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Konflikte um Sezession und Unabhängigkeit werden in Europa und weltweit ausgetragen und erhalten auch politikwissenschaftlich Aufmerksamkeit. Was Unabhängigkeit in Zeiten von Globalisierung und Interdependenz bedeutet und ob sie weiterhin als Leitprinzip politischer Ordnungsbildung überzeugt, erforscht Anna Meine in ihrer Studie. Startpunkt sind die Auseinandersetzungen um Schottlands Zukunft im Vereinigten Königreich und in Europa und die Vorstellungen, die die Teilnehmenden sich von Unabhängigkeit machen. Rekonstruiert man diese, erweist sich Unabhängigkeit als Verbundbegriff, der Freiheit, Selbstbestimmung und Souveränität in Beziehung setzt. Auf dieser Grundlage beleuchtet die Studie, wie nationalistische, liberale und republikanische Lesarten die drei Begriffe jeweils verstehen und verknüpfen. Schritt für Schritt treten so die Stärken und Schwächen dieser Theorien politischer Unabhängigkeit hervor. Zugleich zeigt sich, dass Unabhängigkeit nicht zwingend an die Staatsform gebunden ist, dass konstituierende Macht für sie zentral bleibt und dass sie, gerade in republikanischer Perspektive, auch in Zeiten wechselseitiger Abhängigkeiten nicht an Bedeutung verliert.
Anna Meine, PD Dr., ist Akademische Rätin a. Z. am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster. Ihre Arbeiten in Demokratietheorie und Internationaler Politischer Theorie befassen sich mit Demokratie und Bürgerschaft auch jenseits des Staates, politischer Unabhängigkeit und Ozeanpolitik.
Vorwort Einleitung Teil A: Schottland im UK in Europa und die Debatten um Unabhängigkeit 1 Debatten um Unabhängigkeit im schottischen, britischen und europäischen Kontext 1.1 Kartierung: Kontexte der Debatten um die Unabhängigkeit Schottlands 1.1.1 Historische Skizze: Beziehungen zwischen Schottland und UK im Wandel 1.1.2 Institutionelle Konstellation: Devolution und ihre konzeptuellen Grundlagen 1.1.3 Identitäten, politische Ideologien und die Akteurskonstellation in der Unabhängigkeitsdebatte 1.2 Unabhängigkeit in der schottischen Referendumsdebatte 2013/2014 1.2.1 Unabhängigkeit als institutionelle Weichenstellung 1.2.2 Unabhängigkeit als theoretisches Leitprinzip: Konzeptuelle Bausteine 1.3 Brexit und schottische Unabhängigkeit: Unabhängigkeitsdebatten auf unterschiedlichen Ebenen 1.3.1 Der Brexit und Konzeptionen von Souveränität und Unabhängigkeit des UK 1.3.2 Schottische Unabhängigkeit im Horizont des Brexits: Die Wahl zwischen Unionen? 2 Zwischenfazit: Unabhängigkeit als Verbundbegriff und ihre Lesarten in den Debatten um Unabhängigkeit und Union 2.1 Politische Unabhängigkeit: Ein relationaler und ebenenübergreifender Verbundbegriff 2.2 Eine Typologie liberaler, (liberal-)nationalistischer und republikanischer Lesarten politischer Unabhängigkeit Teil B: Unabhängigkeit und Verhältnisse und Verknüpfungen von Freiheit, Selbstbestimmung und Souveränität 3 Freiheit und Selbstbestimmung: Die Grundlagen des Strebens nach Unabhängigkeit und die Frage ihrer Akteure 3.1 Liberaler Nationalismus: Individuelle Freiheit nicht ohne nationale Selbstbestimmung 3.2 Liberalismus: Individuelle Freiheit und kollektive Selbstbestimmung in Spannung? 3.3 Republikanismus: Individuelle Freiheit mittels kollektiver Selbstbestimmung 3.4 Kollektive Handlungsfähigkeit, korporative Handlungsfähigkeit und politische Unabhängigkeit 4 Freiheit und Souveränität: Zu Status und Beziehungen unabhängiger politischer Ordnungen 4.1 >Westfälische< Souveränität und Freiheit als Nicht-Einmischung: Unabhängigkeit versus Interdependenz 4.2 Postsouveränität als Alternative für unabhängige Ordnungen? 4.3 Relationale Souveränität und Freiheit: Liberale und republikanische Perspektiven auf Unabhängigkeit und Interdependenz 4.3.1 Relationale Souveränität und Freiheit in einer dualistischen Weltordnung 4.3.2 Relationale Souveränität und freie Staatlichkeit zwischen Nicht-Beherrschung und Autonomie 4.3.3 Souveränität als korporative Handlungsfähigkeit und ihre Verknüpfungen mit Freiheit 4.4 Zwischenfazit: Binäre und eingebettete Unabhängigkeit und die Verknüpfungen von Souveränität und Freiheit 4.5 Unabhängigkeit und die politische Form des Staates? Status und Beziehungen pluraler Ordnungen als korporativer Akteure 4.6 Methodologischer Kommentar: Multiperspektivität in der theoretischen Auseinandersetzung mit politischer Ordnungsbildung 5 Souveränität und Selbstbestimmung: Zu den Verhältnissen von unabhängigen Ordnungen und Demoi 5.1 Souveränität und Volkssouveränität: Zwei Seiten einer staatlichen Medaille? 5.2 Unabhängigkeit und die konstituierende Macht des Volkes 5.3 Zwischenfazit: Eine Gegenüberstellung nationalistischer, liberaler und republikanischer Theorien politischer Unabhängigkeit 6 Von einer politischen Theorie politischer Unabhängigkeit zu ihren institutionellen Konsequenzen in Kontexten von Interdependenz und Union 6.1 Unabhängigkeit versus institutionelle Autonomie: Eine Gegenüberstellung 6.2 Unabhängigkeit und Interdependenz: Eine Neubestimmung 6.3 Unabhängigkeit und Unionen: Konstellationen pluraler unabhängiger Ordnungen 6.4 Unabhängigkeit, pluralistische Konstellationen und neue Perspektiven auf Sezession Fazit und Ausblick Quellen Literatur Abbildungen Tabellen