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Albert Ehrensteins "Tubutsch" (1911) ist eine zentrale Prosaarbeit des deutschsprachigen Expressionismus: In einer Folge grotesker Szenen, abrupter Beobachtungen und sprachlich zugespitzter Reflexionen verfolgt der Text die Wahrnehmung des Sonderlings Karl Tubutsch, der sich einer als mechanisch, lärmend und geistig verarmt erfahrenen bürgerlichen Welt gegenübersieht. Die Handlung folgt weniger einer traditionellen Entwicklung als einer eruptiven Montage von Eindrücken, Begegnungen und Gedankensprüngen. Ironie, Übertreibung, paradoxe Bilder und aphoristische Verdichtung erzeugen eine zugleich komische und beklemmende Entfremdungserfahrung. Damit steht die Erzählung im literarischen Umfeld des frühen Expressionismus, dessen Autoren die Krise des Individuums, die Zersetzung gesellschaftlicher Gewissheiten und die Unzulänglichkeit konventioneller Sprache sichtbar machten. Ehrenstein, 1886 in Wien geboren, war jüdischer Herkunft, studierte Germanistik und Philosophie und arbeitete zeitweise im Staatsdienst. Früh engagierte er sich als Lyriker und Prosaautor in der expressionistischen Avantgarde; seine pazifistische, kulturkritische Haltung und seine sensible Wahrnehmung sozialer Hierarchien prägen auch "Tubutsch". Die Erfahrung von Bürokratie, Großstadt und geistiger Isolation boten ihm den biografischen Resonanzraum für diese radikale Innenansicht. Empfohlen sei das Buch allen, die kurze, formal kühne Prosa und literarische Diagnosen der Moderne schätzen. "Tubutsch" fordert eine aufmerksame Lektüre, belohnt sie jedoch mit einer unverwechselbaren Verbindung aus Sprachwitz, Verstörung und Erkenntniskraft.
Albert Ehrenstein (1886-1950) war ein österreichischer Schriftsteller, Lyriker und Essayist, der zu den markanten Vertretern des Expressionismus zählt. In Wien geboren, entwickelte er früh eine sprachlich eigenwillige, gesellschaftskritische Poetik, die sich gegen bürgerliche Konventionen, Militarismus und die Entfremdung des modernen Menschen richtete. Sein bekanntestes Werk, die Prosadichtung "Tubutsch" (1911), verbindet groteske Überzeichnung, satirische Beobachtung und eine fragmentierte, stark rhythmische Sprache. Die Titelfigur erscheint als existenziell verunsicherter Außenseiter, dessen Wahrnehmung die Absurdität und den sozialen Druck der Großstadt spiegelt. Ehrensteins literarischer Stil ist geprägt von radikaler Subjektivität, sprachlicher Verdichtung, Ironie und dem Wechsel zwischen pathetischem Ausdruck und bewusstem sprachlichem Bruch. Neben "Tubutsch" veröffentlichte er Gedichtsammlungen, Erzählungen, Essays und Übersetzungen. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme emigrierte er und verbrachte seine letzten Lebensjahre in den Vereinigten Staaten. Heute gilt Ehrenstein als wichtiger, formal innovativer Autor der deutschsprachigen literarischen Moderne.