Buchhandlung Isarflimmern

Unsere Empfehlungen

Wir sind dann wohl die Angehörigen
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Wir sind dann wohl die Angehörigen

gebunden

Erinnerungen, die berühren, ohne ins Sentimentale zu verfallen. Ein Buch, das man nicht vergisst, da es aus dem Innersten Gelebtes wiedergibt, aus der oft übergangenen Perspektive eines Kindes. Welche sind die Gedanken und Empfindungen eines in künstliche Isolation gezwungenen Jungen, der sich innerlich stärken muss, seinen entführten Vater vielleicht nie – lebend – wiederzusehen? Dies ist ein wenig beleuchtetes Thema, da die Stimmen der jungen Opfer oft in den großen Spektakeln untergehen. Wie gut, dass dieses erschütternde und zum Nachdenken bewegende Buch geschrieben wurde!

Johann Scheerer erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen von Entführern befand, das Zuhause zu einer polizeilichen Einsatzzentrale wurde und kaum Hoffnung bestand, ihn lebend wiederzusehen.

»Es waren zwei Geldübergaben gescheitert und mein Vater vermutlich tot. Das Faxgerät hatte kein Papier mehr, wir keine Reserven, und irgendwo lag ein Brief mit Neuigkeiten.« Wie fühlt es sich an, wenn einen die Mutter weckt und berichtet, dass der eigene Vater entführt wurde? Wie erträgt man die Sorge, Ungewissheit, Angst und die quälende Langeweile? Wie füllt man die Tage, wenn jederzeit alles passieren kann, man aber nicht mal in die Schule gehen, Sport machen, oder Freunde treffen darf? Und selbst Die Ärzte, Green Day und die eigene E-Gitarre nicht mehr weiterhelfen?

zum Produkt € 20,00*

Die geheime Macht der Düfte
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Die geheime Macht der Düfte


Wenn ich heute hoch erhobenen Hauptes durch das Leben gehe, mit achtsam geblähten Nüstern und so viel lebensbewußter als früher, so habe ich es diesem Buch zu verdanken. Es ist ein Plädoyer, nein, eine Liebeserklärung an unser Riechorgan.

Auf eine spannende und informative Weise weiht es uns in die Welt des Riechens ein, teilt erstaunliche und bisweilen auch erschreckende Erkenntnisse mit, unterhält mit historisch Kuriosem und lüftet Branchengeheimnisse.

Ein absoluter Nose-Opener, exzellent recherchiert, fachmännisch präsentiert und spannend erzählt!

zum Produkt € 17,95*

Wiesenstein
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Wiesenstein

gebunden

Es ist, als wohne man einem noch unentdeckten Ibsen-Stück bei. Als Akteur, doch mit ungehindertem Blick in die Seelen der anderen.
In expressive, nachtönende Bilder ist dieses dem wortgewaltigen Gerhart Hauptmann gewidmete Opus gefasst. Der Roman ist auch eine erschütternde Skizze zum Ende des Dritten Reiches. Ätzenden Rauchschwaden des lodernden Dresden bilden den Hintergrund zur labilen Idylle im letzten Zufluchtsort Hauptmanns auf Burg „Wiesenstein“.
Physisch spürbar das In-sich-Zusammenkauern, die Angst vor den neuen Herren. Denn die sich Rächenden wüten um Wiesenstein, die Massaker nehmen kein Ende im Mai 1945, sie wüten weiter und weiter. Zigtausende Rachetote – als ob die bereits Vorhandenen nicht genug seien.
Es ist ein schreckliches, erschütterndes, sprachlos machendes Bild, das Hans Pleschinski entwirft. Es ist kein Buch, das sich einem leicht und verdaulich hingibt, nein, ein jeder Satz verlangt danach, dass der Leser sich damit auseinandersetzt, nicht gedankenlos hinnimmt. Hauptmanns Werke fließen gegen Ende immer stärker in den Texte in, machen Lust, mehr zu lesen und zu erfahren.
Grandios, überwältigend, erschütternd.

zum Produkt € 24,00*

Der Jonas-Komplex
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Der Jonas-Komplex

gebunden

Was haben ein 13-jähriger Schachspieler aus der Steiermark, ein Wiener Schriftsteller und ein recht junger Millionär aus Deutschland gemeinsam? Erstmal nichts.

Thomas Glavinic beschreibt ein Jahr aus deren Leben jeweils mit dem Neujahrstag beginnend. Die Handlungsstränge verlaufen parallel zueinander und interchangieren permanent. Was die drei Protagonisten miteinander zu tun haben und ob sie im späteren Handlungsverlauf sich begegnen werden, bleibt zunächst unklar.

Anno 2015 ist der Wiener Schriftsteller schwer drogen- und alkoholabhängig. Er wechselt Sexualpartnerinnen wie andere Menschen ihre Unterhemden. Er weiß, dass es so nicht weitergehen kann und beschließt seinen Konsum mittels einer Strichliste besser zu kontrollieren.

Als er im Rahmen eines Schriftsteller-Stipendiums nach Carlisle in die Vereinigten Staaten reist, bekommt er sehr schnell Entzugserscheinungen, halluziniert und beginnt sogar zu glauben, dass er in einer Parallelwelt gelandet und eigentlich schon tot ist. Er ist getrieben, ruhelos und findet keinen inneren Ankerpunkt. Einzig die Zeit mit seinem Kind, das meist bei der Exfrau lebt, macht ihn ein wenig glücklich.

