Buchhandlung Isarflimmern

Unsere Empfehlungen

Mein Ein und Alles
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Mein Ein und Alles

gebunden

Man könnte „ihr die Kniesehnen durchschneiden und sie mitten im Busch aussetzen, und wenn du wieder vorbeikämst, würdest du feststellen, dass sie sich mit den Wölfen zusammengetan und ein Königreich gegründet hat“ heißt es von Turtle, einem vierzehnjährigen Mädchen. Ihr Vater Martin sagt zu ihr: „Du siehst aus wie eine Najade. Du siehst aus wie ein Mädchen, das von den Wölfen aufgezogen wurde.“

Tochter und Vater leben auf einem heruntergekommenen Anwesen in der Natur – ziemlich weit von den nächsten Nachbarn entfernt. Während der gebildete und viel Bücher lesende Martin sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, hat Turtle schulische Probleme und grenzt sich gerne von ihrer Umwelt ab.

Deshalb hält sie sich lieber in der Wildnis auf. Sie ist ein Waldwesen, das mit Flora und Fauna verschmolzen ist. Fast schon hat es den Anschein, als könne sie mit Pflanzen und Tieren mittels einer geheimen Sprache kommunizieren.

Wenn sie Hunger hat, fängt sie sich Aale und Krabben aus dem Meer oder isst lebendige Skorpione, die sie mit Tabasco würzt. Andererseits ist sie sehr gewandt im Umgang mit Schusswaffen. So kann es vorkommen, dass sie einen Hasen erschießt, um diesen vor Ort zu braten und essen.

Turtles Mutter ist schon vor langem beim Tauchen ertrunken, wodurch mit der Zeit eine innige Vater-Tochter-Beziehung heranwuchs. Die Bindung ist so eng, dass es mehrmals zu sexuellem Missbrauch kommt. Misshandlungen, aber auch grausame, lebensgefährliche Erziehungsmaßnahmen widerfahren ihr zusätzlich. Dennoch liebt Turtle ihren Vater und er liebt sie; alles fühlt sich auf perverse Art völlig normal an.

Turtle ist für Martin gewissermaßen eine Ersatzehefrau, zumal sie in puncto Wesen und Aussehen ihrer Mutter extrem ähnlich ist. Sie ist sein „ein und alles“ und möchte mit allen Mitteln verhindern, dass sie ihn eines Tages verlässt. Zu groß ist die immer noch glühende Trauer um die verstorbene Gattin. Zwischen beiden besteht ein unausgesprochener Schwur: Nie soll etwas oder jemand zwischen sie kommen. Besagter „jemand“ taucht dann aber doch auf und heißt Jacob.

Turtle begegnet Jacob und seinem Kumpel nachts im Wald, wo sich die beiden verlaufen haben. Sie rettet beide aus unwegsamen Gelände und installiert mit ihnen ein Notlager. Jacob und Turtle schließen Freundschaft. Schon bald geraten sie abermals in eine abenteuerliche Situation, als sie von der Flut überrascht werden und zwei Nächte lang auf einer Klippe ausharren müssen.

Natürlich hat Martin etwas gegen diese Freundschaft und Jacob möchte Turtle tatsächlich befreien. Nun nimmt das Unglück seinen Lauf, an dessen Ende ein Toter zu beklagen ist.

In den U.S.A. gilt Gabriel Tallents Roman als Sensationsdebüt und wird allerorten abgefeiert. In der Tat: Tallents Stil gestaltet sich atmosphärisch dicht, ist bildgewaltig und bedient sich einer detaillierten wie plastisch-lebendigen Erzählkunst. So meint der Leser das Beschriebene beinahe materialisiert im Raum wahrnehmen zu können.

Zudem versteht es Tallent bravourös, den Spannungsaufbau insofern zu potenzieren, indem er diesen gekonnt verzögert. Hinzu kommen die ausführlichen Naturbeschreibungen. Alles wirkt belebt, mystisch und geheimnisvoll.

