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Adolf Glaßbrenners "Berlin wie es ist und - trinkt" ist eine satirische Bestandsaufnahme der preußischen Hauptstadt, betrachtet durch die soziale und kulturelle Praxis des Trinkens. In pointierten Szenen, Dialogen und typisierten Figuren verbindet der Text Alltagsschilderung mit Groteske: Wirtshäuser, Stammtische und öffentliche Räume werden zu Bühnen, auf denen sich Klassenunterschiede, politische Denkweisen und Berliner Mentalität erkennen lassen. Der volkstümliche Ton, die sprachliche Beweglichkeit und die Nähe zur journalistischen Skizze verorten das Werk im literarischen Vormärz, dessen Humor gesellschaftliche Kritik häufig wirksamer formulierte als abstrakte Abhandlung. Glaßbrenner (1810-1876), in Berlin geboren, war Schriftsteller, Journalist und einer der bedeutendsten Vertreter des Berliner Humors. Seine genaue Beobachtungsgabe galt dem Dialekt, den sozialen Randfiguren und den Widersprüchen des städtischen Lebens. Wiederholt geriet er wegen seiner politischen Satire mit der Zensur in Konflikt; gerade diese Erfahrung schärfte seinen Blick für die verborgene Ordnungsmacht von Sprache, Geselligkeit und öffentlicher Meinung. Das vorliegende Buch steht somit in seinem umfassenden Versuch, Berlin literarisch zu vermessen und zugleich kritisch zu entlarven. Empfohlen sei es allen, die Stadtgeschichte nicht nur aus Chroniken, sondern aus Stimmen, Gesten und Gewohnheiten erschließen möchten. Leserinnen und Leser finden hier ein unterhaltsames, historisch aufschlussreiches Panorama und zugleich eine präzise Studie darüber, wie Humor soziale Wirklichkeit sichtbar macht. Glaßbrenners Berlin ist vergangen - seine Beobachtung menschlicher Eitelkeit, Anpassung und Geselligkeit bleibt bemerkenswert gegenwärtig.
Adolf Glaßbrenner (1810-1876) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und bedeutender Vertreter der volkstümlichen Satire im Vormärz. Geboren in Berlin, entwickelte er eine charakteristische literarische Stimme, die soziale Missstände, politische Bevormundung und die Widersprüche des bürgerlichen Alltags in humorvollen Szenen und pointierten Dialogen sichtbar machte. Sein Stil verbindet präzise Beobachtungsgabe mit Berliner Umgangssprache, grotesker Überzeichnung und spielerischer Ironie. Besonders bekannt wurde Glaßbrenner durch die Sammlung "Berlin wie es ist und - trinkt", in der er das urbane Leben, seine Vergnügungen und sozialen Milieus kritisch und zugleich unterhaltsam schildert. Auch Figuren wie der "Eckensteher Nante" wurden zu Sinnbildern der Berliner Volkssprache und Stadtkultur. Glaßbrenners Werk steht an der Schnittstelle von journalistischer Reportage, humoristischer Volk Literatur und politischer Satire. Trotz zeitgenössischer Zensur bewahrte er eine gesellschaftskritische Perspektive, deren sprachliche Lebendigkeit ihn zu einem wichtigen Chronisten des Berliner Lebens im 19. Jahrhundert machte.