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Der massive politische und gesellschaftliche Umbruch infolge des 'Mauerfalls' von 1989 und der sich danach rasch vollziehenden 'Wiedervereinigung' traf auch die IG Metall in der DDR und der Bundesrepublik weitgehend unvorbereitet. Im ebenso stürmischen gewerkschaftlichen Vereinigungsprozess standen sie vor der Aufgabe, unterschiedliche Verständnisse von Gewerkschaftsarbeit zusammenzubringen. Dabei begegneten sich auch unterschiedliche Geschlechterpolitiken, die sich in 40 Jahren Teilungszeit verfestigt hatten. An der Schnittstelle von Geschlechtergeschichte, Labour History und Transformationsforschung analysiert Anne Kremer die Geschichte deutsch-deutscher Begegnungen und Auseinandersetzungen am Beispiel vergeschlechtlicher Aushandlungen der Metallgewerkschafter:innen zwischen 1989 und 1995. Sie zeigt, wie die gewerkschaftliche 'Frauenarbeit', aber auch die alltägliche Praxis ihrer Mitglieder in der 'Männerdomäne' Metallindustrie zum Wandel von vergeschlechtlichten Ordnungen beitrugen oder diesen hemmten.
Anne Kremer promovierte am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Universität Mannheim.
Inhalt
Einleitung Einleitung 1. Getrennte Vorstellungen und Praktiken vor dem Mauerfall (1949-1989) .43 1.1 Unerreichtes Ideal? Gleichstellung und die IG Metall in der Bundesrepublik Geschlechterordnungen in der Bundesrepublik Deutschland Gleichstellung in der IG Metall der Bundesrepublik 1.2 Verwirklichte Staatsdoktrin? Gleichstellung und die IG Metall in der DDR Geschlechterordnungen in der Deutschen Demokratischen Republik Gleichstellung in der IG Metall der DDR 1.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Geschlechterverhältnissen und Gewerkschaftspositionen des doppelten Deutschlands 2. Geteilte Annäherungen, Abgleiche und Prognosen im Vereinigungsprozess (1989-1990) 2.1 Träumen und Verschlafen: Reaktionen zwischen Friedlicher Revolution und Neuformierung der ostdeutschen IG Metall im Frühjahr 1990 Eilige Änderungswünsche. Ostdeutsche Revisionen der gewerkschaftlichen Frauenpolitik (November-Dezember 1989) Feines Gespür. Die Dringlichkeit (weiblicher) Arbeitsplatzsicherung im Osten (Februar-März 1990) Still ruht der See. Gewohnter Lauf der westdeutschen Frauenarbeit (November-Dezember 1989) Umbruchsblindheit. (Un-)verbundene Diskursstränge in der westdeutschen Berichterstattung (November 1989-Februar 1990) Vorerst weiter wie gehabt. Strukturkonservatismus in der bundesrepublikanischen Tarifpolitik (Januar-Juni 1990) 2.2 Belehren und Lernen: Aufeinandertreffen im Hochsommer 1990 nach der Vereinbarung der Gewerkschaftseinheit und rund um die Währungsunion Grenzüberschreitung. Anbahnung und partielle Vertiefung von Kontakten (Mai 1990) Gewöhnlich außergewöhnlich. Westdeutsche Konstruktionen von Gewerkschaftsengagement (Mai-Juni 1990) Aufklärung nötig - aber bei wem? Aufeinandertreffen der gewerkschaftlichen Frauenarbeit (Juni 1990) Bereits in Aktion. Ostdeutsche Stellungnahmen zu weiblichen Rechten und Interessensschutz (Juni 1990) Fortschrittlichkeit. Gewandelte West-Wahrnehmungen über betriebliche Frauenförderung (Juli 1990) Abweichender Tatendrang. Ostdeutsche Zielbestimmungen zur Gleichstellungspolitik (Juni-Juli 1990) Vergebliche Liebesmüh? Einseitige Anläufe zur Zusammenarbeit (Juli-August 1990) 2.3 Hoffen und Bangen: Zukunftsvisionen in der zweiten Jahreshälfte 1990 rund um die Deutsche Einheit Verspätet. Rezeption des Konnex Geschlecht/Einheit in der westdeutschen Gewerkschaftsbreite (Juni-Juli 1990) Der Blick geht in die Zukunft. Vielfältige Vorhersagen zu vereinten Geschlechterverhältnissen (Juni-August 1990) Optimistisch. (Ko-)Transformationshoffnungen für die Gleichberechtigung in der Deutschen Einheit (Juni-Juli 1990) Pessimistisch. (Ko-)Transformationssorgen für die Gleichstellung nach der Deutschen Einheit (Juni-August 1990) Erhitzte Gemüter. Westdeutsche Friktionen über Schwangerschaftsabbrüche (Juni-September 1990) Abgezogen. Kapazitäten der gewerkschaftlichen Frauenarbeit im Osten (September 1990) Vergleiche über Vergleiche. Wissenstransfers über ostdeutsche Familien- und Frauenpolitik (Oktober 1990) 2.4 Anerkennung und Ablehnung, Hoffnungen und Befürchtungen im gewerkschaftlichen Umbruch 3. Vereinigte Diagnosen, Debatten und Umsetzungen nach der Gewerkschaftseinheit (1991-1995) 3.1 Sortieren und Normalisieren: Wahrnehmungen zwischen Gewerkschaftseinheit und Frauenkonferenz im Jahr 1991 Abflauen oder Luftholen. Rezeptionen der Gewerkschaftseinheit (Februar-Juli 1991) Prominent platziert. Gleichheitsfragen zwischen Ost und West (Februar-November 1991) Nur Männer im Blick? Imaginationen von Berufstätigkeit (Mai-Juli 1991) Dauerbrenner. Aufregung um das Abtreibungsrecht (März-Juli 1991) 186 Einsatz für unten. Lohnkämpfe in der West-Tarifrunde (April-Juni 1991) Zurückgestellt und wieder aufgenommen. Arbeiten an der geschlechterpolitischen Programmatik (November 1990-Juni 1991) 3.2 Ausdiskutieren und Schärfen: Debatten rund um die vereinte Frauenkonferenz im Herbst 1991 Der Kampf geht weiter und wird härter.