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Adolf Wilbrandts "Hölderlin" ist eine literarische Lebensdarstellung, die den Dichter nicht auf das Pathografische seiner späten Jahre reduziert, sondern sein poetisches Denken, seine politischen Hoffnungen und seine tragische Selbstentfremdung in ein geschlossenes geistiges Panorama einordnet. Zwischen biografischer Rekonstruktion, historischer Erzählung und psychologisch nuancierter Dichterdarstellung bewegt sich der Text im Spannungsfeld von klassizistischer Formtradition, romantischer Innerlichkeit und dem zeitgenössischen Interesse am Genie. Wilbrandt schreibt anschaulich, stilistisch kontrolliert und mit deutlicher Empathie für den Einzelnen, dessen dichterischer Absolutheitsanspruch an gesellschaftlicher Wirklichkeit und persönlicher Verletzlichkeit zerbricht. Adolf Wilbrandt (1837-1911), in Rostock geboren, war Schriftsteller, Dramatiker, Übersetzer und eine prägende Persönlichkeit des deutschsprachigen Theaterlebens; von 1881 bis 1887 leitete er das Wiener Burgtheater. Seine Beschäftigung mit Hölderlin steht vor dem Hintergrund des neunzehnten Jahrhunderts, das den lange verkannten Dichter als Schlüsselfigur deutscher Literatur und als exemplarische Gestalt des schöpferischen Außenseiters neu entdeckte. Wilbrandts literarische und philologische Interessen ermöglichten ihm, historische Genauigkeit mit dramatischer Gestaltung zu verbinden. Wer Hölderlin als Dichter der Freiheit, der Antike und des Scheiterns verstehen möchte, findet hier eine aufschlussreiche, kunstvoll vermittelte Annäherung. Das Buch empfiehlt sich besonders Lesern, die Biografie nicht als bloße Chronik, sondern als Deutung eines geistigen Lebens begreifen und zugleich die literarischen Vorstellungen des neunzehnten Jahrhunderts über Genie, Wahnsinn und dichterische Berufung kennenlernen wollen.
Adolf Wilbrandt (1837-1911) war ein deutscher Schriftsteller, Dramaturg und Theaterleiter aus Rostock. Nach Studien in Berlin und München wandte er sich zunächst der Literatur- und Theaterkritik zu, bevor er als vielseitiger Autor von Romanen, Dramen, Erzählungen und biografischen Schriften hervortrat. Von 1881 bis 1887 leitete er das Wiener Burgtheater und prägte dessen Spielplan nachhaltig. Wilbrandts literarischer Stil verbindet psychologische Beobachtung, historische Bildung und eine wirkungsvolle, häufig pathetisch grundierte Darstellung. Dabei bemühte er sich um die Verbindung klassischer Formideale mit den moralischen und gesellschaftlichen Konflikten seiner Gegenwart. Zu seinen bedeutenden Werken zählt die biografisch-literarische Schrift "Hölderlin", in der er Leben, Persönlichkeit und dichterische Welt des schwäbischen Lyrikers essayistisch deutet. Auch Romane und Dramen wie "Fridolins heimliche Ehe" und "Der Amtsrichter" zeigen sein Interesse an individuellen Gewissenskonflikten, sozialer Ordnung und der Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit. Wilbrandt gehört damit zu den repräsentativen, heute jedoch weniger gelesenen Autoren des deutschen Realismus.