Unsere Empfehlungen

Kapitaldruck und mit Kapitaldruck verbundene Freundinnen und Freunde, Bekannte, Kundinnen und Kunden stellen Bücher vor.

Karl Marx und die Geburt der modernen Gesellschaft. Band 1: 1818-1843
empfohlen von:

Kapitaldruck / René Pölzing

Kapitaldruck / René Pölzing

Karl Marx und die Geburt der modernen Gesellschaft. Band 1: 1818-1843 Michael Heinrich

gebunden

In meinen Augen der spannendste Ansatz Marx' Leben zu erzählen. Das ist der erste Band. Kaufen! Damit es die weiteren geben wird ;-)

Info vom Schmetterling Verlag:
Mit den Wirtschaftskrisen der letzten Jahre wurde - wieder einmal - deutlich, dass die Marxsche Krisentheorie alles andere als überholt ist. Seit mehr als hundert Jahren bildet Marx' Kapitalismuskritik einen Bezugspunkt für unterschiedliche soziale Bewegungen wie auch Stein des Anstoßes für die Verteidiger der herrschenden Verhältnisse. Marx war Zeuge der Durchsetzung jener «modernen» Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen - industrieller Kapitalismus, Parlamentarismus und Massenorganisationen - die immer noch unser Leben beherrschen. Seine Analysen und Kritiken treffen auch heute noch neuralgische Punkte unserer gesellschaftlichen Verhältnisse. Betrachtet man jedoch das Marxsche Werk, stellt man fest, dass es sich um eine Folge von Anfängen und Abbrüchen handelt, keines der großen Projekte wurde beendet. Ohne Kenntnis des Lebens von Karl Marx, seiner Konflikte und Kämpfe, lässt sich diese Werkentwicklung nicht begreifen. Andererseits lassen sich aber auch die Wendungen des Marxschen Lebensweges nicht ohne sein Werk verstehen. Zwar gibt es mehr als 25 umfangreiche Marx-Biographien, doch keine, die Leben und Werk gleichermaßen in den Blick nimmt. Mit dieser neuen Marx-Biographie soll genau das versucht werden. Adäquat lassen sich Lebens- und Werkgeschichte aber nur darstellen, wenn die zeitgenössischen Auseinandersetzungen, in die Marx verwickelt war, nicht zum bloßen Hintergrund schrumpfen und wenn die Freunde und Gegner von Marx nicht zu bloßen Statisten werden. Zwar beansprucht jede Biographie Marx «in seiner Zeit» zu betrachten, doch geschah dies bisher nur sehr unzureichend und punktuell. Ein genauerer Blick wird so manche Legende zerstören, die bislang unkritisch kolportiert wurde. Diese neue Marx-Biographie ist auf drei Bände angelegt. Der erste Band wird 2018, im Jahr des 200. Geburtstages von Karl Marx erscheinen. Er wird sich ausführlicher als bislang üblich mit der Marxschen Jugend in Trier und der Zeit seines Studiums in Bonn und Berlin beschäftigen und seine Tätigkeit als Redakteur der liberalen «Rheinischen Zeitung» in Köln und als Herausgeber der «Deutsch-Französischen Jahrbücher» unter die Lupe nehmen. Bereits innerhalb dieser Periode zeigen sich Krisen sowie Brüche in seiner intellektuellen Entwicklung, die Marx dazu veranlassten, zunächst verfolgte Projekte aufzugeben und seine kritischen Unternehmungen neu zu konzipieren. «Theoretische Einschnitte» lassen sich nicht nur zwischen «jungem» und «altem» Marx finden, die Entwicklungen sind komplexer, als dass sie sich in ein Zwei- oder Dreiphasenmodell pressen lassen. Die beliebte Alternative «Kontinuität» oder «Bruch» in der Werkentwicklung erweist sich als viel zu schematisch. Auch gibt es keineswegs eine zwangsläufige Entwicklung hin zum «Kapital» als «Hauptwerk». Marx beginnt nicht bei der Kritik der Politik und endet bei der Kritik der Ökonomie. Auch wenn er sein geplantes Buch über den Staat nie schreiben konnte und sich die letzten 30 Jahre seines Lebens auf die Ausarbeitung seiner Ökonomiekritik konzentrierte, ist die Kritik der Politik stets anwesend und entwickelt sich, genauso wie seine Vorstellung von Kommunismus, erheblich weiter. Der zweite Band der Biographie soll 2020, der dritte 2022 erscheinen. Michael Heinrich hat sich in «Die Wissenschaft vom Wert» (1991, erweiterte Neuauflage 1999) ausführlich mit der Entwicklung der Marxschen Ökonomiekritik auseinandergesetzt. Seine bereits in sechs Sprachen übersetzte «Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung» (seit 2004 in zwölf Auflagen erschienen) dürfte in Deutschland die am weitesten verbreitete Einführung ins ökonomische Werk von Marx sein. Mit «Wie das Marxsche ?» (2008 erschien Teil 1, 2013 Teil 2) legte er einen detaillierten Kommentar zu den ersten fünf Kapiteln des ersten «Kapital»-Bandes vor. Der Band verfügt über eine farbige Bilderstrecke und wird ab dem 28. April an den Buchhandel ausgeliefert.

