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Die moderne Entzweiung von Staat und Gesellschaft setzt eine Dialektik der Gewalt frei: Aufgabe des Staats ist es seitdem nicht bloß, Gewalt anzuwenden, sondern sie so auszuüben, dass der naturhaften Gewaltdynamik der modernen Gesellschaft Einhalt geboten wird: Der Staat wendet Gewalt an, um sie aufzuheben. Diese Operation scheitert jedoch, weil der Staat dabei eine ganz eigene Gewalt freisetzt, deren Verselbständigung unsere Vorstellung von Politik grundlegend in Frage stellt. Das ist die These, die André Möller in seiner systematischen Lektüre von Thomas Hobbes' "Leviathan" und G. W. F. Hegels "Grundlinien der Philosophie des Rechts" entwickelt. Die Entfaltung der Dialektik der modernen Staatsgewalt in zwei Gestalten (einer "Dialektik der Immunität" und einer "Dialektik der Bildung") hat aber kein rein negatives Ergebnis. Aus ihr ergeben sich auch erste Anhaltspunkte einer anderen Politik, die das Erlöschen der Gewalt, das der moderne Staat versprochen hatte, eines Tages ermöglichen könnte.