Auch der dreizehnjährige Schachspieler führt im Jahr 1985 eine Liste. Jeder, mit dem er zu tun hat, bekommt Plus- oder Minuspunkte; je nachdem, wie er sich verhalten hat. Wenn der liebe Gott mal wieder nicht rettend in das Geschehen eingreift, kann er schon mal tausend Miese bekommen.

Der Jugendliche ist ein Außenseiter, fühlt sich gottverlassen und wird von seiner alkoholabhängigen Ziehmutter sexuell genötigt. Bücher gewähren ihm jedoch einen gewissen Eskapismus von der ermüdenden Realität. In der Gemeinschaft des örtlichen Schachclubs, bei diversen Turnieren oder wenn er den Großvater besucht, blüht er jedoch regelrecht auf.

Auch der Millionär Jonas ist rastlos. Er reist ständig um die Welt und fühlt sich nirgendwo zuhause. Einzige Konstanten in seinem Leben sind sein japanischer Anwalt und Vermögensverwalter Tanaka sowie seine Freundin Marie. Letztere will unbedingt mit ihm zum Südpol reisen.

Um seinem Leben einen tieferen Sinn zu geben, lässt er sich von Tanaka betäuben und irgendwo an den entlegensten Orten rund um den Globus, mit nur wenigen Hilfsmitteln ausgestattet, aussetzen. Jonas muss dann etwa von einer Steilwand in Patagonien oder nackt von einer einsamen Insel irgendwie wieder zurück in die Zivilisation finden. Auch Jonas hat regelmäßig außersinnliche Wahrnehmungen. Immer wieder loggen sich die Seelen verstorbener Freunde und Verwandten in sein Bewusstsein ein.

Zwar führt der Roman die drei Protagonisten im Laufe der Handlung nicht zusammen; verbunden sind sie jedoch durch die Frage nach der eigenen Identität und dem normativen Rahmen der Gesellschaft. Während der Junge zu ängstlich ist, um von der Regel abzuweichen, bricht der Schriftsteller während seiner Exzesse ungewollt mit den Konventionen. Jonas setzt sich hingegen bewusst Gefahren aus und bewegt sich somit absichtlich jenseits des Üblichen.

Allen stellt sich die Frage nach dem Sinn des Seins und die drei wissen nicht so recht, wer sie sind bzw. wer sie sein sollen - oder auch wollen. Zumindest eins ist sicher: Die gesellschaftlichen Konventionen und Rollenvorgaben können für das Trio Infernale kein Vorbild sein. Gerade am Wahnsinn der Welt, den skurrilen Typen und schrägen Begebenheiten von den denen „Der Jonas-Komplex“ erzählt, reiben sich die drei.

Der Begriff „Jonas-Komplex“ meint aber auch eine Theorie des Psychologen Maslow, welche die Angst vor der eigenen Größe und unserem höchsten Potential beschreibt. Genau hierum kreist auch der Roman, denn die drei Protagonisten drohen zu scheitern, weil sie sich dessen, was sie wirklich vermögen, nicht bewusst sind.

Diese Thematik liest sich spannend in einem pulsierenden und wuchtigen Roman, dessen 748 Seiten lodernd aufflackern wie das wahre und intensive Leben selbst.

zum Produkt € 24,99*

Ich denke zu viel
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Ich denke zu viel

kartoniert

Sie denken zu viel, stellen zu viele Fragen und werden von ihrer Umwelt als kompliziert erachtet. Ihr Kopf kommt nie zur Ruhe und am liebsten würden sie den Stecker ziehen, damit ihr Geist endlich aufhört, Gedanken zu produzieren. Auch fühlen sie sich unverstanden und fehl am Platz, so als stammten sie von einem anderen Planeten.

Was gemeinhin mit Hyperaktivität, mangelnder Konzentrationsfähigkeit und den Labels ADHS, Borderline, Schizophrenie oder manischer Depression versehen wird, hat seinen Ursprung in hoher Intelligenz und einer Überaktivität der rechten Gehirnhälfte. Was früher unter dem Sammelbegriff „dysfunktional“ zusammengefasst wurde, bezeichnet die Psychologin Christel Petitcollin als „mental hocheffizient“. Im deutschen Sprachraum spricht man hingegen von „Hochsensibilität“.

In den Köpfen besagter Personen geht es zu wie in einem Ameisenhaufen, so dass sie den stets vorauseilenden und in vielen Abzweigungen mäandernden Gedanken immer hinterherlaufen müssen, diese aber nie zu fassen oder bündeln vermögen. Ständig prasseln neue Informationen herein, die Wahrnehmung ist zu scharf und das Denken zu komplex. Ihnen fallen Details auf, die andere übersehen. Ständig hinterfragen sie alles, so dass es ihnen unmöglich ist, die Welt so zu akzeptieren, wie sie ist.

Mental Hocheffiziente sind hochemotional und hochsensibel. Eben weil sie neurologisch bedingt mehr als andere wahrnehmen, können sie schon von kleinsten Vorfällen aus der Balance gebracht werden. Sie schmecken, riechen, sehen, hören und fühlen intensiver, was sogar synästhetische Eindrücke nach sich ziehen kann. Bei manchen reicht die Wahrnehmung sogar ins Spirituell-Metaphysische.

Das alles ist für die Betroffenen nur schwer auszuhalten; insbesondere dann, wenn auch noch – was keine Seltenheit ist – Schlafstörungen hinzukommen. Beständig rezipieren sie von allem zu viel, was oft zu starken Gefühlsausbrüchen und einer permanenten Überreizung führt. Stimmungsschwankungen vom einem ins andere Extrem sind die Regel, was ihnen das Etikett „Borderline-Persönlichkeit“ verpasst.