Insgesamt berstet Tallents Sprache vor Lebensfülle, Vitalität und Verve. Die Umwelt äußert sich, will beschrieben, erlebt und ins außen getragen werden.

zum Produkt € 24,00*

Die Essenz
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Die Essenz

kartoniert

Mittlerweile umfasst die Reihe „Gespräche mit Gott“ neun Bände. Zeit also, für Neale Donald Walsh Resümee zu ziehen und nochmal herauszuarbeiten, was Gottes Hauptbotschaft an die Menschheit ist. Gleichzeitig sieht sich ein interessierter Leser, der erstmals Walsh‘ Werk begegnet, mit einem opulenten Gesamtwerk konfrontiert. Wo anfangen, was ist essentiell, was weniger wichtig?

Deshalb hat der amerikanische Schriftsteller aus seinem Oeuvre 25 Kernbotschaften herausdestilliert. Einerseits dienen sie Neophyten als Einstieg, der einen detaillierten Überblick bietet und dazu animiert, mehr in Tiefe zu gehen. Andererseits kann der eingeweihte Walshianer nochmal rekapitulieren und sich abermals vergewissern, was die sprichwörtliche „Essenz“ ist.

Manche dieser Weisheiten wirken beim oberflächlichen Lesen fast ein wenig banal. So erfährt der Leser beispielsweise, dass die Hölle nicht existiert, wir alle eins sind und dass die Liebe das einzige ist, was existiert. Richtig und falsch gibt es in Wirklichkeit nicht. Raum und Zeit sind eine Illusion. Das alles haben wir in dem einen oder anderen Zusammenhang schon bei vielen anderen Autoren und Weisheitslehrern gehört.

Allerdings erklärt Walsh jede Botschaft sehr ausführlich und stößt den Leser auf Aspekte, die auf den ersten Blick verborgen bleiben. Darüber hinaus gibt er am Ende jeder Abhandlung über die jeweilige Botschaft Anregungen und Hinweise, wie der Leser die Botschaften im Alltag anwenden kann und sie zum Ausdruck gelebter Spiritualität werden lässt. Schließlich geht es Walsh darum, dass die Erde ein harmonischer und friedvoller Ort wird.

En passant werden schlüssig und nachvollziehbar die großen Menschheitsfragen behandelt: Was ist der Sinn des Lebens? Warum existiere ich? Die Antwort ist so verblüffend und erstaunlich, dass man sich fragt: Warum wurde uns dies nicht schon früher nähergebracht?

Wurde es sehr wohl; nur besitzt Walsh die einzigartige Gabe, Komplizierte Zusammenhänge leicht verständlich zu erklären. Hilfreich ist hierbei, dass er Gottes Botschaften hier – mit jeweils anderer Gewichtung zwar – des Öfteren wiederholt, so dass sie sich dem Leser nachhaltiger einprägen.

zum Produkt € 14,00*

Ein Winter in Paris
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Ein Winter in Paris

gebunden

Ein Interview mit dem Autor lässt mich vermuten, dass Jean-Philippe Blondel in diesem Roman Autobiographisches verarbeitet hat. So lässt der Schrei, der selbst nach dem Tod eines Schülers noch durch die Gänge des Lycées schallt, den Autor seit Jahren schon des nachts aufwachen. Ob er nun besser schlafen kann? Er hat jedenfalls das erreicht, was der Protagonist ausformuliert: „Ich wollte die Schlaflosigkeit anderer begleiten. Ich würde Romane schreiben“. Ich habe das Buch in einer Nacht gelesen, so stark ist seine Sogwirkung. Es hat mich einfach nicht mehr losgelassen.

