Unsere Empfehlungen

UNSERE LIEBLINGSBÜCHER: Am 8. November stellen wir Ihnen unsere Geheimtipps der Saison vor, laden einen geheimnisvollen Überraschungsgast ein und diskutieren mit Ihnen über schöne Bücher.

Verkettung glücklicher Umstände
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Verkettung glücklicher Umstände Sophie Bassignac

kartoniert

So harmlos, wie es aussieht, ist dieses Buch mitnichten.
Subtil und nicht ohne ein vielfaches Augenzwinkern bringt die Autorin Menschen- und Verhaltenstypen zusammen, sorgt für vordergründige Lacheffekte, schafft zugleich aber eine nährstoffreiche Basis für ernste Gedankengänge. Die leicht klischeehaften, aber unerwartet frisch-lebendigen Protagonisten bewegen sich in bekannten und doch Überraschungen bietenden Situationen, aus denen die meisten von ihnen verändert hervorgehen werden.

Die Rahmenhandlung bietet ein Kunstraub in einer Provinzstadt, die, wie es eben üblich ist, eifersüchtig und neidisch nach der Metropole schielt. Das Museumsmilieu mit seinen skurrillen, verrückten, schüchternen, größenwahnsinnigen Künstlern war schon zu allen Zeiten ein dankbares Thema. Und die Kleinstadtatmosphäre ist bis ins kleinste Detail meisterhaft eingefangen.

Eine gescheiterte Beziehung, eine hoffnungslose Liebe, eine hoffnungsvolle, sich anbahnende Liebe : Ohne ins Triviale zu verfallen webt Bassignac kunst- und lustvoll daraus eine luftige Geschichte, deren Lektüre auf wundersame Weise Glückshormone freisetzt.

Im Original lautet der Titel « Höflichkeitsabstand » - das ist jener Abstand, den manche der Protagonisten nicht einzuhalten fähig oder gewillt sind, wohingegen andere sich bewusst isolieren. Denn auch darum geht es hier : Sich auf den anderen einlassen, loslassen, Neues wagen.

zum Produkt € 12,00*

Für eine kurze Zeit waren wir glücklich
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Für eine kurze Zeit waren wir glücklich William Kent Krueger

gebunden

Die Handlung spielt 1961 im fiktiven New Bremen in Minnesota und wird von einem nunmehr erwachsenen Mann 40 Jahre später aus der Sicht des Jungen, der er damals war, erzählt.

Der 13-jährige Frank sieht seine bis dahin behütete Kindheit durch den Riss entschwinden, der sich zwischen dem Kind-Sein und dem Erwachsen-Sein aufgetan hat. Kein Kind mehr, aber noch kein Mann. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Jake ist bei allen Abenteuern mit von der Partie und erfüllt bisweilen eine dem Dialogpartner nach altgriechischem Vorbild nicht unähnliche Rolle, indem er dem Protagonisten – Frank – Argumente entgegenstellt, die Franks Gewissen nicht hätte besser formulieren können. Ein Alter Ego, ein Spiegelbild, ein Zwilling, ein Zerrbild. Durch die Interaktion der beiden wird die Handlung auf entscheidende Weise vorangetrieben.

Der Teenager vermutet zu Recht, dass die Erwachsenen ihm wichtige Bestandteile der Wahrheit vorenthalten, wenn es um Themen wie Tod, Schuld, Krieg oder Sex geht. Er beschliesst, sich die fehlende Information zu beschaffen, indem er belauscht oder Verbote missachtet. Damit setzt er eine fatale Kettenreaktion in Gang.

Einbegettet ist die Handlung in eine provinzielle, in sich widersprüchliche Gesellschaft, die gleich mehrere, nicht symmetrisch angelegte Gegenpole aufweist. Arm und reich ist nur einer der Gegensätze, der durch die jeweiligen Wohnlagen „Flats“ und „Heights“ definiert wird. Weiße und Indianer bilden ein weiteres, sehr geladenes Kontrastepaar. Franks Familie befindet sich im Zentrum und berührt alle Gegenpole: Der Vater ist Methodistenpastor und versucht mit seiner humanistischen Einstellung, Menschen wieder zueinander zu bringen und Hass abzuwenden. Dieser sanfte, aber resolute Mann, für den der Autor seinen eigenen Vater als Vorbild hinzugezogen hat, generiert viel Sympathie. Doch innerhalb der Familie zeichnet sich bereits zu Beginn der Narration ein zunächst feiner Riss ab, der aufgrund von Herkunfts- und Zugehörigkeitskonflikten bald aufklafft und alle hinabzuziehen droht, als eine Abfolge von Tragödien die Familie in ihren Grundfesten erschüttert.

