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In "Alt-Frankfurt" beschwört Adolf Stoltze die untergegangene Lebenswelt der freien Reichs- und späteren Handelsstadt: ihre Gassen, Plätze, Familien, gesellschaftlichen Rituale und sprachlichen Eigenheiten. Das Werk verbindet erinnernde Prosa mit kulturgeschichtlicher Darstellung und nutzt die Frankfurter Mundart nicht bloß als folkloristische Zutat, sondern als präzises Instrument sozialer Charakterisierung. Zwischen Anekdote, Milieuskizze und feuilletonistischer Beobachtung entsteht ein literarisches Panorama, in dem sich bürgerliche Selbstgewissheit, kleinstädtische Nähe und der Wandel zur modernen Großstadt spiegeln. Stoltzes Rückblick steht damit im Kontext des Heimat- und Regionalismus, überschreitet dessen Grenzen jedoch durch Humor, sprachliche Genauigkeit und kritische Aufmerksamkeit für gesellschaftliche Spannungen. Adolf Stoltze (1842-1933) war Frankfurter Schriftsteller, Journalist und Dramatiker sowie Sohn des bekannten Mundartautors Friedrich Stoltze. Aufgewachsen in einer Stadt, deren politische Sonderstellung und traditionelle Lebensformen durch Industrialisierung, Eingemeindungen und rasches Bevölkerungswachstum zunehmend verändert wurden, machte er die Erinnerung zu einem literarischen Erkenntnismittel. Seine genaue Kenntnis des lokalen Sprachgebrauchs und der städtischen Milieus erklärt die anschauliche Authentizität dieses Buches. "Alt-Frankfurt" empfiehlt sich allen Lesern, die Stadtgeschichte nicht nur anhand von Daten, sondern als gelebte Erfahrung verstehen möchten. Das Buch ist zugleich unterhaltsame Lektüre, wertvolles Zeugnis Frankfurter Alltagskultur und ein aufschlussreiches Dokument der literarischen Erinnerungskultur um 1900.
Adolf Stoltze (1842-1933) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Dramatiker, der eng mit der kulturellen Öffentlichkeit Frankfurts verbunden war. Als Sohn des Mundartdichters Friedrich Stoltze führte er dessen humoristisch-gesellschaftskritische Tradition fort, entwickelte jedoch zugleich eine eigenständige Bühnenpoetik. Bekannt wurde er vor allem durch das Schauspiel beziehungsweise Volksstück "Alt-Frankfurt", in dem er das städtische Leben, die sozialen Spannungen und die sprachlichen Eigenheiten des historischen Frankfurt mit satirischem Blick gestaltet. Stoltzes literarischer Stil verbindet volkstümliche Dialogführung, lokale Milieuschilderung und komische Überzeichnung mit einer deutlichen Sympathie für die kleinen Leute. Die Verwendung des Frankfurter Dialekts dient dabei nicht lediglich der Unterhaltung, sondern auch der Bewahrung regionaler Identität und Erinnerungskultur. Sein Werk steht exemplarisch für die deutschsprachige Mundart- und Heimatliteratur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und vermittelt zugleich ein lebendiges Bild der Frankfurter Stadtgesellschaft im Übergang zur Moderne.