Stresssituationen bewältigt der mental Hocheffiziente am besten mittels der Dissoziation, die es ihm ermöglicht, zum Beobachter der Situation zu werden, in der er sich gerade befindet. Auch passen sie sich nach außen hin der Umwelt normgerecht an, so dass ihr Anderssein nicht weiter auffällt. Einerseits verleugnen Hochsensible so ihr wahres Sein, was sie innerlich aushöhlt; andererseits sind sie sehr harmoniebedürftig, weshalb ihnen diese Tarnung guttut.

Weiterhin nehmen mental Hocheffiziente urplötzlich und unfreiwillig die Emotionen ihrer Umwelt in ihr System auf, weshalb Petitcollin von einer „Hyperempathie“ spricht. Daher haben sie Verständnis für andere, die sie deswegen auch nicht verurteilen. Gemütszustand, Erwartungen und Gedanken ihres Gegenübers nehmen sie mittels ihrer feinen Antennen scharf wahr.

Eben weil hochsensible Menschen so viel wahrnehmen, sind sie oft hilfsbereit, altruistisch und warmherzig. Sie stellen hohe Ansprüche an sich selbst, folgen einem hehren Wertesystem, hinterfragen sich und sind selbstironisch. Auch sind sie aufgeschlossen, neugierig, humorvoll und kreativ. Zudem verfügen sie über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, sind integer, ehrlich und authentisch.

Nun geht es in Petitcollins Buch darum, wie sich der mental Hocheffiziente in einer Welt der „Norm-Denker“ zurechtfinden kann. Mit letzteren sind jene gemeint, deren linke Gehirnhälfte dominant ist und nur stufenweise bzw. linear denken können. Sie machen 70 bis 85 Prozent der Bevölkerung aus.

Petitcollin rät den Betroffenen, ihr Denken zu strukturieren, um den mäandernden Gedanken besser folgen zu können. Dies geschieht mittels einer Mindmap. Ein weiterer Schritt ist, die Selbstachtung zurückzugewinnen. Eben diese litt in der Vergangenheit durch die gesellschaftliche Ausgrenzung als Folge des Andersseins und des Unverständnisses der Umwelt, das Hochsensiblen oft widerfuhr.

Letztlich muss der mental Hocheffiziente lernen, in der Welt der Normdenker besser zurechtzukommen. Daher gilt es, die Gehirnfunktionen zu optimieren. Hierbei nennt Petitcollin fünf Grundbedürfnisse, die der Betroffene nun pflegen darf. Schafft er es dann auch noch, sich selbst genug zu sein und Kritik nicht zu nah an sich heranzulassen, kann es gelingen, in einer Welt der von der linken Gehirnhälfte dominierten Menschen gut zurechtzukommen.

Summa summarum ein wissenschaftlich fundiertes, verständliches und spannendes Buch. Es erklärt grundlegende Unterschiede plausibel und schenkt gerade jenen, die sich unverstanden fühlten und dachten, sie seien irgendwie fehl am Platze, ein neues Zuhause.

zum Produkt € 16,00*

Geschehnisse während der Weltmeisterschaft
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Geschehnisse während der Weltmeisterschaft

gebunden

Anno 2028 tritt der Deutsche Verband für Sportkopulation zur Leistungssex-Weltmeisterschaft in Kopenhagen an. Zu diesem Zeitpunkt ist diese Sportart so neu nicht mehr und erfreut sich steigender Beliebtheit.

Im deutschen Team wird eisern trainiert und Protagonist Leon darf dreimal am Tag sein „primäres Sportgerät“ beim „Interkursieren“ abhärten. Macht doch Spaß, möchte man als Außenstehender meinen; aber Leon ist ein Profi, der Sex primär als seinen Beruf sieht, in dem er zufällig recht gut ist.

Es gibt verschiedene Disziplinen: die Speed-Wettkämpfe, den Direktvergleich zweier Paare oder die Oral- bzw. Manual-Stimulation-Contests. Laute Geräusche sowie echte als auch vorgetäuschte Orgasmen sind während des Wettkampfes verboten. Alles muss regelkonform ablaufen.

Soweit so gut; wäre Leon nicht in seine Trainingspartnerin und Teamkollegin Sally verliebt. Einerseits ist er ihr berufsbedingt sehr nah, andererseits ist das Verhältnis emotional distanziert.

Gleichzeitig ist die Weltmeisterschaft eine Hochsicherheitsveranstaltung, die von Moralaposteln der verschiedensten Couleur bedroht wird. Kriminalhauptkommissarin Carolyn Holm ist für den reibungslosen Ablauf des Events verantwortlich.

Dennoch geschieht während der Weltmeisterschaft ein Mord an einem Sportfunktionär. Die Tat soll seinem kurz zuvor gewählten Nachfolger untergeschoben werden, damit ein weiterer Aspirant Präsident des internationalen Sexverbandes werden kann.

Doch es kommt anders: Während der Wettkämpfe beendet ein berühmter holländischer Sexualsportler seine aktive Laufbahn, um zeitnah seinerseits zu kandidieren. Scheinbar hat der dänische Zentralrat der Muslime diese überraschende Wendung des Geschehens maßgeblich beeinflusst.