Ein junger Mann, Victor, noch unwissend seines Wegs, kommt entgegen dem Wunsch seiner wohlmeinenden, aber etwas geerdeten Eltern, aus der Provinz in die Hauptstadt, um an einem renommierten Lycée die cours préparatoires, die Vorbereitungskurse für Geisteswissenschaften zu besuchen, die man erfolgreich absolviert haben muss, um Aussicht auf einen Studienplatz an einer prestigeträchtigen Grande École zu erlangen, noch begehrter als der an einer Universität. Das Nonplusultra. Der Leistungsdruck in diesen meist zweijährigen cours préparatoires ist höllisch, nur die Stärksten überleben.

Victor scheint zunächst als wenig betuchter Provinzler zu totaler Einsamkeit verdammt, da er die Verhaltenscodes der jeweiligen, meist elitären Gruppen nicht beherrscht. Ein Jahr verbringt er als Außenseiter, schweigend. Diese Situation ändert sich schlagartig durch einen Unglücksfall.

Ein Junge, einsam wie Victor, stürzt sich in den Tod. Ein Trauma, das fortan Victors Leben bestimmen wird. Victor kennt ihn kaum, doch ist er der erste, mit dem ihn eine aufkeimende Freundschaft verband. Nun steht Victor auf einmal im Rampenlicht als „Freund des Opfers“, wird begehrt, bestaunt. Selbst der abgehobene und unnahbare Klassenbeste Paul scheint ihn auf einmal zu bemerken. Auch der Vater des Toten, der verzweifelt auf der Suche nach den Gründen des Selbstmords ist, sucht ihn als Gesprächspartner, ja nimmt ihn geradezu als Beichtvater und „falschen Sohn“ in Beschlag. Für Victor ist dies eine Begegnung mit einem anderen Lebensmodell. Die Grenzen verwischen, es ist eine gefährliche Gratwanderung, ein schmerzvolles Ich-Werden. Ob Victor seinen eigenen Weg finden wird?

Schlicht und schnörkellos, aber gefühlsintensiv und unter die Haut gehend, erzählt Blondel von Trauer, Freundschaft, der Suche nach dem wahren Ich, Beziehungen, Idealen, Enttäuschungen und Lebensentscheidungen.

Mit dem mittelgebildeten französischen Mittelstand wird hier ebenso hart ins Gericht gezogen wie mit dem elitären, entmenschlichten und hypokritischen Hochschulsystem.

Ohne zu sehr ins ermüdende Detail zu gehen, kreiert der Autor mit nur wenigen Pinselstrichen ein durch und durch lebendiges Portrait der französischen Gesellschaft der 80er Jahre, übertragbar auf heute. Ein kritisches, aber vor allem ein sehr menschliches Buch voller Wärme.

zum Produkt € 19,00*

Neujahr
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Neujahr

gebunden

„Das Bedürfnis, die eigenen Gedanken zu kontrollieren, ist fast das Schlimmste an ES. Dabei weiß Henning nicht einmal, ob Gedankenhygiene etwas nützt.“

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Henning auf Lanzarote und radelt am Neujahrstag 2018 bei starkem Wind einen langen, kräftezehrenden Steilanstieg hinauf, um zu dem Dörfchen Femés zu gelangen. Seine Frau und die beiden Kinder befinden sich im Ferienhaus; die Familie verbringt ihren Weihnachtsurlaub auf der Insel.

„ES öffnet die Augen.“ Eigentlich ist alles in Ordnung. Seine Frau verdient mehr als er, weshalb er sich verstärkt um Kinder und Haushalt kümmern kann. In puncto Familie und Ehe ist scheinbar alles ok. Henning ist dankbar für seinen Job als Lektor; auch wenn er mit der Arbeit kaum hinterherkommt.

„ES dehnt die Glieder“; dabei möchte Henning wieder mehr Rad fahren, die Mutter anrufen, einen Roman lesen oder endlich mal die Abstellkammer aufräumen.

„ES setzt zum Sprung an“, obwohl es Henning objektiv betrachtet gut geht. Trotzdem erachtet er die Welt manchmal als unwirklich; so als ob sich dahinter eine zweite, gespiegelte Ebene befindet.

