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Der Liberalismus sieht sich als Denktradition, die die Freiheit des Individuums in ihr Zentrum stellt. Doch wie ist damit zu vereinbaren, dass die ersten Präsidenten der USA Sklavenhalter waren? Tatsächlich waren Liberalismus und Sklaverei eine Zwillingsgeburt. Mit dem Kapitalismus entstand in den liberalen Ländern das Proletariat, ein Heer -weißer Sklaven-. Der Liberalismus führte auch nicht zur Gleichstellung der Frauen. Er habe sich, so ein verbreiteter Mythos, aus einem inneren Impuls heraus zur Demokratie gewandelt. Doch war es erst der Kampf der Unterdrückten, der ihre Emanzipation ermöglichte. Die großen Revolutionen sind Ausdruck davon. Steht die Französische für die Propagierung der Menschenrechte, so ging von der Oktoberrevolution der Impuls zur Befreiung der unterdrückten Völker aus. Das Ende des realen Sozialismus stellte für Domenico Losurdo daher eine Niederlage dar, aber nicht das endgültige Scheitern eines Emanzipationsprozesses. Er benennt offen die Fehler des Realsozialismus und fordert dazu auf, aus ihnen zu lernen. Andreas Wehr zeichnet die Gedankengänge des Philosophen und Historikers nach und verweist auf bisher übersehene Zusammenhänge.
Andreas Wehr, Jurist, von 1999 bis 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter der 'Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken-/-Nordische Grüne Linke' im Europäischen Parlament. Autor zahlreicher Bücher und Mitgründer des Berliner Marx-Engels-Zentrums.