Manchmal fühlt man sich als Leser und Zeuge der Ereignisse machtlos wie ein Kind im Dunkeln eines Zuschauerraums. Man will schreien: „Nein! Haltet ein!“, doch rollt das Geschehen unabwendbar auf die nächste Katastrophe zu. Wie weit kann Hass gehen? Wie tief sind die Abgründe in den Seelen unserer Nächsten? Warum musste das geschehen, was geschehen ist?

Der Eintritt in das neue Lebensalter vollzieht sich ebenso schmerzvoll und traumatisch wie eine Geburt. Frank muss sich von vielen sicheren Schlupfwinkeln seiner Seele verabschieden und der Wahrheit ins Auge blicken. Die Gegenwart erklärt sich aus einer ihm nie offenbarten Vergangenheit, die er jetzt aus der Büchse der Pandora entlassen muss, um zu begreifen und um sich daran zu messen. Zu den vielen Rätseln um Frank zählen die Traumata seines Vaters, eines Kriegsveterans, der sich nach seiner Rückkehr von der vielversprechenden Karriere eines Staranwalts abwendet und stattdessen Provinzpastor wird. Ein weiteres Rätsel birgt die alte Liebe seiner Mutter, und die neue Liebe seiner Schwester Ariel ist ebenfalls mysteriös.
Doch auch Frank trägt ein Geheimnis in sich, das ihn zu zerdrücken droht.

Wie der Suchstrahl eines Scheinwerfers erfasst der Roman nach und nach die unterschiedlichen Aspekte des Lebens, verweilt grell auf Themen wie „Sterben“, „Glaube“, „Schuld“, „Familie“, "Erwachsenwerden". Mit seinem geballten, reichen Inhalt schafft er es, auch dem eiligsten Leser seinen Rhythmus aufzuzwingen. Und so, wie ein Schweißtropfen gemächlich auf sonnenerwärmter Haut herabrinnt und dabei alles einfängt, facettiert, spiegelt und bricht, so verzaubert dieser Roman, erzählt in einem „analogen“ Tempo – dem des einzigartigen Sommers von 1961, des Schwarzweiss-Fernsehens, der Raketenbüstenhalter und J.F.Kennedys.

Allen Katastrophen trotzend ist es ein strahlendes, lebensbejahendes Buch, ungewöhnlich und zutiefst menschlich.

zum Produkt € 22,00*

Nichts bleibt so, wie es wird
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Nichts bleibt so, wie es wird Sven-Eric Bechtolf

gebunden

Trotz des sich eher als Jugendbuch gebärdenden Covers ist es ein Buch für Erwachsene und entfaltet seine verjüngende und seelenstraffende Wirkung ab der ersten Seite.

Es ist ein liebenswerter und tiefsinniger Roman über das Theater, seine Menschen und ihre Leidenschaften. Als künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele und als erfahrener Regisseur schafft der Autor reale, wenn auch irrwitzige, Szenarien mit Protagonisten, die echter nicht sein könnten. Jeden der Helden könnte man mit zig Akteuren aus dem heutigen Theatergeschehen besetzen – die Rollen sind aber auch allgemein menschlich und somit universell.

Die Entwicklung der zentralen Figur – eines durch und durch selbstbezogenen, grantigen und ungeschliffenen Regisseurs auf dem absteigenden Ast und kurz vor dem Aus – ist dramatisch und mitreißend. Doch man kommt diesem Sonderling allmählich immer näher, bis er auf einmal unsere Sympathie gewonnen hat.

Ein herrlich leicht geschriebener Roman für alle, die sich für alles interessieren, ein Faible fürs Theater haben, Kunst zu schätzen wissen und das Wirken menschlicher Stärken und Schwächen gerne mitverfolgen. Es bietet zahlreiche Überraschungsmomente, etwas Italianità, nachdenkliches Verweilen, euphorische Freude, und nicht zuletzt einfach eine feine Feder mit im Homerischen bis Grotesken angesiedelten Humor.

zum Produkt € 22,90*

Ich bin Circe
empfohlen von:

Désirée Westphal

Désirée Westphal

Ich bin Circe Madeline Miller

gebunden

Obwohl ich mit griechischer Mythologie gar nichts am Hut habe, hat mich dieses Buch wahnsinnig gefesselt. Das liegt vor allem an der besonderen Persönlichkeit Circes, eine ambivalente Figur, die sich über alle Erwartungen und Spielereien der Götter hinwegsetzt und ihren eigenen Weg sucht.