All diese Gedanken kommen Henning während des Berganstiegs, der ihm alles abverlangt, ihn zusehends dehydriert und immer mehr entkräftet. Der Wind stemmt sich wie eine Wand gegen ihn, so dass er fast zum Stehen kommt.

Juli Zeh vermengt übergangslos Umwelteindrücke während es Aufstiegs, die physische Anstrengung, Erinnerungen an die Silvesternacht, Gedanken zu Mutter, Schwester, Ehefrau, Schwiegereltern und Kindern sowie Analytisches zu ES. Alles geschieht gleichzeitig und wird zu einem wirbelnden Stream of Consciousness.

„Als ES vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal auftrat, dachte er, es sei eine Magenverstimmung oder ein Infekt. [...] Seitdem besucht ihn ES, wann immer es will. Es beginnt mit einem Brennen im Zwerchfell, wie eine Mischung aus Lampenfieber und Flugangst. Sein Herz fängt an zu rasen, dann zu stolpern. Hennings Körper und Geist geraten außer Kontrolle.“

Demnach ist ES eine Mischung aus Panikattacken und Angstzuständen, hervorgerufen durch Belastung, Stress und Erschöpfung. Nachts zuvor widerfuhr ihm eine extrem starke Heimsuchung von ES, weshalb Hennings Frau mehr als verstimmt ist. Er solle endlich ein Mann sein und mit seinen Psychosen nicht mehr die gesamte Familie belasten. Deshalb befindet sich Henning nun auf dem Rad, um sich zu erden.

In Femés angekommen ist Henning erschöpft. Ohne Geld, Wasser und Proviant sieht es weniger gut aus. Das Dorf scheint wie ausgestorben. Also schiebt er sein Rad weiter die Steigung hinan und befindet sich nach einem tranceartigen Aufstieg plötzlich 200 Meter oberhalb. Er kennt diese Perspektive; hat das alles schon mal gesehen.

Weiter oben erreicht er ein Künstlerhaus, als ihm seine Frau Theresa eine SMS zukommen lässt: „Lieber Henning, es ist besser, wenn wir Schluss machen.“ ES packt wieder zu; dehydriert und unterzuckert wird Henning ohnmächtig. Eine das Haus bewohnende Künstlerin weckt und versorgt ihn.

Schon während des Anstiegs empfing Henning Sequenzen aus seiner Kindheit. Er muss an die schwarzen Steine denken, die seine Mutter weiland bemalte. Auch die Künstlerin namens Lisa verschönert schwarze Lavasteine. Irgendwie kommt Henning das Haus bekannt vor. Er muss hier schon mal gewesen sein. Nur wann?

Lisa erzählt, dass im Haus vor rund dreißig Jahren zwei kleine Kinder halbtot aufgefunden worden seien. Es folgen weitere Hinweise bzw. Erinnerungspixel, die Hennings Ahnung zusehends erwachen lässt. Auch sind bemalte Steine seiner Mutter vorhanden, die Lisa aufbewahrt hat.

Rückblende: Henning ist vier und seine Schwester Luna zwei Jahre alt. Sie fliegen mit ihren Eltern nach Lanzarote und machen Urlaub in besagtem Haus. Alles ist schön und unbeschwert. Dann geht die Mutter der beiden mit einem Gärtner fremd. Der Vater erfährt dies; es kommt zum unvermeidlichen Disput zwischen den Ehegatten und am nächsten Tag erwachen die Geschwister verstört in dem fremden Haus. Die Eltern sind verschwunden und tauchen auch die kommenden beiden Tage nicht wieder auf.

Die Situationen überblenden sich. Der erwachsene Henning befindet sich an einem verwunschenen Ort seiner frühesten Kindheit. Seine Frau möchte ihn verlassen; gleichzeitig sind die Kinder in der Vergangenheitssequenz verlassen und verzweifelt auf sich alleine gestellt. Es folgt eine schreckensvolle Nacht für die Geschwister. Zu unheimlich ist das Haus, wenn die Eltern nicht da sind.

