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Hoch über einem einsamen Tal ragt die alte "Narrenburg", der Sitz des längst erloschenen Geschlechts der Scharnast - voller Geheimnisse, verschütteter Gänge und rätselhafter Aufzeichnungen. Als der junge Naturforscher Heinrich dort die Hut über das Familienarchiv übernimmt, entdeckt er die seltsame Geschichte der "Narren" von Rothenstein: sonderbare Ahnen, deren Leidenschaften und Verirrungen der Burg ihren Namen gaben - allen voran Jodok, der bis nach Indien zog und dort einer verhängnisvollen Liebe verfiel. In Adalbert Stifters Erzählung "Die Narrenburg" (1843) verweben sich Rahmen- und Binnenerzählung zu einem stimmungsvollen Gefüge aus Naturbild, Familienchronik und geheimnisvollem Schicksal - getragen von jener ruhigen, tief empfundenen Prosa, die Stifters Werk unverwechselbar macht. Hans Jochim Schmidt liest die vollständige Erzählung, ungekürzt, gut 4 Stunden.
Adalbert Stifter (1805-1868) zählt zu den großen Erzählern des bürgerlichen Realismus. Der aus dem Böhmerwald stammende Dichter und Maler schuf mit Werken wie "Der Nachsommer", "Bunte Steine" und "Witiko" eine Prosa von ruhiger, tief empfundener Naturschilderung und dem berühmten "sanften Gesetz" seiner Weltsicht.