zum Produkt € 29,80*

Freie Geister
empfohlen von:

Kapitaldruck / René Pölzing

Kapitaldruck / René Pölzing

Freie Geister Ursula K. Le Guin

kartoniert

"Planet der Habenichtse" und "Die Enteigneten" waren in der Vergangenheit deutsche Titel des englischen Originals "The Dispossessed" von Ursula LeGuin. Nun heißt er in neuer Übersetzung: "Freie Geister". Erstmals 1974 erschienen, verhandelt LeGuin in ihrem Science Fiction Roman unterschiedliche Entwürfe von Gesellschaft.
Auch wenn die Figuren recht holzschnittartig konzipiert sind, ist es in meinen Augen eine sehr gelungene Auseinandersetzung mit Utopien.

Verlagsinfo:
Für die Herrschenden von Urras ist das anarchistische Anarres nicht mehr als eine abhängige Bergbaukolonie, die es möglichst effektiv auszubeuten gilt. Für die Bewohner von Anarres ist ihre Heimat jedoch der einzige Ort im ganzen Sonnensystem, wo sie wirklich frei sind - frei von Unterdrückung, aber auch frei von dem Zwang, künstlich erzeugte Bedürfnisse befriedigen zu müssen.

Als sich auch auf Anarres erste Herrschaftsstrukturen zu bilden beginnen, begibt sich der Physiker Shevek auf eine riskante Reise nach Urras. Er möchte in Dialog mit dortigen Wissenschaftlern treten und gerät dabei zwischen alle Fronten.

zum Produkt € 14,99*

Reise durch ein tragikomisches Jahrhundert
empfohlen von:

Kapitaldruck / René Pölzing

Kapitaldruck / René Pölzing

Reise durch ein tragikomisches Jahrhundert Francis Nenik

gebunden

Den Titel des Buches empfinde ich beliebig nichtssagend, muss ich gestehen. Alles andere ist großartig.

Die Biografie von Hasso Grabner muss erzählt werden und der Schreibstil von Francis Nenik unterhält mich dabei ungemein. Ein ständiges Augenzwinkern ist im Angesicht der Absurdität von realem Leben spürbar. Anders wäre dieses phasenweise wohl auch kaum zu ertragen gewesen. Immer wieder möchte ich nach kurzen Geschichtsabrissen mehr über die Umstände wissen, weil Nenik es schafft eine Atmosphäre zu skizzieren, die gefangen nimmt und gleichzeitig ein reichhaltiges Wissen des Autors andeutet, dass sich jede/r auch gern selbst erarbeiten darf, parallel zu Hasso Grabners Lebensbeschreibung oder eben danach. Nenik schreibt unterhaltsam, rasant, spielerisch, ironisch, lehrreich und ... schön.

Hasso Grabner hätte ich nach dieser Lektüre gern kennengelernt. Er scheint endlos für etwas gestritten zu haben, dabei immer wieder am falschen Platz gewesen zu sein und doch den Mut für den nächsten Tag nie verloren zu haben. Der Untertitel des Buches wäre in meinen Augen der bessere Titel gewesen: "Das irrwitzige Leben des Hasso Grabner". Leben - vielleicht "nur" ein irrer Witz.