Das hochfavorisierte deutsche Team schafft es bis ins Finale. Ein Sieg gegen eine chinesische Auswahl ist nur noch Formsache. Allerdings sind die Chinesen wohl nicht ganz zufällig so weit gekommen und auch hohe Wetteinsätze lassen vermuten, dass Manipulation mit im Spiel ist. Zum Finale kommt es jedoch nicht mehr, als zwei weitere Tote zu beklagen sind.

Was man von Kraussers neuen Roman halten soll, ist schwer zu sagen. Das Thema ist sicherlich spannend. Auf diese Idee muss man erst mal kommen! Allerdings plätschert der Roman seltsam blutleer vor sich hin. Dass Krausser es besser kann, hat er mit Meiserwerken wie „Melodien“, „Thanatos“ oder „Ultrachronos“ bereits bewiesen.

zum Produkt € 20,00*

Good Home
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Good Home

gebunden

T.C. Boyles letzter Roman "Die Terranauten" war zwar von der Konzeption her durchaus interessant, letztlich aber zu langatmig. Als ob sich der verdiente amerikanische Autor diese leise Kritik zu Herzen genommen hat, fasst er sich nun umso kürzer.

Der schöne Effekt dabei: Seine Erzählungen kommen auf den Punkt und sind größtenteils angenehm ausbalanciert. Meist beginnen sie mit gewöhnlichen Situationen. Plötzlich bricht etwas in den Alltag hinein und bringt das Altbekannte durcheinander.

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen eines Morgens während der Pflege der Beete im Garten ein Tiger begegnet? Wie schafft es ein Transportfahrer, die für eine Transplantation bestimmte menschliche Leber rechtzeitig in ein OP-Zentrum zu bringen, wenn die Straße von einem Erdrutsch blockiert wird, und der Verkehr völlig zum Erliegen kommt?

Ist es Zufall oder göttliche Fügung, der Menschen in ungewöhnliche Konstellationen hineinkatapultiert? Zumindest wissen sie nicht, wie ihnen geschieht. Plötzlich ist der Spuk vorbei und alles nimmt wieder seinen gewohnten Lauf.

So betreibt ein Allgemeinarzt wieder seine Praxis; als ob nichts gewesen wäre. Zuvor war er jahrelang von einem schmerzunempfindlichen Jungen fasziniert, der sich letztlich todessicher aus dem dritten Stock stürzt, um seinen Freunden zu imponieren. Auch kehrt ein älteres Paar in das rund um Tschernobyl radioaktiv kontaminierte Gebiet zurück, um sein altes Leben wieder zu beginnen.

Andererseits ändert sich das Leben der Protagonisten, nachdem ein alkoholisierter Vater seine zwölfjährige Tochter dazu nötigt, sich ans Steuer zu setzen, was einen Unfall zur Folge hat. Auch sieht das Leben eines venezolanischen Baseballstars und dessen entführter Mutter nach ihrer Befreiung anders aus als zuvor.

In Boyles Geschichten passiert viel Aufregendes, was meist spannend und pointiert in Szene gesetzt wird. Der Leser begegnet vielen skurrilen Gestalten, die oft Außenseiter der Gesellschaft sind, was sie umso interessanter macht. Manch einer verwahrlost völlig oder beginnt nach tiefen Lebenseinschnitten kapriziöse Spleens zu entwickeln.

Oft tauchen Tiere in Boyles Geschichten auf. Manchmal wirken sie wie schamanische Krafttiere; so als wollten sie eine geheime Botschaft vermitteln. Und manchmal kommt es sogar zu einem tödlichen Schlangenbiss. Andererseits stellen sie die Verbindung zu einem von Boyles ureigenen Themen her: der Ökologie und dem Umweltschutz.

Es befinden sich jedoch nicht nur Killer, sondern auch ein paar Filler in diesem Erzählband. So sind die Erzählung über eine Klientin, die sich in einen Botoxarzt verliebt oder die Lügengeschichte eines Vaters, der den Tod seiner Tochter vortäuscht, eher durchschnittlich. Auch die Beschreibung zweier Sänger oder die Schilderung eines Angelausflugs auf hoher See laufen ins Leere.

Summa summarum überwiegen jedoch die packenden Erzählungen, die oft eine pragmatische Nonchalance ausstrahlen und urplötzlich aus dem Nichts heraus zupacken können. Der Leser fragt sich am Ende erstaunt: Ist das gerade wirklich passiert?

zum Produkt € 23,00*

Der Abfall der Herzen
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Der Abfall der Herzen

gebunden

Eigentlich hat er sich schon ziemlich genau überlegt, wovon sein neuer Roman handeln soll und welche Elemente er enthalten muss. Der Schriftsteller Nagel hat sich einen Sommer freigenommen und möchte mit dem Schreiben beginnen. Aber irgendwie mögen die einzelnen Textbausteine nicht so recht zusammenpassen und die Inspiration will einfach nicht fließen.

Als er von einem alten Kumpel auf einen Brief, den Nagel an eben diesen vor rund 16 Jahren gesendet hatte, angesprochen wird, setzt die Erinnerung aus. Besagter Freund lässt Nagel den ominösen Brief zukommen, was ihn dazu verleitet, in seinen alten Tagebüchern zu blättern. Und tatsächlich: In einem Eintrag vom April 1999 findet der Brief Erwähnung und in der Folge liest sich Nagel tagelang durch seine eigene Vergangenheit. Das Geschriebene scheint von einer ihm fremden Person verfasst worden zu sein; zu divergent wirkt manches aus heutiger Sicht.