Geboren als erste Tochter des Sonnengottes Helios und einer Nymphe, erbt sie unglücklicherweise weder Schönheit noch göttliche Kräfte. Somit hat sie für ihre Familie und das mächtige Pantheon keinen Wert und wird spätestens seit der Geburt ihrer Schwester gar nicht mehr beachtet.

Unbeugsam und willensstark erkämpft sie sich dennoch ihren Platz in der Welt, ein Kampf, der geprägt ist von Fremdbestimmung, Misserfolgen und Hilflosigkeit – doch auch von Hoffnung, Macht und großer Stärke.

Circe gehört zu den beeindruckendsten Frauenfiguren über die ich je lesen durfte.
Völlig gebannt bin ich durch die Seiten geflogen – so lebendig, so inspirierend, so leidenschaftlich kann ein Mythos sein!

zum Produkt € 24,00*

Nachtlichter
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Nachtlichter Amy Liptrot

kartoniert

Einmal Orkneys und zurück. Besagte Eilande befinden sich im äußersten Nordosten Schottlands. Oft lieben die Einheimischen ihre Inseln, was im sich von der schottischen Sprache unterscheidenden orkadischen Dialekt oder dem eigentümlichen Brauchtum zum Ausdruck kommt. Kauzig und hilfsbereit sind sie, die Orkadier. Und eigentlich sehen sie sich eher Skandinavien zugehörig.

Es sind die wildromantische Landschaft, die stürmisch-schroffe Natur, das Klima und das Wetter, die den Menschen prägen: „Die über das Meer transportierte Energie der Wellen verwandelt sich in Lärm, Hitze und Erschütterungen, die vom Land aufgenommen und über Generationen weitergegeben werden“, berichtet Amy Liptrop über ihre Heimat.

So gerne Touristen eben wegen der schönen Natur und der Ursprünglichkeit der Orkneys zu Besuch kommen, so gerne verlassen die Jüngeren, die dort geboren und aufgewachsen sind die Inseln, um der Eintönigkeit und Perspektivlosigkeit des dortigen Lebens zu entfliehen.

Auch Amy Liptrop war eine Jugendliche, die etwas erleben wollte und beabsichtigte, aus ihrem Leben etwas zu machen. Die schwierigen familiären Verhältnisse erleichterten es ihr, die Orkneys zu verlassen, waren doch der Vater psychisch erkrankt und die Mutter zu einer religiösen Fanatikerin mutiert. Also brach die Schottin nach London auf, um dort zu studieren.

„Mit achtzehn hatte ich es nicht erwarten können fortzugehen. Ich fand das Leben auf dem Bauernhof schmutzig, hart und schlecht bezahlt. Ich wollte Komfort, Glamour und dort sein, wo etwas los war“, schreibt Amy Liptrop und als sie schließlich in London angekommen war, stellt sie fest: „In meiner Studentenbude dagegen übertrug ich im Geiste unsere sechzig Hektar Land auf die Innenstadt. Abertausende Menschen auf einer Fläche, auf der es nur meine Familie und die Tiere gab.“

Nach der Heimat, vor der sie flüchtete, bekommt sie zusehends Sehnsucht, denn wenn sie „in windigen Nächten im Bett lag, gab mir das Geräusch das Gefühl, wieder in unserem steinernen Bauernhaus zu sein.“ Sie sagt: „Diese Mischung aus Zuneigung und Ablehnung kennen viele junge Leute von den Inseln. Wir landeten immer wieder hier, wurden ebenso unvermeidlich wieder angespült wie die Flut. Ich wuchs inmitten des Himmels auf, mit einem gewaltigen Raumgefühl und doch eingeengt von den Grenzen der Insel und des Bauernhofs.“

In London kommt Amy Liptrot nicht klar. Sie hangelt sich von einem Job zum nächsten, bekommt ihr Studium nicht auf die Reihe und scheitert in Beziehungsdingen. Sie verfällt zusehends dem Alkohol. Ihre Abstürze werden zunehmend krasser, so dass sich immer mehr Freunde von ihr abwenden und sie deshalb immer öfter Jobs verliert oder aus diversen WGs geschmissen wird. Sie leistet sich immer mehr Aussetzer und Wutausbrüche. Mehrmalige Entzugsversuche scheitern. Ein Jahrzehnt später ist sie ein Wrack.

