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Melancholisch und vielschichtig - Abdellah Taïa über eine verlorene Kindheit in Marokko
Nach dem Tod seiner Mutter kehrt Youssef, ein schwuler Lehrer, der seit über einem viertel Jahr-hundert im französischen Exil lebt, auf Wunsch seiner Schwestern nach Marokko zurück, um sein Erbe zu regeln. Diese Rückkehr entwickelt sich für ihn zu einer emotional aufwühlenden Reise. Er wird mit Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend konfrontiert: die Nähe zu seinen Schwestern, die Spannungen und Brüche innerhalb der Familie und vor allem an Najib - seinen Jugendfreund und Liebhaber, dessen Leben tragisch endete.
Während Youssef durch die Straßen von Salé wandert, rücken die prägenden Erfahrungen seines Aufwachsens wieder in sein Bewusstsein: Armut, Gewalt und die soziale Ausgrenzung aller, die - wie er selbst - den gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprechen.
Der Roman endet an der Bastion der Tränen, der alten Stadtmauer von Salé, einem Ort, an der individueller Schmerz und generationsübergreifendes Leid zusammenkommen. Hier steht Youssef vor einer existenziellen Entscheidung: sich seinem Schmerz zu ergeben, zu vergeben - oder den Weg der Rache zu wählen, wie Najib.
Vielfach ausgezeichneter Roman: Shortlist Prix Goncourt 2024, Gewinner des Prix Décembre 2024, Gewinner des Prix Goncourt des Lycéens in Belgien 2024 und des Prix de la Langue française 2024.
Abdellah Taïa (* 1973 in Salé) ist ein offen homosexuell lebender marokkanischer Schriftsteller, Journalist und Filmemacher. Nach seinem Literaturstudium an der Universität Mohammed V. in Rabat zog er 1998 nach Paris, wo er seine literarische Karriere startete. Er hat bisher elf Romane veröffentlicht, von denen bislang nur einer ins Deutsche übersetzt wurde: Der Tag des Königs (2010), erschienen 2011 bei Suhrkamp. 2013 drehte er seinen ersten Spielfilm, L'armée du salut, basierend auf seinem gleichnamigen Roman. 2024 kam Cabo Negro ins Kino, 2025 präsentierte er bei den Filmfestspielen in Locarno den Kurzfilm Cairo Streets. Taïas Werke beschäftigen sich mit Themen wie Identität, Migration und Sexualität und spiegeln seine eigenen Erfahrungen als Homosexueller in einer konservativen Gesellschaft wider. Durch seine offene Haltung und seine literarische Stimme gilt er als ein wichtiger Vertreter der zeitgenössischen frankofonen Literatur Nordafrikas. Derzeit lebt er in Paris.Astrid Bührle-Gallet, geboren 1978 in Stuttgart, studierte Französisch und Kunsterziehung. 2006 kam sie als Deutschlektorin nach Lyon, und unterrichtete dort an mehreren Hochschulen. Heute arbeitet sie als Literaturübersetzerin und Malerin. 2024 gewann sie mit ihrer Übersetzung von »Möge der Tigris um dich weinen« den Deutschen Jugendliteraturpreis im der Kategorie Neue Talente.