Unsere Empfehlungen

Die Buchhändlerin empfiehlt im März 2020

Wovon wir träumten
empfohlen von:

Wovon wir träumten Julie Otsuka

kartoniert

Die Buchhändlerin empfiehlt im Juli 2012:

Julie Otsuka

Wovon wir träumten

Übersetzerin: Katja Scholtz


Julie Otsuka, geb. 1962, japanischer Herkunft, wuchs in Kalifornien auf, studierte in Yale. Sie arbeitet als Malerin und Schriftstellerin und lebt heute in New York. "Wovon wir träumten" - ihr zweites Buch - gewann den PEN Faulkner Award.


In diesem berührenden kleinen Roman schildert die Autorin das Schicksal von Japanerinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts als Bräute von in den USA lebenden Japanern nach Amerika kamen. Sie kannten ihre Ehemänner nur aus Briefen und Fotografien. Aus bitterer Armut kommend erhofften sie sich ein besseres Leben, doch bald stellten sie fest, dass die harte Arbeit auf den Reisfeldern nur durch die harte Arbeit auf Erdbeer- und Maisfeldern ersetzt wurde, dass viele von ihnen von den Ehemännern als Arbeits- und Sexkräfte missbraucht und nahezu alle von den Amerikanern mit blankem Rassismus behandelt wurden.


Als dann der 2. Weltkrieg anbrach, verschlimmerte sich die Situation der in den USA lebenden Japanern drastisch, Diskriminierung, Enteignung und Unterbringung in Arbeitslagern war ihr Schicksal.


Auch wenn einem diese geschichtliche Tatsache schon bekannt war, erschüttert Otsukas Buch durch ihren ungewöhnlichen Erzählstil. Es gibt keine Hauptfiguren, keine einzelnen Heldinnen, sondern sie lässt die Japanerinnen im Kollektiv sprechen. Viele in Stichpunkten angerissene Einzelschicksale ergeben so ein Bild vom Schicksal von allen. Anfangs wundert man sich darüber, so sehr ist man gewohnt, sich mit e i n e r Frau oder e i n e r Familie zu identifizieren um etwas über die Historie zu erfahren, so dass es einem als Leser seltsam vorkommt, das mal anders präsentiert zu bekommen. Bald aber ist man fasziniert, begeistert und tief bewegt.


Ein kleines Meisterwerk, ein originelles und bemerkenswertes Buch!


Elvira Hanemann

zum Produkt € 8,99*

Radikal
empfohlen von:

Radikal Yassin Musharbash

kartoniert

Die Buchhändlerin empfiehlt im Juni 2012:

Yassin Musharbash Radikal

Kiepenheuer und Witsch Verlag




Yassin Musharbash wurde 1975 geboren, er wuchs in Bad Iburg bei Osnabrück auf. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater jordanischer Abstammung. Nach einem Studium der Politikwissenschaften und der Arabistik in Göttingen, aber auch an der Bir Zeit University bei Ramallah wurde er Journalist. Er schrieb für die Neue Osnabrücker Zeitung, für die Jordan Times, für die TAZ und seit einiger Zeit vorwiegend für Spiegel Online, wo er seit 2005 Redakteur ist. Radikal ist sein erster Roman. Er ist Vater zweier Töchter und lebt in Berlin.


Lutfi Latif, ein Deutscher ägyptischer Herkunft, setzt sich für einen demokratisch geprägten offenen Islam ein, was ihm nicht nur Zustimmung, sondern auch regelrechten Hass einbringt, von den einen wird er als Verräter an seiner Religion gesehen von den anderen als ein Moslem, der Deutschland unterwandert. Als er von den Grünen zum Bundestagsabgeordneten aufgestellt wird, schafft er auf Anhieb den Sprung ins Parlament. Auch wenn ihm vom BKA Personenschutz empfohlen wird, lehnt er das ab. Dafür beauftragt er seine Assistentin Sumaya al-Shami damit, einen Experten, der sich sehr gut mit der islamistischen Terrorszene auskennt, zu Rat zu ziehen und als seinen Sicherheitsberater einzustellen.


Dieser Samson ist jemand, der sich seit Jahren genauestens auf dem Laufenden hält über die verschiedenen Strömungen in der islamistischen Internetwelt. Er spricht perfekt arabisch, gibt sich in Chatrooms als ein Bruder aus, der gegen die Kafir (die Ungläubigen) eintritt. Er ist ein Eigenbrötler. Doch warum interessiert sich ein junger deutscher Mann so sehr für diese Thematik? Die Antwort liegt vergraben in seiner Erinnerung, doch dass es irgendwie um die Ereignisse um 9/11 geht, das wird im Laufe des Romans immer klarer.


Sehr gerne nimmt er das Engagement an, nicht nur weil er sich in Sumaya verliebt hat, sondern auch weil er die liberale Position Latifs absolut teilt. Er ist einer, der die rassistisch inspirierte Unkenntnis gegenüber Muslimen und die daraus folgende Ungerechtigkeit gegenüber den in Deutschland lebenden friedliebenden Moslems ablehnt, andererseits aber auch genau Bescheid weiß über die eben gar nicht friedliebende kleine radikale Minderheit.

Bei einer TV-Talkshow mit Latif kommt es zu einem Sprengstoffanschlag, bei dem insgesamt 14 Menschen den Tod finden. Danach ist die Hölle los in Berlin!


Kurz nach dem Anschlag taucht im Netz ein Bekennervideo auf, das ernstzunehmende Quellen als von Al Quaida stammend bezeichnen. Auch Samson hält das für möglich, doch nicht für absolut gesichert. Es gibt schließlich noch andere Gruppen, die ein Interesse an Latifs Tod haben.

Durch Zufall erhält Samson Kontakt zu einer Geheimzelle von Islamhassern - wie er sie nennt - und kann teilnehmen an deren konspirativen Sitzungen.

Sehr viel mehr kann ich nicht verraten, ohne die Spannung zu nehmen, aber so viel sei gesagt: es ist eben nicht ganz klar, wer hinter dem Anschlag steckt ob Al Quaida oder die Islamhasser und auf dem Weg, die Hintergründe herauszufinden, gerät Samson in große persönliche Gefahr, die ihm von den unterschiedlichsten Seiten droht.


Musharbash gelingt es, zu zeigen, dass immer echte Menschen hinter den politischen und religiösen Positionen stecken. Menschen mit unterschiedlicher Sozialisierung, mit ihren ganz eigenen Traumata, ihren Hoffnungen und Wünschen. Wenn sich nach der Lektüre beim Leser eine etwas differenziertere Sichtweise auf Muslime einstellt, dann empfinde ich das als einen sehr positiven Nebeneffekt!

Gerne darf man Radikal aber auch einfach als einen ungemein spannenden Thriller lesen.

Spannend, aktuell und brisant, dazu noch gut geschrieben - was will man mehr?!


Elvira Hanemann

zum Produkt € 9,99*

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