Verlagsinformation zum Buch:
Hasso Grabner, 1911 geboren, avancierte während der Weimarer Republik zu einem der führenden kommunistischen Widerstandskämpfer in Sachsen, kam ins Zuchthaus, überlebte das KZ Buchenwald, wurde Soldat eines Strafbataillons auf Korfu, unterstützte dort heimlich die Partisanen, wurde entdeckt, vor ein Erschießungskommando gestellt, am Leben gelassen und kurz vor Kriegsende gegen seinen Willen sogar noch mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach dem Krieg wirkte er am Aufbau der DDR mit, leitete den MDR, wurde Direktor sämtlicher ostdeutscher Stahlwerke und schließlich Aufbauleiter des Kombinats »Schwarze Pumpe«. Weil er immer wieder aneckte, wurde er von der Stasi bespitzelt und von der SED zum Hilfsarbeiter degradiert. 1958 begann er als Schriftsteller zu arbeiten, verfasste als einer der Ersten Literatur im Stile des Bitterfelder Wegs, bekam, weil er sich nicht fügen wollte, Publikationsverbot - und machte dennoch unbeirrt weiter. Grabner, der seinen kommunistischen Wurzeln stets treu blieb, starb 1976. Dann fiel er in Vergessenheit. Bis jetzt ...

zum Produkt € 19,00*

Der falsche Kalender 2
empfohlen von:

Kapitaldruck / René Pölzing

Kapitaldruck / René Pölzing

Der falsche Kalender 2 Marc-Uwe Kling

Kalender


DER FALSCHE KALENDER 2 bietet ein falsch zugeordnetes Zitat für jeden Tag des Jahres. Denn Zitate richtig zuzuordnen ist was für Langweiler - falsch Zuordnen ist das neue richtig Zuordnen! #FAKEQUOTES! Postfaktizismus rules! Diesen immerwährend falschen Kalender mit modernster Abreißtechnik kann man auf den Tisch stellen oder an die Wand hängen. Toll.


Seinen Gewinn aus diesem zwar sehr witzigen, aber völlig überflüssigen Produkt spendet Marc-Uwe übrigens komplett an LOBBYCONTROL. Passt irgendwie. Auch Politiker arbeiten oft nach demselben Prinzip: Nehmen einen Satz von irgendeinem Lobbyisten und schreiben dann einfach ihren eigenen Namen drunter. Mehr Infos: www.lobbycontrol.de

zum Produkt € 14,00*

Stadt der Rebellion
empfohlen von:

Kapitaldruck / René Pölzing

Kapitaldruck / René Pölzing

Stadt der Rebellion Omar Robert Hamilton

gebunden

Ein Buch zum Weinen. Über Ermordete und ihre Träume, die sich in realen Verhältnissen auflösen. Ein Buch über die eigene Machtlosigkeit im Kampf gegen Verhältnisse ohne konkrete Umsetzungsideen des Wie. Ein Buch über die Anwendung von verheißungsvoller Technik und das Erkennen ihrer Sinnlosigkeit, wenn die Inhalte nur wenige erreichen. Unbedingt lesen, so traurig es auch ist.

Verlagsangabe:
Kairo, 2011. Alles scheint möglich. Die ganze Welt schaut hin, als die ägyptischen Aufständischen nicht müde werden, lautstark gegen die Diktatur zu protestieren, trotz aller Gewalt von Polizei und Militär.

Mittendrin: Mariam und Khalid. Sie lernen sich im Getümmel einer Demonstration kennen, und fortan wird sie die Angst, dass dem anderen etwas zustoßen könnte, nicht mehr verlassen. Mutig kämpfen die beiden gemeinsam in einer Aktivistengruppe und versenden rund um die Uhr Nachrichten in alle Welt. Und nicht zuletzt kämpfen sie um ihre Liebe, für die keine Zeit bleibt in dem unaufhörlichen Strom von Aufgaben, die die Revolution ihnen aufbürdet, getrieben vom Gefühl der Verantwortung gegenüber ihren ermordeten oder inhaftierten Mitstreitern. Erbittert diskutieren sie darüber, welche Kompromisse sie eingehen müssen, zerrieben zwischen Hoffen und Verzweifeln.

