auftaucht und sofort von Skalde aufgenommen wird, droht die empfindliche Balance auf der Insel zu kippen.
Man mag hier keine Fremden. Als die Vermutung aufkommt, das Mädchen sei ein Wechselbalg, beginnt das Warten auf das Ausfallen ihrer Milchzähne, als Beweis für ihre Menschlichkeit.
Die latente Gefahr, die in der Luft liegt, fühlt sich an wie drückendes Hitzeflimmern, während alle auf den Regen warten.

Helene Bukowskis Debütroman hat mich die halbe Nacht lang wach gehalten, am liebsten hätte ich gar nicht schlafen wollen aber irgendwann wurde meine Sicht unscharf und ich legte das Buch widerwillig aus der Hand, nur um am nächsten Morgen direkt weiterzulesen.
Die Figuren waren mir ans Herz gewachsen, ich musste wissen, wie es mit ihnen weiter geht und wartete gespannt auf wackelige Zähne.

zum Produkt € 20,00*

Die Aussprache
empfohlen von:

Magda Birkmann

Magda Birkmann

Die Aussprache Miriam Toews

gebunden

Zwischen 2005 und 2009 erwachten die Mädchen und Frauen einer abgelegenen bolivischen Mennonitenkolonie regelmäßig benommen, mit Schmerzen und blutend aus dem Schlaf. Die nächtlichen Überfälle wurden Dämonen zugeschrieben, als Strafe Gottes für die sündigen Gedanken der Frauen bezeichnet, oder als Produkt der ungezügelten weiblichen Phantasie abgetan. Irgendwann stellte sich jedoch heraus, dass nicht der Teufel, sondern acht Männer aus der Kolonie die Frauen mit einem Betäubungsmittel bewusstlos gemacht und vergewaltigt hatten. 2011 verurteilte ein bolivianisches Gericht diese Männer zu längeren Gefängnisstrafen. Miriam Toews greift in ihrem Roman diese realen Ereignisse auf.

Während die Männer einer Mennonitenkolonie sich in der Stadt versammelt haben, um die Freilassung der angeklagten Männer aus der Untersuchungshaft zu erwirken, treffen sich die in der Kolonie verbliebenen Frauen heimlich, um ihre nächsten Schritte zu beraten. Sollen sie bleiben und weiterleben wie bisher? Sollen sie kämpfen? Oder sollen sie die Kolonie und die Männer hinter sich lassen und in der Außenwelt ein neues Leben beginnen? Ihnen bleiben 48 Stunden, um eine Entscheidung zu treffen, bevor die Männer aus der Stadt zurückkehren...

In diesem Roman passiert nicht viel, im Grunde besteht er nur aus den zwei Tage andauernden Gesprächen zwischen acht Frauen (und einem Mann, der diese Gespräche protokolliert). Und trotzdem steckt in diesem Buch wahnsinnig viel. Miriam Toews erzählt leise und unaufgeregt von den Traumata, die auf grausame Gewaltakte folgen, vom Dilemma, wenn die Einhaltung religiöser Grundsätze zur völligen Selbstaufgabe führen würde, erzählt schließlich von Frauen, die ihre völlige Unterordnung unter das von Männern interpretierte Wort Gottes nicht länger in Kauf nehmen wollen und können.

Dieses Buch tut weh, es macht wütend und unglaublich traurig. Gleichzeitig ist es aber ein Buch voller Hoffnung, ein Buch, das Mut macht und aufrüttelt. Kein einfaches, aber ein wichtiges Leseerlebnis, das bei mir noch lange nachwirken wird!

zum Produkt € 22,00*

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