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Die Wiederentdeckung des preisgekrönten Kultromans von 1967: Eine Frau sitzt im Knast und plant ihren Ausbruch
Anick sitzt im Frauenknast und teilt ihren Alltag mit Huren, Diebinnen und Analphabetinnen. Sie tauscht ihre Kleider gegen Zigaretten, und um sich aufzurichten, plant sie mit ihrer Mitgefangenen Maria minutiös den gemeinsamen Ausbruch, immer das Mantra ihres ebenso inhaftierten Ehemanns im Ohr: 'Wir sind allein, mein Schatz. Ganz allein.' Schreibend behauptet Anick ihre Würde, ihre Identität, ihre innere Freiheit, und überwindet so die Mauern geistiger Gefängnisse - derer, die das Frausein und das Menschsein begrenzen.
Albertine Sarrazin, geboren 1937 in Algerien, lebte ein kurzes, wildes Leben, das im Frankreich der 1960er-Jahre für genauso viel Aufsehen sorgte, wie ihre literarischen Bestseller. Als Findelkind von einem französischen Paar adoptiert, verbrachte sie den größten Teil ihrer Jugend in Besserungsanstalten und Erziehungsanstalten, schlug sich als Kleinkriminelle und Prostituierte durch und landete immer wieder im Knast. Dort schrieb sie drei Romane, die mit Unterstützung von Simone de Beauvoir veröffentlicht wurden. Für den Roman Der Ausbruch hat sie im März 1966 den Prix des Quatre Jurys erhalten. Mit nur 29 Jahren starb sie 1967 infolge einer missglückten Operation.