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Der anonyme, im späten 17. Jahrhundert verfasste 'Traité des trois imposteurs' - der Titel bezieht sich auf die drei Religionsstifter Moses, Jesus und Mohammed - ist das wirkmächtigste und in der Verknüpfung von Religions- und Metaphysikkritik thematisch am breitesten ausgeführte Manifest der Radikalaufklärung. Die Stifter der drei abrahamitischen Religionen werden ideologiekritisch als 'Betrüger' entlarvt, die ihre vorgeblichen Offenbarungen als Machtinstrumente einsetzten. Der Begriff eines personalen Gottes ist leer; es existieren nur materielle Einzeldinge. Die Annahme einer nichtmateriellen und unsterblichen Seele ist unbegründet. Hiermit bietet der 'Traité' einen Aufriss des Naturalismus, der zwei Generationen später in d'Holbachs 'Sytème de la nature' (1770) kanonisiert wurde. Ein einzigartiges philosophiehistorisches Dokument ist der 'Traité' aufgrund seiner ungewöhnlichen Komposition: Der Text ist zu erheblichen Teilen eine Montage von Paraphrasen u. a. aus Werken von Spinoza, Hobbes und Vanini. Mit diesem Patchwork aus Fragmenten von Texten des 17. Jahrhunderts liegt eine Quelle bereit, anhand deren die Wurzeln des atheistischen Materialismus des 18. Jahrhunderts freigelegt werden können. Die zweisprachige Ausgabe präsentiert den Text mit den Varianten der Druck-Versionen von 1719 und 1768. Unter Berücksichtigung der Forschung, die sich in den letzten Jahrzehnten dem 'Traité' intensiv gewidmet hat, stellt die Einleitung des Herausgebers die verwickelte Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Textes dar.