Dieser aufwühlende Roman zeigt die ägyptische Rebellion aus unmittelbarer Nähe, rasant folgt er den Revolutionären durch Kairos Straßen und über Twitter. Und auch wenn die Lage immer aussichtsloser erscheinen mag: Sie werden nicht aufgeben.

zum Produkt € 24,00*

Untenrum frei
empfohlen von:

Kapitaldruck Rezensionen

Kapitaldruck Rezensionen

Untenrum frei Margarete Stokowski

gebunden

geschrieben im Oktober 2017:

Mit einem Jahr Verspätung lese ich dieses Buch, denn ziemlich genau vor
12 Monaten ist es veröffentlicht worden. Aber irgendwie ist es mir erst jetzt
im Kapitaldruck aufgefallen, obwohl es schon lange da gewesen ist.
Ich lese mein x-tes Buch über feministische Themen in den letzten Monaten.
Was das zu bedeuten hat? Ich wage später eine Deutung, oder ich stelle mir
zumindest weitere Fragen. Aber zunächst das Buch.

Margarete Stokowski – Jahrgang 1986, und damit gar nicht mal so weit weg
von meinem eigenen Geburtsjahr (1981) – schreibt auf 230 Seiten eine persönliche
Befreiungsgeschichte, oder vielleicht besser: Die Geschichte einer
begonnenen Befreiung. Denn der Prozess, den sie beschreibt, wird wohl
nie als beendet gelten können, weder im individuellen Rahmen, noch im
gesamtgesellschaftlichen. Es geht um Rollenbilder – unheilvolle zumal,
um mediale Vermittlung selbiger, um die Frage, was junge Menschen wie
über Geschlechter lernen. Stokowski erzählt von Kindergartenerfahrungen,
von der Schule als Teenager, von sexualisierter Gewalt, vom mühsamen
Auseinandersetzen mit dem Etikett „Feminismus“, vom sich frei kämpfen
aus so mancher Geschlechterrollen-Erwartungshaltung. Und sie erzählt es
in einem Stil, von dem man sich fast schon gut unterhalten fühlen
könnte, wenn die Ernsthaftigkeit des Themas zu „Entertainment“ passen
würde.

Ich meine nicht, dass sie Unterhaltung schreibt, sondern, dass sie mit
einer sehr angenehmen Mischung aus Witz, Intelligenz und Rotzigkeit ihre
Geschichte erzählt und dabei zur Spiegelung der eigenen Erfahrungswelt
einlädt. Vielleicht gerade, weil ich auch ein 80er-Jahre-Kind bin,
konnte ich über viele Dinge immer wieder schmunzeln.
Nachmittags-Talkshows im Privatfernsehen kommen mir als Erinnerung
genauso hoch, wie Gameboy-Videospiel-Episoden, oder das
Aufklärungs-Medium „Bravo“. Nur dass ich gewissermaßen auf der anderen
Seite zu stehen komme.

Wie schreibt man es ohne missverstanden zu werden? Viele Dinge, die
Stokowski beschreibt, finden in meiner Jungen-Jugend-Erinnerung eine
Struktur-Analogie. Das soll nicht die speziellen Schwierigkeiten
heranwachsender Mädchen relativieren. Und doch ist es – so glaube ich –
auch nicht leicht ein Junge zu sein, ein Mann zu werden, oder was auch
immer für Etiketten man gewillt ist, sich zu geben.

Beim Lesen fühle ich mich immer wieder mit einer Seelenverwandten
verbunden. Immer wieder geht es mir durch den Kopf: „Wie wahr.“ und
„Scheiße, so ist es.“ Und immer wieder schäme ich mich ein wenig über
das sogenannte männliche Geschlecht, zu dem ich ja irgendwie auch
gehöre, obwohl ich doch so ganz anders fühle, als es in der Negativfolie
dargestellt ist. Doch die Dinge sind ja von Stokowski nicht erfunden.
Das gibt es ja alles und auch ich kenne das. Und wo rutsche ich selbst
immer wieder in das ein oder andere Muster, welches ich reflexiv und mit
dem Herzen zutiefst ablehne?