Der erwachsene Henning ist wieder zurück in Deutschland. Hat er sich das alles eingebildet? Wollte sich Theresa wirklich von ihm trennen? Was geschah damals? Ein Anruf bei der Mutter bringt Gewissheit. Am Ende lockert ES den Griff. Wahrscheinlich wird ES nie wieder zurückkommen.

zum Produkt € 20,00*

Der Blumensammler
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Der Blumensammler

gebunden

Eines von diesen raren Büchern, von denen man sich während des Lesens wünscht, sie mögen nie zu Ende gehen. Der junge Autor schreibt in einem prägnanten und unverwechselbaren Stil, der dem ganzen Roman gleichsam eine ganz besondere Klangfarbe verleiht. Er hat seine eigene Handschrift und ließe sich selbst mit größter Mühe nicht als neuer "XY" bezeichnen. Der Roman vermag zu verzaubern, er lädt zum Träumen ein - die Sogwirkung ist überwältigend. Mein absoluter Spätsommer-Empfehlungstitel!

New York, 1983. Als Peter Manyweathers in einer Bibliothek einen alten Brief entdeckt, weiß er noch nicht, dass er gerade das größte Abenteuer seines Lebens in den Händen hält. Sechs seltene Blumen sind in dem geheimnisvollen Brief notiert. Sechs Blumen, die so unvergleichlich sind, dass Peter Manyweathers für sie um die ganze Welt reisen wird.

Peter Manyweathers hat weder ausgefallene Hobbys noch abenteuerliche Phantasien. Doch dann fällt ihm zwischen den Seiten einer Enzyklopädie ein alter Brief mit den seltensten Blumen der Erde in die Hände, und mit einem Mal erwacht sein Entdeckergeist. Stück für Stück taucht er ab in die sonderbare Welt der Blumen, und als sich die Nachricht verbreitet, dass die geheimnisvolle Udumbara in voller Blüte in China entdeckt wurde, begibt er sich auf eine Reise, die ihn rund um den Kontinent führen wird. Drei Jahrzehnte später wandelt Dove Gale fasziniert auf den Spuren des Blumensammlers. Es sind Erinnerungsfetzen, die dem jungen Mann aus dem Leben von Peter Manyweathers erzählen. Doch weshalb besitzt Dove die Erinnerungen eines anderen und was verbindet die beiden Männer? David Whitehouse ist ein spektakulärer Roman über Liebe und Verlust sowie die ungezähmte Macht der Erinnerung gelungen.

»Außergewöhnlich klug, um nicht zu sagen, genial. Keine Frage, David Whitehouse ist ein Schriftsteller, den man im Blick haben muss.«

New York Times

»Kraftvoll und exzentrisch: Whitehouses Schreibstil steckt voller Energie und Temperament, gespickt mit überraschenden, zärtlichen Momenten.«

The Times

zum Produkt € 20,00*

Nonna
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Nonna

gebunden

Als erwachsener Mann kehrt der Thomas de Padova ins Dorf seiner Sommererinnerungen und seiner Wurzeln zurück, um einen Dialog mit der Großmutter – seiner nonna – zu beginnen.

Wir begeben uns auf eine gemächlich sich die raue Landschaft Apuliens entlangwindende Reise in die Erinnerungen der alten Frau. Während der Augenblicke des Verweilens in der flimmernden Hitze der adriatischen Helle – plötzlich ein Geheimnis, das weit in der Vergangenheit seinen Ursprung hat. Damals, als die Männer des Südens zu Hunderttausenden ins ferne « Lamerica » aufbrachen, um als Billigst-Arbeitskräfte die Ghettos zu füllen ; und später, als das Wirtschaftswunder-Deutschland mit Arbeit lockte.
Liebevoll erzählt, ein Buch voller Wärme. Unbedingt lesen !

zum Produkt € 18,00*

Ein Ire in Paris
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Ein Ire in Paris

gebunden

Ganz große Literatur. Grandios, einfühlsam, mitreißend.