Mit knapp dreißig wird ihr bewusst, dass sie trocken werden muss, um im Leben überhaupt noch eine Chance zu bekommen. Und tatsächlich: Sie schafft es, eben weil sie in ihre Heimat zurückkehrt und die Natur eine therapeutische Wirkung auf sie hat. Aber: Das Verlangen nach der Droge ist stets da: „Wenn ich einen guten Song höre oder die Sonne herauskommt, wenn ich wütend werde oder jemanden anrufen möchte, um ihm etwas Nettes zu sagen. Alkohol ist mit fast allen Bereichen meines Lebens verwoben.“

Um weiterhin abstinent bleiben zu können, entwickelt sie ihre Coping-Strategien: Wann immer sie kann, geht sie bei jedem Wetter wandern, beobachtet Wildtiere, schwimmt (auch im Winter), beobachtet Sterne und setzt sich ganz generell der schroffen und stürmischen Natur der Orkneys aus. Das heilt, beruhigt, lenkt ab und erdet. Es füllt die Leere, von der die Autorin immer wieder spricht.

Aber auch die neuen Beschäftigungen bergen eine gewisse Gefahr in sich: die sogenannte Cross-Addiction, was eine Übertragung des Suchtverhaltens in Ermangelung von Alkohol auf einen anderen Bereich bedeutet. „Bei mir sind es Coca-Cola, Rauchen, Beziehungen und das Internet“, offenbart Amy Liptrop, die weiter ausführt: „Ich will das Richtige finden, mit dem ich dieses Loch füllen kann, doch es entzieht sich mir immer wieder, bleibt stets am Rand meines Bewusstseins, im äußersten Augenwinkel, es ist das, was man gerade aufheben wollte, bis einem einfällt, dass man vergessen hat, was es war – die Insel knapp jenseits des Horizonts.“

Ob sie die besagte Leere ergründen wird, darf beim Lesen selbst erfahren werden. Durch ihre harmonische, prosaische Sprache lässt Amy Liptrop den Puls des Lebens erfühlen. Sie hat eine gottgegebene Begabung dafür, in einfachen Worten Flora und Fauna lebensecht zu beschreiben. Gleichzeitig spiegeln sich hierin ihre seelischen Befindlichkeiten. Auch erfährt man allerlei Historisches, Geologisches oder Mythologisches über die Orkneys, nimmt am sozialen Leben der Inselbewohner teil und kennt irgendwann sämtliche der hiesigen Tierarten. Last but not least ist Amy Liptrop für ihre schonungslose Ehrlichkeit zu bewundern, mit der sie ihre Sucht beschreibt. Das erfordert viel Mut und hebt die Distanz zwischen Leser und Autor auf.

zum Produkt € 10,00*

Das Haifischhaus
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Das Haifischhaus Rüdiger Barth

gebunden

Dem Autor Rüdiger Barth, der als Journalist jahrelang hinter die Kulissen des Spitzensports blicken konnte, war in Gesprächen mit den führenden Sportlern aufgefallen, dass sich diese am Ende ihrer Karriere seinem Verständnis entzogen, verloren wirkten. Es gab da etwas, eine Kluft zwischen dem, was war oder sein sollte, und dem, wie es in diesen internationalen Größen wirklich aussah. Angst vielleicht? Was für einen Preis hatten sie für ihren Erfolg zahlen müssen ?

Um hinter dieses Mysterium zu kommen, das ihm keine Ruhe ließ, musste Barth, wie er selbst erzählt, eine künstliche Figur erschaffen – und um diese herum einen Roman. Ein « homunculus sportivus », dem Barth mit enormer Empathie Leben einhauchte.