Und ich denke daran, was ich über diese Themen weiß, und dass es
manchmal mehr ist, als was manche Freundinnen und weibliche Bekannten an
Reflexion zu leisten im Stande sind, einfach weil sie sich mit
bestimmten Themen nicht haben auseinandersetzen können oder wollen. Wie
bescheuert ich mir in manchen Runden mit Frauen vorkomme, wenn ich
feministischer argumentiere als sie, wenn ich mich nicht mit so wenig
zufrieden geben will. Ich denke an eine Frau, mit der ich das Bett
teilen durfte, und deren Anatomie ich besser kannte als sie selbst – ja
darf man das denn überhaupt schreiben, selbst wenn man es ohne jeden
Vorwurf schreiben wöllte –, und dass ich dafür eher Verärgerung geerntet
habe, dass ich mich manchmal rechtfertigen muss, wenn ich so Dinge tue,
die mir einfach entsprechen und die ich gern tue: den Abwasch machen,
kochen, oder jemanden liebevoll umsorgen, wenn er krank ist, um nur drei
Beispiele zu nennen.

Es ist nicht leicht eine Feministin zu sein, es ist manchmal ein
leidvoller Kampf – weiß Gott. Mann sein ist wahrscheinlich leichter in
unserer Gesellschafts-Konstellation – ganz klar. Aber feministischer
Mann sein wollen, ist ebenfalls ein reizvoll ambitioniertes Projekt – um
es mal euphemistisch zu schreiben.

Um erneut einem Missverständnis zu entgehen:
Kierkegaard antwortete einst auf die Frage, ob er ein Christ sei: „Ich
behaupte nicht ein Christ zu sein. Ich kann nur sagen, was das
Christentum bedeuten würde und dass gemessen daran, ihr alle keine
Christen seid. Das ist das einzige, was ich weiß.“ Bin ich ein Feminist?
Vielleicht wäre meine Antwort so ähnlich wie die von Kierkegaard, außer
dass ich nicht versuchen müsste jemandem abzusprechen FeministIn zu
sein. An vielen Stellen bin ich es, an vielen anderen wünsche ich mir,
es immer mehr zu werden.

Es gibt einen alten Witz, der auch von Zizek stammen könnte, obwohl ich
mir ziemlich sicher bin, ihn nicht bei ihm gelesen zu haben.

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg fährt ein Deutscher mit seinem
russischen Freund in Moskau mit der Metro. Am Ende der Tage fragt der
Deutsche seinen Freund: „Eines verstehe ich einfach nicht. Wenn ich
jetzt, wenige Jahre nach dem Krieg, durch die Straßen von Berlin gehe,
so sprechen die Menschen schon wieder von Theater, von der Oper, von
Kultur. Wenn ich in Moskau mit der Metro fahre, höre ich die Menschen
immer nur von Butter sprechen, wo es Butter gibt usw. Wie kann das
sein?“ Sein Freund überlegt kurz und antwortet: „Weißt du, das ist
eigentlich ganz klar. Jedes Volk spricht am meisten davon, was es am
wenigsten hat.“

FeministIn zu sein ist keine Frage der Quantität von erlesenen
Theorie-Seiten, es ist keine Frage die richtigen Sätze und Phrasen parat
zu haben. Es ist eine Frage der Lebensweise. Eine Frage des Umgangs. Es
ist eine ethisch-politische Frage der Praxis. Ich hoffe sehr, dass ich
die Dinge, die ich lese, nicht darum lese, weil ich so wenig davon habe.
Mich in diesen Dingen aber nicht einem falschen Schein hinzugeben und in
eitler Selbstgefälligkeit einzulullen, dabei helfen Bücher und Texte wie
der von Margarete Stokowski. Sie fordern heraus zu einer Positions- und
Verhältnisbestimmung. Männer, Frauen, alle dazwischen, Menschen halt.
Und das macht dieses Buch wertvoll und lesenswert. Wenn man sich in
Frage stellen lässt, wird man es mit Gewinn lesen.