Ein brillant geschildertes Erleben der Okkupation Frankreichs aus der Sicht des jungen Poeten Samuel Beckett, dessen ohnmächtige Sprachlosigkeit in aktiver Gegenwehr Ausdruck findet. Jahre der Entbehrung und der Angst, die sich später in dessen Werk niederschlagen werden. Aus dem gewagten Versuch, durch die Haut Becketts zu empfinden, entstand ein Meisterwerk.

Obzwar die Figur der Geliebten Becketts bisweilen etwas zu schemenhaft gerät (vielleicht ein Versuch, sich vor ihrer späteren Macht über den Schriftsteller zu ducken), sind die im Buch gezeichneten von einer rouaultschen Intensität.
Der Originaltitel „A country road, a tree“ wäre auch im Deutschen angebracht, denn genau so sieht Becketts Lebensabschnitt, der hier offenbart wird, aus: karg, kalt und auf der Flucht. Auf der Flucht vor sich selbst? Vor dem Gelähmtsein angesichts der Gräuel, die über Europa ziehen? Ein schmerzvolles In-sich-Zurückziehen vor der Schreibblockade, die bei einem Schriftsteller subjektiv dem Koma – wenn nicht dem Tod – gleichkommt? Viele Fluchten, die die Autorin Jo Baker zu einer faszinierenden Lektüre inspiriert haben, mit kongenialer Detailliertheit, kostbaren historischen Einblicken und einem großartigen Schreibstil.

zum Produkt € 22,00*

Clean
empfohlen von:

Désirée Westphal

Désirée Westphal

Clean

gebunden

Lexi ist jung, reich und gelangweilt. Ihr Leben besteht aus Partys, Alkohol und Drogen und sie hält das alles für völlig normal. Sie befindet sich also auf dem besten Weg zur Selbstzerstörung.
Ihr Bruder macht ihr allerdings einen Strich durch die Rechnung, als er sie nach einer Überdosis kurzerhand in eine Entzugsklinik bringt, da er um ihr Leben fürchtet.
Davon will Lexi jedoch nichts wissen – 12-Schritte-Programm? Therapie? What the f**ck? Ich bin doch nicht süchtig!
Sie wehrt sich aus Leibeskräften, wird dann aber in ihrem Zimmer auf Entzug gesetzt und muss erstmal vom Heroin runterkommen. Und ab diesem Moment hat das Buch mich vollständig in seinen Bann gezogen.
Wer schon mal auf Drogenentzug war, wird bei den folgenden Seiten zustimmend mit dem Kopf nicken. Wer es noch nicht war, wird es nach der detaillierten Schilderung von Juno Dawson ebenfalls tun können – noch nie wurden die Auswirkungen eines Entzuges so schonungslos, eindringlich und hautnah geschildert wie in diesem Buch (vielleicht mit Ausnahme von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“).
Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen, hier wird nichts beschönigt; es wird geflucht, geschrien, geheult, gekämpft, der eigene Körper wird zum Feind, die eigenen Gedanken zur Folter. Die Autorin hat ausführlich für dieses Buch recherchiert, viel mit ehemalig abhängigen Menschen gesprochen und so kommt auch kein Zweifel daran auf, das alles, was wir hier lesen, die Wahrheit ist. Und das alles ohne erhobenen Zeigefinger.

Als Lexi diese harten Tage überstanden hat, geht es erst so richtig los: Handyverbot, Einzelsitzungen und die gefürchtete Gruppentherapie. Sie nimmt sich vor, so schnell wie möglich aus der Klinik zu verschwinden. Denn süchtig, das sind die anderen Irren, mit denen sie dort sitzt, nicht sie. Auf gar keinen Fall sie – oder?