Die Nummer Eins als Gejagter. Der, um den sich hier alles im konkreten, aber auch im übertragenen Sinne dreht, ist Toto Berger, ehemals die Tennis-Nummer-Eins. In diesem wunderlichen Sonnensystem, welches seine physische wie psychische Verankerung im « Haifischhaus » findet, ist Toto zu Beginn des Romans ein Gescheiterter. Doch er ist (auch zu seinem eigenen Erstaunen und entgegen den Erwartungen seines Umfeldes) noch zu einer Entwicklung fähig – und darum geht es in diesem Roman auch. Er erkennt, dass er sich seinem Selbst, seinen Ängsten, aber auch seiner Liebe stellen muss und nicht mehr davonlaufen darf. Es ist ein großer Kampf, der sich nicht nur auf dem Court abspielt – mit Protagonist, Antagonist, Statisten, den Guten, den Weniger-Guten. Wir dürfen mitverfolgen, wie das wahre Wesen des Sportlers nach und nach aufgedeckt wird, ohne jedoch vollständig entblößt zu werden. Es bleibt immer ein Quäntchen Ungewissheit, der Kitzel einer Überraschung.

Barth hätte eigentlich einen beliebigen Sport wählen können. Er hat sich aber gerade für Tennis entschieden, weil dieser wohl in Sachen Kontraste am extremsten ist. In völliger Einsamkeit auf dem Platz wird der Spieler hinter den Kulissen wie eine Sonne von einem Bienenvolk umschwirrt. Dieses heliozentrische System schildert Barth auf eine unter die Haut gehende Art .

Bei aller Spannung und hohem bis extremem Tempo fehlt es nicht an menschlicher Wärme, an unerwarteten zärtlichen Momenten, die so filigran sind, dass man die Stelle gleich mehrmals lesen will.
Bei der Intensität der Beobachtung der einzelnen « Spieler » ist "Das Haifischhaus" fast ein Kabinettstück.

In diesem Roman wird der Leser einer ungeheuer steilen Spannungskurve ausgesetzt. Noch nie habe ich beim Lesen eines Buchs so geschwitzt ! Und das nicht etwa, weil ich selber Tennis spiele und aus Sympathismus mit meinen Muskeln gezuckt habe. Nein, ich habe mich nie sonderlich für diese Disziplin interessiert und fragte mich zunächst, ob ich denn bei Trost gewesen sei, als ich das Leseexemplar beim Verlag anfragte. Aber ich habe es keineswegs bereut. Im Gegenteil ! Für mich ist es eines des stärksten Bücher des Jahres!

Fazit : Unbedingt lesen.

PS :
Barth wünscht sich, man möge in Zukunft mehr würdigen, was Menschen wie Toto Berger leisten. Und welchen Preis sie dafür zahlen müssen. Ich glaube, dass er mit seinem Buch dieses Ziel erheblich näher rückt.

zum Produkt € 20,00*

Dort dort
empfohlen von:

Désirée Westphal

Désirée Westphal

Dort dort Tommy Orange

gebunden

"Wir sind Indianer und Native Americans, American Indians und Native American Indians (...) Wir sind Vollblut, Halbblut, Viertel, Achtel, Sechzehntel, Zweiunddreißigstel. Mathematisch nicht darstellbar. Ein unerheblicher Rest."

Tommy Orange verleiht diesem „unerheblichen Rest“ - dem er selber angehört – zwölf Stimmen.
Zwölf völlig unterschiedliche Menschen, die miteinander verbunden sind durch eine Vergangenheit, die verschüttet ist, Wurzeln, die herausgerissen wurden, Identitäten, die verloren sind, eine Zugehörigkeit, die gesucht wird.
Zwölf Perspektiven, die einem einen Teil der amerikanischen Geschichte begreiflich machen, über den viel zu wenig bekannt, einem viel zu wenig bewusst ist.
Zwölf Stimmen, wütend, verwundbar, leidenschaftlich und hoffnungsvoll, die in der verstörenden Stille des Finales umso heftiger nachhallen.

"Du stammst von einem Volk ab, das nahm und nahm und nahm. Und von einem Volk, das genommen wurde. Du warst beides und keins."

Ein zutiefst beeindruckendes, einzigartiges, wichtiges Buch!

zum Produkt € 22,00*

Werde übernatürlich
empfohlen von:

Roman-Michael Schäfer

Roman-Michael Schäfer

Werde übernatürlich Joe Dispenza

gebunden

Anfangs mag es unglaublich klingen: Alles, was dem Menschen im Leben begegnet, ist selbst erschaffen, erdacht und herbeigezaubert. Der Mensch ist ein Schöpfer – allerdings weiß er davon in der Regel nichts. So berichtet Dr. Joe Dispenza, dass 95 % aller Vorgänge im Gehirn, die dafür sorgen, was uns widerfährt, unterbewusst ablaufen.

