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Adolf Glasers "Wulfhilde" ist eine historisch grundierte Erzählung, in deren Mittelpunkt eine selbstbewusste Frau steht, die sich in einer von Rang, Herkunft und religiös-sittlichen Bindungen bestimmten Welt behaupten muss. Der Roman verbindet persönliche Schicksalsführung mit der Rekonstruktion vergangener Lebensformen und macht gesellschaftliche Ordnung nicht zur bloßen Kulisse, sondern zum eigentlichen Konfliktfeld. Eine bildhafte, stellenweise pathetische Sprache, sorgfältige Milieuschilderungen und die Gegenüberstellung individueller Leidenschaft und überlieferter Pflicht verankern das Werk im poetischen Realismus, während die dramatische Zuspitzung und die historische Perspektive an die Tradition des romantisch geprägten Geschichtsromans erinnern. Adolf Glaser (1829-1915) wirkte als Schriftsteller, Dramatiker, Publizist und Literaturvermittler im kulturellen Spannungsfeld des 19. Jahrhunderts. Seine Beschäftigung mit Geschichte, Theater und zeitgenössischer Literatur erklärt das Interesse an Figuren, deren private Entscheidungen den Druck gesellschaftlicher Verhältnisse sichtbar machen. "Wulfhilde" lässt sich daher als Versuch lesen, historische Distanz mit psychologischer Anschaulichkeit zu verbinden und aus einer vergangenen Epoche Fragen nach Freiheit, Verantwortung und weiblicher Selbstbestimmung herauszuarbeiten. Empfohlen sei das Buch Leserinnen und Lesern, die historische Romane nicht nur als Abenteuer-, sondern als kulturgeschichtliche und gesellschaftskritische Texte lesen. Wer Freude an atmosphärischer Erzählkunst, moralischen Konflikten und literarischen Bildern vergangener Welten hat, findet in "Wulfhilde" ein aufschlussreiches Zeugnis seiner Zeit und eine anregende, bis heute diskussionswürdige Lektüre.
Adolf Glaser (1829-1915) war ein deutscher Schriftsteller, Literaturkritiker und Herausgeber, der dem literarischen Leben des 19. Jahrhunderts eng verbunden war. Neben seiner publizistischen Tätigkeit verfasste er erzählende Werke, in denen sich ein ausgeprägtes Interesse an historischen, sozialen und psychologischen Konflikten zeigt. Besonders hervorzuheben ist der Roman "Wulfhilde", der durch seine breit angelegte Darstellung, die Verbindung von individueller Schicksalsgeschichte und zeitgeschichtlichem Hintergrund sowie eine detailreiche, stellenweise pathetische Sprache charakterisiert ist. Glasers Stil steht zwischen spätromantischer Erzähltradition und realistischen Tendenzen: Anschauliche Milieuschilderungen, sorgfältig geführte Dialoge und eine moralisch reflektierende Erzählerperspektive prägen seine Prosa. Als Autor und Vermittler war Glaser darum bemüht, literarische Bildung und gesellschaftliche Beobachtung miteinander zu verbinden. Sein Werk bietet heute insbesondere Einblicke in die ästhetischen und kulturgeschichtlichen Vorstellungen des deutschsprachigen Literaturbetriebs im späteren 19. Jahrhundert.