CLEAN ist kein Buch, das einem mit dem Zaunpfahl einprügelt, wie schlecht Drogen sind oder den Drogenkonsum verherrlicht. Es schildert authentisch, intensiv und hautnah, dass es viele Formen und Facetten der Sucht gibt und sie sich nicht immer genau definieren lässt.
Nicht der Entzug oder die Therapie, also clean werden, ist das Schwerste, sondern der letzte und wichtigste Schritt: Clean bleiben.
Ein außergewöhnliches, wichtiges Buch mit klaren, direkten Worten, das unter die Haut geht und auch nach der letzten Seite lange nachwirkt. Sprachlich und stilistisch ist es dennoch auf hohem Niveau und daher meine uneingeschränkte Leseempfehlung für ALLE ab 15 Jahren.

zum Produkt € 17,99*

Im Sommer
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Im Sommer

gebunden

Karl Ove Knåusgard gilt als schonungsloser, selbstkritischer Chronist seines Lebens und gelangte durch einen autobiographischen, sechsteiligen Romanzyklus zu Weltruhm. Etwas weniger opulent gestaltete sich in der Folge seine Jahreszeiten-Tetralogie aus, die nun mit „Im Sommer“ ihren Abschluss findet.

Wie bereits die drei vorherigen Bände ist auch Buch vier seiner jüngsten Tochter Anne gewidmet, die zum Zeitpunkt der Niederschrift zwei Jahre alt war. Wie Knåusgard bereits in „Im Frühling“ erwähnt, geht es darum, für Anne etwas aus dem Leben ihrer Familie niederzuschreiben, damit sie später einmal, wenn sie selbst lesen kann, etwas von einer Zeit erfährt, an die sie sich nicht erinnern wird.

Dabei kann es ziemlich banal und gewöhnlich zugehen – Familienalltag eben. Man steht auf, frühstückt, fährt zum Kindergarten, wechselt Windeln, räumt auf, mäht Rasen, geht schlafen und immer wieder zündet sich Knåusgard zwischendurch eine Zigarette an. Schön, wenn es dazu eine Tasse Kaffee gibt.

Langweiliger geht es nicht mehr, möchte man meinen. Beschriebene Trivialitäten bilden jedoch nur einen losen Rahmen, in den Knåusgard vielerlei Geistreiches einfügt. Anders als im Vorgängerband „Im Frühling“, der lockerer geordnet war und sich viel öfter direkt an Anne richtet, ist „Im Sommer“ straffer strukturiert.

Zunächst bilden die Monate Juni, Juli und August die naturgemäßen Kapitelüberschriften. In besagten Abschnitten finden sich zum einen klassische Tagebucheinträge, zum anderen gibt es Essays zu vertrauten Dingen, Lebensformen, Begriffen und Naturschauspielen.

Mal erfährt der Leser, was Knåusgard mit Rasensprengern, kurzen Hosen, Mixern und Campingplätzen assoziiert. Dann faszinieren ihn Wespen, Fledermäuse, Katzen, Schnecken, Makrelen oder Wölfe. Hunde mag er hingegen nicht. Dabei geht der Norweger ziemlich nüchtern vor und beginnt den Text gerne mit einer begrifflichen Einführung, so als hätte er in einem Lexikon nachgeschlagen. Andererseits kann es richtig praktisch und anwenderfreundlich werden: Gibt es noch Dinge in puncto Gartengrill und Holzkohle zu klären? Fragen Sie Knåusgard!

Tiefsinnig wird Knåusgard immer dann, wenn er Alltägliches durchleuchtet und hinterfragt. So äußert er sich etwa zu Spielplätzen wie folgt: „Ich kenne die Geschichte der Spielplätze nicht, nehme aber an, dass sie in den Städten ungefähr zu der Zeit entstanden, als die Kindheit zu einem abgegrenzten Teil des Lebenswegs wurde und der Staat gleichzeitig begann, für alle Teile des Lebens Verantwortung zu übernehmen.“ Und er ergänzt, dass „Spielplätze etwas leicht Gezwungenes und Konformes“ bekamen. „Die Spiele der Kinder sollten gewissermaßen in diese Formen gepresst werden, die fertig vorbereitet waren.“