Insbesondere die tief eingeschliffenen neuronalen Programme sind es, die den Menschen jeden Tag das gleiche erleben lassen, eben weil er immer gleich fühlt, denkt, redet und agiert. All dies ist mit einer schöpferischen Energie verbunden und somit leben viele ein Leben, dass sich wie eine Endloschleife ständig wiederholt.

Dem ist so, weil Energie der Aufmerksamkeit folgt und die meisten Menschen ihre Aufmerksamkeit ins Außen abstrahlen. Die kreative Energie zerstreut sich und wird von Handy, Notebook, Bankkonto, Arbeit, Kindern, Partnerin, Gedanken an Vergangenheit und Zukunft usw. absorbiert. Somit stellt sich die Frage: Wie viel Energie bleibt da noch für die Innenwelt der Gedanken und Gefühle übrig, um eine neue Realität zu erschaffen?

Auf biologischer Ebene entspricht die Innenwelt der Gedanken und Gefühle jener der Außenwelt, die aus Menschen und Objekten zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten besteht. Das Leben bleibt gleich, weil die Aufmerksamkeit (Gedanken) und die Energie (Gefühle) gleichbleiben bzw. die immer gleiche elektromagnetische Signatur bzw. Energie ausgesendet wird. Diese Energie entspricht dann der vergangenen Realität, wodurch wir immer wieder von neuem unsere Vergangenheit kreieren.

Denkst, handelst und fühlst du immerzu gleich, ohne dich zu verändern, bestehst du spätestens mit Mitte dreißig aus erinnerten, automatisch ablaufenden Gedanken, reflexhaften, emotionalen Reaktionen, unterbewussten Überzeugungen und Wahrnehmungen sowie routinemäßigen, vertrauten Einstellungen. Als Erwachsene bestehen wir durch Wiederholung zu 95% aus Gewohnheiten und der Körper wurde darauf programmiert, das Gehirn zu sein.

Der Körper, nicht der bewusste Geist übernimmt die Führung. Um etwas wirklich Neues im Leben zu kreieren, müssen wir jedoch den Geist aus dem Körper ziehen, wodurch sich unser Seinszustand verändert; Grundvoraussetzung für die angestrebte Veränderung. Besagter Geist ist in den ersten drei Chakren steckengebliebene Energie, die sich zu Blockaden und unterbewussten Glaubenssätzen manifestiert.

Joe Dispenza erklärt, wie man die festsitzende Lebenskraft transformiert und gleichzeitig die Energiezentren (Chakren) segnet bzw. wieder ins Fließen bringt. Es geht darum, den Geist zu entkörpern und die Verbindung zu all den Elementen der Außenwelt zu trennen, um über unseren Körper, unsere Ängste, Gedanken usw. hinauszugehen. Durch die hier vorgestellten Meditationen lässt sich die energetische Bindung an die vergangen-gegenwärtige Realität schwächen. Eine stärkere Bindung ans Jetzt entsteht.

Man könnte auch sagen: Der Meditierende ist im Zustand des Gewahrseins. Er wird zu einem Niemand ohne Körper im Nirgendwo der Zeitlosigkeit. Die Aufmerksamkeit ist von den Zerstreuungen der Außenwelt abgezogen, was wiederum den Zugang in das Quantenfeld der unbegrenzten Möglichkeiten gewährleistet.

In diesem unendlichen, schwarzen Nullpunktfeld existieren nur elektromagnetische Informationsfrequenzen. Sie sind also nicht mit den Sinnen als Materie wahrnehmbar. Wer ein elektromagnetisches Signal aussendet, müsste nun die elektromagnetischen Frequenzen bzw. Potentiale im Feld anziehen, die schwingungsmäßig kompatibel sind. So entstehen neue Erfahrungen. „Es wird Sie finden, wenn Sie zum Vortex Ihrer Zukunft werden“, sagt Joe Dispenza in diesem Zusammenhang.

Wenn der Zustand des Gewahrseins dem Eintreten in das Quantenfeld entspricht, bedeutet dies, dass der Mensch analog zur Heisenberg’schen Unschärferelation vom Physischen ins Energetische wechselt. Heisenberg fand heraus, dass ein Elektron, sowohl ein physisches Teilchen als auch Energie bzw. eine Möglichkeitswelle sein kann. Es wandelt sich erst dann zum Teilchen, wenn es beobachtet wird. Schenkt man ihm keine Beachtung, bleibt es eine Welle bzw. Energie.

