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Genf, 1938. Seit fast zwanzig Jahren sind Vitaria und Franz verheiratet. Sie trägt das Blut der Schattengeborenen in sich und lebt seit mehr als fünfzehnhundert Jahren, er ist ein Mensch. Ihre Liebe verbindet zwei Welten - und ist von Beginn an mit der Gewissheit verbunden, dass ihre gemeinsame Zeit endlich ist. Als Vitaria ihren Mann nach Genf begleitet, erhebt sich ein Schatten aus einer Vergangenheit, die selbst für sie beinahe vergessen schien. Ein uraltes Wesen beansprucht sie für sich und zieht beide in einen Konflikt, der bald weit über eine körperliche Bedrohung hinausreicht. Erinnerungen werden zu Waffen, alte Schuld kehrt zurück, und längst vergangene Ereignisse erhalten eine neue Bedeutung. Zwischen dem Genf der späten 1930er Jahre, Erinnerungen aus Vitarias langem Leben und einer verborgenen Welt unter der Erde entfaltet sich ein psychologisches Prosadrama über unterschiedliche Formen von Liebe und Verbundenheit. Dabei begegnen sich menschliche und nichtmenschliche Lebenswelten ebenso wie unterschiedliche Vorstellungen von Stärke, Freiheit, Verantwortung und Zugehörigkeit. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie tief ein Wesen ein anderes lieben kann, ohne es besitzen zu wollen. Was geschieht mit Liebe angesichts von Vergänglichkeit und Verlust? Wo endet Fürsorge und wo beginnt Herrschaft? Und wie können Schuld, Vergebung und die Sehnsucht nach Gott das Verhältnis eines Menschen zu sich selbst und zu anderen verändern? Die fünf Bande ihres Herzens verbindet historische und dunkle Phantastik mit psychologischem Drama, Mystik und einer offen islamisch geprägten spirituellen Ebene. Trotz seiner übernatürlichen Figuren erzählt das Werk letztlich von sehr menschlichen Erfahrungen: von Liebe und Angst, vom Festhalten und Loslassen - und von der Erkenntnis, dass selbst die tiefste Verbundenheit ihre Grenze dort findet, wo aus Liebe Besitz werden soll.
Alexander Wenzel verfasst theologische Sachbücher sowie psychologisch und dialogisch geprägte Prosatexte, die historische Motive mit philosophischen, religiösen und ethischen Fragestellungen verbinden. Im Zentrum seiner literarischen Arbeiten stehen die feinen Dynamiken zwischen innerem Erleben, Gewissen und zwischenmenschlicher Beziehung. Seine Texte suchen nach Formen aufrichtiger, verantwortungsvoller Nähe und erkunden, wie sich Wahrheit im persönlichen wie im gemeinsamen Leben entfalten kann. In jüngeren Arbeiten nutzt er zudem satirische und experimentelle Ansätze, um gesellschaftliche, technologische und institutionelle Selbsttäuschungen sichtbar zu machen.