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"Gordon, der Held von Khartum : ein Lebensbild" entwirft das Porträt Charles George Gordons als militärischer, religiös geprägter und politisch umstrittener Gestalt des britischen Imperialzeitalters. Das Werk verbindet biographische Erzählung mit hagiographischen Zügen und stellt besonders Gordons Rolle im Sudan, seine Verwaltungserfahrung, seine asketische Frömmigkeit und die dramatische Belagerung von Khartum in den Mittelpunkt. Stilistisch ist es von der traditionsreichen Form des "Lebensbildes" geprägt: verdichtend, moralisch akzentuiert und auf exemplarische Charakterzeichnung ausgerichtet, zugleich eingebettet in den kolonialen Diskurs des späten 19. Jahrhunderts. Der anonyme Verfasser bleibt zwar im Hintergrund, doch verweist gerade diese Anonymität auf eine Schreibsituation, in der weniger individuelle Originalität als nationale Erinnerung, zeitgeschichtliche Deutung und moralische Erbauung im Vordergrund stehen. Wahrscheinlich schöpft der Autor aus publizistischen, militärhistorischen und zeitgenössisch-biographischen Quellen, um Gordon als Märtyrerfigur zwischen Pflichtethos, christlicher Selbsthingabe und imperialer Mission zu interpretieren. Das Buch ist daher ebenso Dokument seiner Zeit wie Darstellung seines Gegenstands. Empfehlenswert ist dieser Band für Leserinnen und Leser, die sich für Viktorianismus, Kolonialgeschichte und Formen heroischer Biographik interessieren. Wer Gordons Nachleben, die europäische Sicht auf den Mahdi-Aufstand und die rhetorische Konstruktion des "Helden von Khartum" verstehen will, findet hier eine aufschlussreiche, historisch sprechende Lektüre.