Dann äußert er sich zu Themen wie Tränen, Zynismus oder Intelligenz und driftet sogar ins Naturwissenschaftliche ab, wenn er die Entstehung von Schaum erklärt. Dort, aber auch an anderer Stelle, wird seine Wertschätzung für den Mystiker und Wissenschaftler Emanuel Svedenborg deutlich. Zudem scheint immer wieder der Darwinismus bei Knåusgard durch, während naturmystische Betrachtungen im Geiste eines Novalis‘ oder Eichendorffs einen romantischen Gegenpol hierzu bilden.

In den eigentlichen Tagebucheinträgen geht Knåusgard gerne noch mehr ins Essentielle und erklärt beispielsweise, was er unter schriftstellerischer Wahrheit versteht. Beschreibt er wirklich die Alltäglichkeiten so, dass sie einer objektiven Realität standhalten, oder verfremdet er die Szenen aus dem Familienleben doch schriftstellerisch?

Auch erfährt der Leser immer wieder, was den Norweger antreibt, warum er schreibt und wie er sich selbst einschätzt. Äußerst spannend und entwaffnend ehrlich bzw. selbstkritisch wirkt dies, zumal sich Knåusgard vergleichsweise nur als „guten Schriftsteller“ bezeichnet. Man lese und staune...

Sätze wie „Sämtliche Probleme entstehen in den Beziehungen zu anderen Menschen, und wenn man die Beziehungen zu anderen minimiert, minimiert man damit auch die Probleme“ lassen tief blicken und offenbaren Knåusgards Coping-Strategie, sein Leben zu meistern.

Einfach hatte er es nie; auch ist er kein einfacher Mensch, weshalb er sich gerne zurückzieht. Für ihn ist „eine Depression nichts anderes als eine erstarrte und immobile Raserei, eine Welle, die ans Ufer schlägt und im selben Moment kommt es zu einem Temperatursturz und sie stoppt, auf dem Weg nach vorn, zu Eis gefroren.“

Solche Sentenzen entwickeln eine Sogwirkung, machen neugierig und schon hat Knåusgard den Leser gefangen: Er muss einfach weiterlesen; insbesondere dann, wenn die Sprache so kraftvoll und stilistisch ausgereift wie hier ist.

zum Produkt € 24,00*

Dunkelgrün fast schwarz
empfohlen von:

Désirée Westphal

Désirée Westphal

Dunkelgrün fast schwarz

gebunden

Die gebürtige Salzburgerin Mareike Fallwickl legt mit 475 Seiten einen umfassenden Debütroman vor, der durch die Seitenanzahl und das dunkle Farbenspiel auf dem Cover einschüchternd wirken könnte, welches übrigens perfekt zum Titel passt.

Nach sechzehn Jahren Funkstille steht Raffael eines Abends vor der Tür von Moritz. Sie waren einmal beste Freunde – doch was ist passiert?
Stück für Stück schildert Mareike Fallwickl die Geschichte einer zerstörerischen Freundschaft, lässt ihre Protagonisten Schicht für Schicht ihr Schutzschild ablegen, stellt sie bloß, - facettenreich, unverblümt und dennoch kraftvoll, direkt und poetisch zugleich.
Einmal begonnen, wird man sofort hineingesogen in diesen Tornado aus Einsamkeit und Verbundenheit, Licht und Schatten, Angriff und Abwehr, der einen Nächte durchwachen lässt, bis man nur noch fünf Seiten vor sich hat, die man langsam, fast ehrfürchtig umblättert – einerseits, um zu wissen, wie die Geschichte ausgeht, andererseits auch nicht – denn dann ist das Buch zu Ende.

Selten hat mich ein Buch so gefesselt, vereinnahmt und beeindruckt. Es ist ein Buch, das man nicht nur einmal liest, ein Buch, das lange nachwirkt.

Absolute Leseempfehlung!

zum Produkt € 24,00*

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