Andererseits erinnert sich Nagel fasziniert an den Sommer 1999. Ein letzter großer Sommer der Unbeschwertheit, Exzesse und Kuriositäten, bevor viele schräge Vögel aus Nagels WG-, Freundes- und Bandumfeld sich in alle Richtungen verloren und das Erwachsenenleben dräuend am Horizont heraufzog.

Fasziniert von dieser Zeit beschließt Nagel die alten Freunde zu kontaktieren, trifft sie und befragt sie zu ihren Erinnerungen an das Jahr 1999, die teilweise einen harschen Kontrast zu den eigenen Tagebucheinträgen bilden.

Im Ergebnis beschreibt Thorsten Nagelschmidt eine exemplarische Jugend in der Provinzstadt Rheine, die sich ähnlich in jeder anderen Kleinstadt Deutschlands hätte abspielen können.

Es war eine Zeit, in der das Internet gerade erst aufkam und nur wenige ein Handy besaßen. Selbstredend kamen Nagels Freunde alle aus der „Alternative Nation“, spielte der Autor doch selbst bei der damals recht bekannten Indie-Band Muff Potter.

Der ideale Roman für alle Fourty-Somethings, die in einem alternativen Umfeld aufwuchsen und sich schmunzelnd an ihre wilde Jugend erinnern möchten. Backflash garantiert!

zum Produkt € 22,00*

1918 - Die Welt im Fieber
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

1918 - Die Welt im Fieber

gebunden

Spinneys Werk trumpft mit einer schier unendlichen Dichte an exzellent recherchiertem Material auf. Gleichzeitig ist es eine spannende Lektüre. Dank dem unerwarteten und frischen Ansatz, die Pandemie von 1918 nun unter demographischen, sozial-ökonomischen, kulturellen, geopolitischen u.a. Aspekten zu betrachten, öffnen sich dem Leser ganz neue Bedeutungsschichten.

Das Buch enthält viele interessante, oft wenig bekannte, historische Tatsachen und wirft ein neues Licht auf die gesamte Geschichte des 20. Jahrhunderts. Aber nicht nur. Es weist auch in die Zukunft, es bietet Ansatzpunkte, um einer solchen globalen Katastrophe angemessen entgegentreten zu können.

Spannend, informativ, zukunftsweisend, grundlegend

Der Erste Weltkrieg geht zu Ende, und eine weitere Katastrophe fordert viele Millionen Tote: die Spanische Grippe. Binnen weniger Wochen erkrankt ein Drittel der Weltbevölkerung. Trotzdem sind die Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik und Kultur weitgehend unbekannt. Ob in Europa, Asien oder Afrika, an vielen Orten brachte die Grippe die Machtverhältnisse ins Wanken, womöglich beeinflusste sie die Verhandlung des Versailler Vertrags und verursachte Modernisierungsbewegungen. Anhand von Schicksalen auf der ganzen Welt öffnet Laura Spinney das Panorama dieser Epoche. Sie füllt eine klaffende Lücke in der Geschichtsschreibung und erlaubt einen völlig neuen Blick auf das Schicksalsjahr 1918.

zum Produkt € 26,00*

Der Clan der Kinder
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Der Clan der Kinder

gebunden

Dieses gnadenlose Sich-Vertiefen in eine – mir persönlich bis dato völlig unbekannte, fremde – Strata der italienischen oder auch einer beliebigen anderen Gesellschaft ist faszinierend. Erschütternd. Es legt Mechanismen frei, die der Autor kritisch wie einfühlsam, besorgt wie entsetzt vor unserem inneren Auge zum Leben erweckt. Jugendliche, im gruppenumtriebenen Wahn des Starkseins, im ausweglosen Ghetto von einer In-Gruppe eigenen Verhaltensmustern zu Taten verführt. Oder gezwungen ? Existiert ein Ausweg aus diesem Sumpf, in dem Kinder Drogen und Gewalt als ihr natürliches Habitat betrachten ? Einer gewissen Romantik entbehrt das Ganze ja nicht. Reich, stark, gefürchtet zu sein. Ist es in der anderen, legitimierten Welt so viel anders ? Das durch und durch Korrupte der – nicht nur – italienischen Gesellschaft dient als Vorführmodell.

Saviano läßt uns mit einer fast väterlichen Sympathie und Sorge an den Ereignissen im neapolitanischen Milieu teilhaben. Die Geschichte hat eigentlich keinen Anfang, kein Ende, aber aus ihr gehen, später einmal, immer wieder, die großen Bösen hervor, gegen die Saviano nun schon seit Jahren kämpft. Er verurteilt die jungen Delinquenten, die bewußt Quälenden und ernst Tötenden jedoch nicht blind. Er versteht sie, und es schmerzt ihn um dieses Kanonenfutter eines Landes, das es einfach nicht schafft, wenigstens eine Hoffnung auf Zukunft zu geben, eine Möglichkeit, es anders zu machen.

zum Produkt € 24,00*

Idaho
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Idaho

gebunden

Im Jahre 2004 ist die Tat schon längst geschehen. Eine Frau versucht zu rekonstruieren – oder besser noch: zu erfühlen -, was sich ereignete und warum es dazu kam. Ihr Name ist Ann. Sie ist mit Wade, der beide Töchter verloren hat, verheiratet. May ist tot und June ist spurlos verschwunden. Die Mörderin Jenny wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, ist Wades Ex-Frau und die Mutter der beiden Mädchen.

Das Drama wird in der Folge nicht zeitlich linear nacherzählt. Vielmehr springt die Handlung erstmal vier Jahre in die Zukunft zu Ann, die apathisch und teilnahmslos im Gefängnis ihrem Lebensende entgegentraumwandelt. Es geht in die Mitte der 1980er Jahre zurück und noch weiter hinten im Roman schreiben wir anno 1973. Diese Rückblenden beschreiben die Vorgeschichte und das Kennenlernen von Jenny und Wade.

