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Albrecht von Hallers "Über den Ursprung des Übels" ist ein philosophisches Lehrgedicht der frühen Aufklärung, das die Frage untersucht, wie das Böse in einer von Gott geschaffenen und gelenkten Welt möglich ist. In streng gegliederten Versen verbindet Haller religiöse Reflexion, naturphilosophische Beobachtung und moralische Argumentation. Der Text steht im Spannungsfeld zwischen christlicher Theodizee, rationalistischer Weltdeutung und der empfindsamen Dichtung des 18. Jahrhunderts: Nicht bloße Spekulation, sondern die Betrachtung der menschlichen Natur, ihrer Begrenztheit und ihrer Leidenschaften soll den Leser zu einer übergeordneten Ordnung führen. Die kunstvolle, argumentierende Sprache verleiht dem Gedicht zugleich den Charakter einer poetischen Abhandlung. Haller, 1708 in Bern geboren, war Arzt, Anatom, Botaniker, Bibliothekar und einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit. Seine umfassende Kenntnis des menschlichen Körpers und der Natur prägte auch sein dichterisches Denken. Zwischen wissenschaftlicher Empirie, protestantischer Frömmigkeit und aufklärerischem Vernunftanspruch suchte er nach einer tragfähigen Erklärung für Leid, Schuld und Unvollkommenheit. Das Werk lässt sich daher als literarischer Ausdruck seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit Naturgesetz, Freiheit und göttlicher Vorsehung lesen. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die sich für die Geistesgeschichte der Aufklärung, religiöse Philosophie und die Entwicklung des deutschsprachigen Lehrgedichts interessieren. Hallers Text eröffnet einen eindringlichen Zugang zu einer Epoche, in der Dichtung als Erkenntnisform verstanden wurde.
Albrecht von Haller (1708-1777) war ein Schweizer Arzt, Anatom, Botaniker, Physiologe und Schriftsteller von europäischem Rang. Nach Studien in Tübingen und Leiden wirkte er zunächst in Bern und wurde später zu einer prägenden Gestalt der 1737 gegründeten Universität Göttingen, an der er Anatomie, Botanik und Medizin lehrte. Haller gilt als Begründer der experimentellen Physiologie und verfasste grundlegende wissenschaftliche Werke, zugleich aber auch bedeutende literarische Texte. Sein Lehrgedicht "Die Alpen" verband naturkundliche Beobachtung mit moralischer Reflexion und prägte das aufgeklärte Naturbild des 18. Jahrhunderts. In "Über den Ursprung des Übels" untersucht er in philosophisch-didaktischer Versform die Spannung zwischen göttlicher Ordnung, menschlicher Freiheit und der Erfahrung des Leidens. Hallers Stil ist durch eine Verbindung von rationaler Argumentation, religiöser Fragestellung und anschaulicher Naturbeschreibung gekennzeichnet. Damit steht sein Werk an der Schwelle zwischen Barock, Aufklärung und Empfindsamkeit und zeigt eindrucksvoll die enge Verbindung von Wissenschaft und Dichtung in der europäischen Geistesgeschichte.