Text © Ronny Valdorf

zum Produkt € 20,00*

Blade Runner
empfohlen von:

Kapitaldruck / René Pölzing

Kapitaldruck / René Pölzing

Blade Runner Philip K. Dick

kartoniert

geschrieben am 20.10.2017
Seit nun zwei Wochen läuft „Blade Runner 2049“ in den Kinos. Der Medienrummel um einen Folgefilm zum ‚Klassiker‘ „Blade Runner“ ist unangenehm. Klassiker als Film – ja. Aber bestimmt nicht beim jetzt beworbenen Mainstreampublikum. Jahrzehnte (1982 erstmals im Kino) plus Directors Cut Veröffentlichung (1993) hat es gebraucht für eine breite Fanbasis.

Auch beim Autoren der Grundlagen der Story, Philip K. Dick, heißt es heute gern, dass er zum Kanon der amerikanischen Literatur gehöre.
Er würde sich bestimmt darüber freuen, wollte er doch Zeit seines Lebens gern ein Mainstreamautor sein. Gelungen ist es ihm nicht. Auch wenn er außerhalb von Science Fiction Kreisen heute nicht mehr vollkommen unbekannt ist. Er starb 1982.

Ein Lesen von „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“, gern tituliert als „Blade Runner“, soll gerade wegen dieser Marketing-Unannehmlichkeiten hiermit geschehen.

Unterhaltsam und überraschend ist Philip K. Dick in seinen meisten Geschichten. So auch in diesem 1968 erstmals erschienenen Roman. Über Dicks Visionen wollen wir uns hier nur kurz äußern. Er hatte die, wegen derer Menschen von Helmut Schmidt zum Arzt geschickt wurden. Gleichzeitig konnte er glücklicherweise in die Zukunft sehen und diese interessant beschreiben. Oder warum beschäftigen wir uns heute mit Künstlichen Intelligenzen?

In Fischers TOR Reihe ist im August eine deutsche Neuübersetzung erschienen. Zu finden im Laden für 14,99 Euro und auch gern abseits von Filmveröffentlichungen empfohlen.

zum Produkt € 14,99*

In Zeiten des abnehmenden Lichts
empfohlen von:

Kapitaldruck Rezensionen

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In Zeiten des abnehmenden Lichts Eugen Ruge

kartoniert

Mal abseits aller Preise, Übernahmen ins Theater und Kino hier die Buchvorstellung durch einen befreundeten Künstler. Sie schlummerte ein paar Jahre bereits auf der Festplatte und wollte doch immer an die Öffentlichkeit:

Ich erinnere mich an Fenstervergitterungen in meiner Kindheit, die gleichzeitig die Strahlen einer aufgehenden Sonne darstellten. Ein Bild, welches unter anderem auch auf das FDJ-Emblem mit seinen stilisierten Sonnenstrahlen verweist. Dass ausgerechnet Sonnenstrahlen zur Absperrung dienen, ist trauriges Sinnbild für die Eingitterung einer Utopie, welche sich zum Ziel gemacht hatte, dass kein Mensch ein geknechtetes Wesen sein möge.

Mit dem Verblassen der Utopie beschäftigt sich Eugen Ruges entsprechend benannter Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Immer wieder um ein Ereignis kreisend – eine Geburtstagsfeier im Oktober 1989, kurz vor dem Mauerfall – nimmt der Roman in verschiedenen Erzählsträngen die Geschichten der Geburtstagsgäste auf.

So treffen Erfahrungen kommunistischer Sowjet-Emigranten in Stalins Gulag, die als Antifaschisten im postfaschistischen Deutschland die DDR aufbauen, aufeinander mit dem teils tristen Lebens-Alltag der DDR, bis hin zur Republikflucht eines der Protagonisten. Spannend ist der Roman, jenseits vereinfachender Klischees kenntnis- und detailreich geschrieben.

Notgedrungen bleibt er jedoch an der psychischen Oberfläche seiner Protagonisten, denn allzu viele Figuren werden eingeführt und in den Erzählsträngen miteinander verwoben, als dass man einer einzelnen Figur in ihrer Komplexität folgen könnte, sich vielleicht sogar mit einem Protagonisten identifizieren könnte – vielleicht wollte der Autor genau das vermeiden.

Wer sich die Komplexität des Scheiterns der sozialistischen Utopie in der DDR in Romanform vor Augen führen möchte, und zwar nicht nur als Feststellung, sondern auch als Frage, kann getrost zu diesem Buch greifen.

Text: © Francis Hunger (http://www.irmielin.org)

zum Produkt € 10,00*

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