Und plötzlich finden wir uns im Jahre 1995 wieder. May lebt noch und spielt mit ihrer Schwester, was im darauffolgenden Kapitel namens 2006 nicht mehr der Fall ist. Und so geht es in einem fort; eine lineare Handlung gibt es nicht. Was verwirrend und anstrengend erscheinen mag, entpuppt sich als genial und subtil verwobener Plot, der auf den Leser eine hypnotische Sogwirkung ausübt. Alles bleibt vage, nur angedeutet und Emily Ruskovich versteht es meisterhaft, den Leser im Unklaren zu lassen.

Analog zu dem nicht Ausgesprochenen, Nebulösen fällt Wade zusehends der Demenz anheim. Auf diese Weise verliert er seine Töchter sozusagen ein zweites Mal, weil er sich an diese nicht mehr erinnern kann. Ann, die mittlerweile fast schon übersinnlich mit ihrem inneren Auge das damalige Geschehen hyperreal wahrnimmt, kontaktiert Jenny 2010. Wade ist bereits verstorben. Es vergehen jedoch noch weitere 15 Jahre, bis sich die beiden Frauen letzten Endes wahrhaftig gegenüberstehen.

Ein wortwörtlich wahnsinniger Roman, der gerade, weil der Mord an der eigenen Tochter so unvorstellbar ist, äußerst subtil und narkotisch wirkt. So als ob man es lieber nicht wissen will oder ganz einfach: Manche Dinge lassen sich nicht erklären. Ein psychologisches Meisterwerk, der das nicht Ausgesprochene fühlbar macht und gerade in der Andeutung eine schauerliche Realität erahnen lässt.

zum Produkt € 24,00*

Die Wurzel alles Guten
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Die Wurzel alles Guten

gebunden

Ein positives Buch mit einem enormen Glücklichmachpotenzial!

Schon bei der Anmeldung ist es Pekka Kirnuvaara aufgefallen: Sein neuer Zahnarzt trägt denselben ungewöhnlichen Nachnamen wie er. Und dann hat er praktisch die gleiche Nase. Auf Pekkas bohrende Fragen nach Herkunft und Familie antwortet Esko seinerseits mit unablässigem Bohren. Erst kurz vor Ende der Behandlung gibt er endlich zu, dass sie Halbbrüder sein müssen - und willigt ein, mit Pekka nach dem gemeinsamen Vater zu suchen. Auf ihrer Reise finden sie weitere Halbgeschwister; ihr Erzeuger hat eine Spur von Nachkommen durch die halbe Welt gelegt. Eine originelle Komödie aus Finnland über Herkunft, Identität und Vorurteile - und dazu die schönste Geschwistergeschichte südlich des Polarkreises.

zum Produkt € 20,00*

Alles Licht, das wir nicht sehen
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Alles Licht, das wir nicht sehen

kartoniert

In seinem Roman erzählt Anthony Doerr kenntnisreich und in einer wunderschönen Sprache, kunstvoll miteinander verwoben, die Geschichte zweier Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg, der blinden Marie-Laure, die mit ihrem Vater aus dem besetzten Paris nach Saint-Malo flieht, und des jungen Waisen Werner, der in der Wehrmacht eingesetzt wird. Unaufhaltsam treibt die Geschichte sie aufeinander zu, spannend, labyrinthisch und atemlos.

zum Produkt € 11,00*

Die Nachtigall
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Die Nachtigall

kartoniert

Ein grandioses Werk, überwältigend ab der ersten Zeile. Die Autorin überzeugt in den filigranen Nuancen der Gefühle, behält aber dabei das große Ganze im Alltäglichen wie in seiner Tragik stets im Auge und webt ein Portrait der Epoche, das seinesgleichen sucht.

Das Schicksal der zwei so unterschiedlichen Schwestern ist derart eng umschlungen mit dem Schicksal Frankreichs während der Okkupation, dass wir die beiden Protagonistinnen fast für allegorische Wesen halten könnten - wären sie nicht so lebendig und uns unendlich nahe.

Nicht zuletzt der überragenden, authentischen Übersetzung ist es zu verdanken, dass wir stets hautnah am Geschehen mitfiebern.

Zum Inhalt:
Zwei Schwestern im besetzten Frankreich: Vianne, die Ältere, muss ihren Mann in den Krieg ziehen lassen und wird im Kampf um das Überleben ihrer kleinen Tochter vor furchtbare Entscheidungen gestellt. Die jüngere Isabelle schließt sich indes der Résistance an und sucht die Freiheit auf dem Pfad der Nachtigall, einem geheimen Fluchtweg über die Pyrenäen. Doch wie weit darf man gehen, um zu überleben? Und wie kann man die schützen, die man liebt?

zum Produkt € 10,99*

Das Gedächtnis der Insel
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Das Gedächtnis der Insel

gebunden

Dieses Buch ist der salzigen Gischt und den moosbewachsenen Felsen der rauen bretonischen Küste entwachsen. Schnörkellos geschrieben, und dennoch voller tiefer Poesie, vermag Christian Buders Debütroman zu fesseln, gleichsam mitzureißen in die unerbittlichen Gezeiten der Mer d'Iroise. Granit, ein Leuchtturm, aufgewühlte Wogen und Verdrängtes, das einen immer wieder erfasst und in einen Wirbel aus Schuld hineinzieht.