Was bedeutet das für uns? Meditieren wir, verlagert sich der Fokus vom Materiellen auf das Immaterielle. Wir stecken unsere Energie in das Unbekannte und Unberechenbare und ziehen unsere Energie vom Berechenbaren und Bekannten ab. Nun drückt Einsteins berühmte Formel E=mc2 aus, dass Materie durch die Lichtgeschwindigkeit verwandelt wird. Sprich: Alles Physische, das die Lichtgeschwindigkeit überschreitet, löst sich auf und begibt sich in die 5. Dimension aller Möglichkeiten. Hierzu wird jedoch Zeit benötigt. Die Bell‘schen Ungleichungen zeigen jedoch auf, dass es ein alles verbindendes Informations- bzw. Quantenfeld gibt, wo die Zeit nicht existiert und nur Gleichzeitigkeit herrscht, weshalb es keine Trennung zwischen Bewusstseinspunkten gibt. Sie sind eins.

Befinden wir uns mental bzw. meditativ im zeitlosen Quantenfeld, in dem alles gleichzeitig im unendlichen Jetzt existiert, bedarf es nur der Verschränkung zweier Bewusstseinspunkte (sprich: mein Geist und das von mir Erwünschte bzw. Angestrebte) und es wird Realität, weil wir es regelrecht anziehen. Je mehr wir uns des Quantenfeldes gewahr sind, desto mehr entfernen wir uns von der Materie und dem Getrenntsein und umso näher kommen wir der Einheit mit allem. Je mehr Zufälle und glückliches Zusammentreffen und Synchronizitäten sich ereignen, je mehr wir zur rechten Zeit am rechten Ort sind, und je mehr uns Momente ehrfurchtsvollen Staunens widerfahren, desto enger sind wir mit der Matrix des Quantenfeldes verbunden.

Ein äußerst anspruchsvolles und gleichzeitig lohnendes Buch, das Wissenschaft und Spiritualität zu einem magischen Realismus fusioniert. Es zeigt, dass die alten spirituellen Lehren Recht hatten und diese nun auch wissenschaftlich erklärbar sind. Die Physik eines Newton und selbst Einsteins Relativitätstheorie greifen zu kurz. Wohingegen die Quantenphysik allumfassender den Seinsgrund der Dinge erklären kann. Auch gestalten sich die Übungen und Meditationen innovativ und unkonventionell; zum anderen sind sie richtig fordernd. Letztlich ein Buch für Menschen, die es - im zweifachen Sinne - wirklich wissen wollen.

zum Produkt € 24,95*

Der Wintersoldat
empfohlen von:

Polina Zinoviev

Polina Zinoviev

Der Wintersoldat Daniel Mason

gebunden

Wien, 1914. Sehr zum Leidwesen seiner Eltern, reicher polnischer Industrieller, studiert der hochbegabte Lucius Medizin. Bei Kriegsausbruch meldet er sich freiwillig - nicht aus einer patriotischen Geste heraus, sondern um es doch endlich zu professioneller Erfahrung als Arzt zu bringen, denn bisher hat Lucius noch nie ein Skalpell geführt, selbst wenn er Meerjungfrauen geröntgt und Marie Curie höchstpersönlich begegnet ist.

Die notdürftig zu einem Behelfslazarett umfunktionierte Kirche in den Karpaten ist kein hochmodernes Krankenhaus; die Umstände, die Luzius dort vorfindet, sind jenseits des Vorstellbaren: keine Anästhesie, keine Medikamente, keine Hygiene, keine Scharen von erfahrenen Ärzten und Assistenten – aber dafür Typhus, Wanzen, Ratten. In der Abgeschiedenheit und inmitten des Verfalls unweit der stets in Bewegung befindlichen Frontlinien wird das Regiment von der jungen und rätselhaften Ordensschwester Margarete geführt, die in der Not und mit Hilfe eines Kochs schwierige Eingriffe durchführt – zumeist sind es Amputationen. Lucius lernt alles von ihr. Und wir lernen das Fürchten. Aber oftmals gibt es keine Alternative.

Eines Tages wird ein stark traumatisierter Soldat mit einem bislang unbekannten Krankheitsbild eingeliefert (heute würde man es als PTSD bezeichnen). Er droht zu sterben, doch Lucius gelingt es, eine Heilungsmethode zu entdecken, auf die der Mann anspricht. Dann aber soll er wieder an die Front geschickt werden, da trifft Lucius gegen den Rat von Margarete eine folgenschwere Entscheidung. Dieser Nexus aus den drei Hauptakteuren der Narration – Arzt, Schwester, Patient – ist eines der wichtigsten handlungstreibenden Elemente des Buchs.