Als der Pariser Archäologe Yann Schneider für zwei Tage zur Beerdigung seines Vaters auf seine bretonische Heimatinsel zurückkehrt, spürt er die Schatten seiner familiären Vergangenheit: Als Kind traumatisiert durch den Unfalltod seiner Mutter Abigale, muss er dreißig Jahre später erkennen, dass hinter dem Tod seiner Mutter andere Kräfte wirkten, als er immer annahm. Während ein fürchterlicher Sturm aufzieht, kommt Yann seiner eigenen Geschichte, seiner Wahrheit, seinem Schicksal auf die Spur und konfrontiert die Inselbewohner mit ihrer Vergangenheit und ihrer Schuld.

zum Produkt € 19,99*

Die Kieferninseln
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Die Kieferninseln

gebunden

Matushima ist eine kleine Küstenstadt im Nordosten der japanischen Hauptinsel, die von zauberhafter Natur umgeben ist. Der Name Matushima bedeutet „Kieferninseln“, derer rund 260 Stück dem Festland vorgelagert sind. Schon im 17. Jahrhundert raunten die japanischen Schwarzkiefern dem Dichter Matsuo Basho Mystisches entgegen. So mag ihn die dortige magische Atmosphäre weiland zum Verfassen seiner berühmten Haikus inspiriert haben.

Auch Gilbert Silvester, ein deutscher Privatdozent und Bartforscher, beginnt im Laufe einer Reise nach Japan diese kurzen Dreizeiler zu verfassen. Sie verweben sich skizzenhaft und bedeutungsschwanger mit dem auf seiner Pilgerschaft Erlebten.

In Japan findet sich Silvester wieder, als er eines Nachts träumt, seine Frau habe ihn betrogen. Das Geträumte ist für ihn so real, dass er überreagiert und in den fernen Osten flüchtet. Dort angekommen weiß er nicht so recht, was er machen soll und lässt sich treiben.

Schon bald lernt er den Studenten Yosa kennen, der vorhat, sich das Leben zu nehmen. Wie praktisch, dass er ein Selbstmordhandbuch mit sich führt, dass neben Anwendertipps auch Vorschläge für die geeignetsten Freitodorte bereithält.

Es beginnt eine Reise zu einigen dieser speziellen Ausflugsziele; aber keines will so recht den Ansprüchen Yosas genügen. Also beschließt das ungleiche Paar auf den Spuren Bashos zu wandeln. Vielleicht hält ja eine der Kieferninseln eine besonders schöne Klippe bereit, von der es sich formvollendet und ästhetisch ansprechend hinabstürzen lässt? Silvester verspricht sich hingegen auf der traditionellen Route der Wandermönche Abstand von seiner Ehe zu gewinnen.

Je näher das Ziel rückt, desto mehr verschmelzen mehrere Bewusstseinsebenen zu metaphysischen Interludien. Auch färbt die sanfte japanische Melancholie zusehends auf Silvester ab. Ein stiller, poetischer wie auch naturmystischer Roman, der die Todessehnsucht zu einer Stilfrage werden lässt.

zum Produkt € 20,00*

Vintage
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Vintage

gebunden

Sie ist ein Mythos und viele Gerüchte ranken sich um sie. Jimi Hendrix und Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page sollen sie im Geheimen während ihrer Aufnahmen verwendet haben. Unter Musikern und Sammlern gilt es als äußerst fraglich, ob dieses Instrument jemals existierte. Gerüchten zur Folge hat der Gitarrenhersteller Gibson anno 1957 eine für damalige Verhältnisse futuristisch anmutende Gitarre entworfen und bereits wenige Prototypen gebaut, um dann doch von einer Markteinführung abzusehen. Die Rede ist von der Gibson Moderne.

Angeblich existieren jedoch besagte Prototypen noch, was die Moderne zu den seltensten und gleichzeitig gefragtesten Gitarren überhaupt macht. Einem mysteriösen Sammler gehörte vermeintlich ein Exemplar, das ihm jedoch gestohlen wurde. Um an die hohe Versicherungssumme zu kommen, muss er beweisen, dass die Moderne überhaupt existierte.

Ein schwieriges Unterfangen, besitzt der schottische Lord doch keinerlei Fotos der Gitarre. Er bietet dem französischen Musiker und Gitarrenexperten Thomas Dupré eine Million, wenn er ein Exemplar jener Gitarre ausfindig machen kann, von der lediglich Patentzeichnungen existieren.

Dupré begibt sich auf die Suche und reist deswegen nach Australien und quer durch Amerika, wo er kauzige Sammler, obskure Musiker und manch zwielichtige Gestalt kennenlernt. Es kommt zu einem Mord an einen Gitarrenhändler und Dupré findet eine heiße Spur.

Besaß der Musiker Li Grand Zombi in den 1950er Jahren eine Moderne? Was befindet sich in dessen Grab? War er der Sohn des Bluesmusikers Robert Johnson?

Bis es zur Beantwortung dieser Fragen kommt, ist noch viel Detektivarbeit zu leisten. Gerade diese Recherche und das Zusammenfügen der kleinsten Puzzleteilchen macht Herviers Roman so spannend. En passant lernt der Leser so einiges über die goldene Zeit der Rock- und Bluesmusik. Ein Krimi, der rockt und ein papierneres Roadmovie, das spannend bis zum Schluss bleibt.

zum Produkt € 24,00*

empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Glastonbury Romance

gebunden

Glastonbury, in der südenglischen Grafschaft Somerset gelegen, war schon seit jeher ein magischer Ort. In jener Gegend, die sich unweit des prähistorischen Steinkreises Stonehenge befindet, soll das mythische Land Avalon gelegen haben. Der englische Schriftsteller J. C. Powys fasste schon vor rund 85 Jahren den Entschluss, eine Art moderne Arthussage zu erschaffen.

Das 1933 erschienene Monumentalwerk "A Glastonbury Romance" beschreibt detailliert das Leben im Glastonbury der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Powys entwirft ein komplexes Beziehungsgeflecht zwischen den Protagonisten, wodurch viele Nebenhandlungen entstehen.

Der eigentliche Handlungsstrang wird aus dem Kontrast zwischen Mittelalter und Moderne gewoben: Ein Prediger möchte Glastonbury zu einer Art englischen Oberammergau machen und dort ebenso wie in Bayern Passionsspiele etablieren, die aber auch Elemente der heidnischen Sagen in sich tragen sollen.

Ein Industrieller hegt jedoch andere Pläne: Er will die Stadt in eine moderne Wirtschaftsmetropole verwandeln. Letztendlich können die beiden Hauptfiguren jedoch nicht ihren beiden Schicksalen entkommen und werden Opfer göttlicher Fügung. Soweit die Rahmenhandlung.

Insgesamt kommt es Powys jedoch mehr auf die Erzeugung magischer Stimmungen und die Gewährung psychologischer Einblicke an. Den Nährboden bildet die stets latent durchschimmernde Arthussage, die mit fernöstlichen Weisheiten verwoben wird, wodurch eine Verbindung zur Unendlichkeit, dem Geheimnis der Schöpfung hergestellt werden soll.

Der Roman lebt von den vielen mystischen Momenten und dem heidnischen Naturempfinden der Protagonisten. Powys schenkt selbst Steinen ein Bewusstsein und lässt Bäume sprechen.

Powys ist zwar eher ein Autor für ein kleines Publikum, seine Qualität ist jedoch unbestritten. Dies wird allein schon daran deutlich, dass er viele Bewunderer unter Schriftstellerkollegen, wie z. B. Herman Hesse oder Henry Miller, fand.

"A Glastonbury Romance" zählt trotz seiner relativen Unbekanntheit zur großen Weltliteratur und kann guten Gewissens mit James Joyces Ulysses auf eine Stufe gestellt werden.

zum Produkt € 39,90*

Thanatos
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Thanatos

kartoniert

Konrad Johanser ist Archivar am Institut für Deutsche Romantik in Berlin und führt das Leben eines entrückten Einzelgängers. Seine Ehe ist zerrüttet, das Leben ist zu einer farblosen Aneinanderkettung sich wiederholender, nichts sagender Ereignisse geworden.

Als herauskommt, dass er romantische Texte gefälscht hat, wird ihm gekündigt. Infolgedessen entschließt er sich, zu seinem Onkel in die Schwäbische Alb zu fliehen, wo er mit einer vollkommen anderen, kleinbürgerlichen Welt konfrontiert wird.

Das anfangs als Idyll empfundene Dorf, in dem er sich nun befindet, wandelt sich mit dem Fortschreiten der Handlung in eine kleine, psychische Hölle, die primär in Johansers Kopf existiert. Er muss sich zusehends vor seinen Verwandten und den Dorfbewohnern verstellen oder sogar verteidigen, um seinen unsteten Lebenswandel zu rechtfertigen.

Johansers Persönlichkeit beginnt sich immer mehr aufzulösen, er verfällt der Trunksucht und beginnt Wahnvorstellungen für real zu halten. Seine Umwelt steht in absoluter Opposition zu der von ihm zum Ideal erkorenen romantischen Ästhetik, was sich im ständigen Wechsel zwischen moderner, nüchterner Sprache und romantisch anmutenden, gehobeneren Ausdrucksformen äußert.

Als Johanser später zum Mörder wird, scheint er dem Wahnsinn endgültig anheim gefallen zu sein. Der Prozess der Persönlichkeitsveränderung wird durch die fortschreitende Fragmentierung der Handlung und Sinnzusammenhänge genial umgesetzt.

zum Produkt € 12,99*

Saeculum
empfohlen von:

Désirée Westphal

Désirée Westphal

Saeculum

kartoniert

Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter - ohne Strom, ohne Handy -, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.

Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.

Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.

Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?

Auszeichnungen:

- Kollektion zum Österreichischen Jugendliteraturpreis 2012

- Empfehlungsliste zum Evangelischen Buchpreis 2012

- Endauswahl der Kalbacher Klapperschlange 2012

- Jugendbuchpreis der Jury der Jungen Leser (Wien) 2012

Gekonnt fesselt Spiegel-Bestsellerautorin Ursula Poznanski, auch bekannt durch ihre Jugendromane „Erebos“ und „Die Verratenen“ sowie durch ihre Thriller für Erwachsene: „Fünf“ und „Blinde Vögel“, erschienen beim Wunderlich Verlag, die Leserinnen und Leser von der ersten Seite an zu, nimmt sie mit auf eine zunächst harmlose Reise ins Mittelalter, die sich zu einer Extremsituation, zu einem Strudel aus Grauen, Hochspannung und Horror entwickelt. Mit ihrer unverwechselbaren Art entfaltet sie rund um ein Live-Rollenspiel eine komplexe Geschichte, spielt geschickt mit Schein und Realität. Ein Jugendbuch-Thriller zum Thema Manipulation mit Suchtcharakter!

zum Produkt € 9,95*

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