Es ist ein fesselndes Werk, das meisterhaft gezeichnete Protagonisten zum Leben erweckt; selbst die Nebenrollen sind originell und überzeugend. Der Autor entwirft ein Gesamtkunstwerk, welches er mal aus psychologischer, mal aus historischer Sicht ausleuchtet, es mit Sehnsucht füllt, den Leser den Gefühlszustand des jeweiligen Protagonisten stets bis ins Innerste miterleben lässt. Vor dem Hintergrund des unaussprechlichen Grauens des Krieges gelingt es Mason, die tiefer liegenden Schichten der Zeit aufzuwerfen, ohne „nur“ auf Verstümmelungen als Veranschaulichungsmittel zurückgreifen zu müssen. Heftig werden kann es allerdings schon, nur eben hinter der Frontlinie. Wir sehen die zweite Fratze des Krieges, die weniger pompöse und berühmte – aber nicht weniger grausame. Umso erstaunlicher, heroischer der stille, unermüdliche Kampf der Menschen um das Überleben anderer. Und umso filigraner die Zärtlichkeit, die auf den Trümmern der Welt zu wachsen vermag.

Für Leser, die auch Bücher von Sebastian Faulks, Michael Ondaatje und Anthony Doerr genossen haben.

zum Produkt € 24,00*

Hautfreundin. Eine sexuelle Biografie
empfohlen von:

Désirée Westphal

Désirée Westphal

Hautfreundin. Eine sexuelle Biografie Doris Anselm

gebunden

Doris Anselm wollte eine Seite in der erotischen Literatur zeigen, die es (bisher) kaum gibt:
Ihre Protagonistin – wir erfahren ihren Namen nicht - ist eine moderne Heldin, die Liebe und Sex gut trennen kann. Sie vertraut auf ihren Instinkt, auch gern mit Unbekannten. Hier geht es nicht um eine unschuldige Frau, die durch den überirdisch schönen Bad-Boy mit Sixpack (oder besser noch: Eightpack) sexuell erwacht, es geht nicht um eine sexdürstige Femme fatale, die Männer aus Rache verführt, benutzt und in die Wüste schickt. Nein. Die Hautfreundin hat einfach gerne Sex. Und die Männer haben gerne Sex mit ihr. Das mag sich banal anhören, doch das alles geschieht ohne Machtverhältnisse oder pornographische Schilderungen, verfasst in einer direkten und zugleich kunstvollen Sprache. Mit ihrer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe erschafft die Autorin einfühlsame, erotische und geschmackvolle Begegnungen.
Der Sex ist lustvoll und freizügig, zuweilen schräg, peinlich und mitunter nicht ganz erfüllend. Ganz wie im echten Leben.

Eine Kostprobe gefällig?
Ganz besonders gut gefallen hat mir die Geschichte mit dem „Taucher“, die in einer (nicht ganz so) fiktiven Zukunft spielt, bei der sich die Menschen kaum noch berühren. Alle sind nur mit ihren technischen Gadgets beschäftigt. Die Sexspielzeuge sind mitttlerweile so ausgefeilt, dass das lebende Objekt dagegen nur verlieren kann.
Wie sehr eine einzige Berührung elektrisieren kann, liest sich hier: „Sein Griff, seine Hand, seine Haut maßte sich an, mir etwas mitzuteilen. Es einfach selbst zu tun. Mit dem Daumen strich er über meinen Handrücken. Wie feine Metallspäne begannen die Härchen auf meinem Körper sich nach ihm auszurichten. Zuerst am Handgelenk, dann den Arm hinauf, über Schultern und Rücken, bis sie alle auf ihn zeigten. Sie schienen im Schwarm von mir abheben zu wollen. Oder mit mir. Unter meinen Füßen ließ der Druck der Pflastersteine schon bedenklich nach.“

Meiner Meinung nach ist dies das ehrlichste Buch, das je über Sex geschrieben wurde. Es handelt sich quasi um eine Wiederannäherung, ein Vertrauen der Geschlechter, die einen daran erinnert, wie schön die Lust zwischen Frau und Mann sein kann. Und dass man sich dafür nicht schämen muss.

Ich verneige mich vor Frau Anselm für diese Leistung und wünsche mir mehr davon!

zum Produkt € 20,00*

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