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Dagegen bewegen sich Schmidts Mädchenfiguren, wie z.B. die Franziska oder die Tausendeins, als Spielerinnen auf einem viel breiteren Experimentierfeld der Geschlechterverhältnisse. Während Stifters Juliana als anfangs nur naturverbundenes Mädchen mit einer sich allmählich entfaltenden Sprach- und Ausdrucksfähigkeit dargestellt wird, die erst am Ende ihres Akkulturationsprozesses steht, erscheinen Schmidts junge Frauen, insbesondere die "1001", als bereits 'fertige', sprachlich von Anfang an vielschichtigere, aber dadurch oft umso rätselhaftere Figuren, die aber auch noch Züge eines 'wilden Mädchens' tragen. Stifters Zeichnung der Juliana-Figur zeigt Entwicklung und Veränderung und symbolisiert Stifters Idee einer harmonischen Verbindung zwischen Natur und Kultur, und gehorcht seiner Poetik vom "sanften Gesetz". Stifters ruhig-harmonischer Personendarstellung steht Schmidts manchmal surreale Figurenzeichnung gegenüber: Die Äußerungen der "1001" sind von einer bewussten Künstlichkeit geprägt. Schmidt setzt auf Wortspiele und intertextuelle Bezüge, wodurch die Sprache seiner Mädchen oft distanziert und undurchschaubar wirkt.
Thomas Körber, geb. 1969, studierte Germanistik und Geschichte. Promotion 1997, 1998-2000 Referendariat, ab 2001 Lehrer an Osnabrücker Gymnasien. Seit 2003 Fachleiter für Deutsch am Studienseminar Osnabrück. Studiendirektor. Forschungsschwerpunkte: Romantik, Nietzsche-Rezeption, Arno Schmidt, Didaktik der Moderne. Buchveröffentlichungen: "Arno Schmidts Romantik-Rezeption" (1998), "Nietzsche nach 1945" (2006). Herausgeber der "Schriften" von Hans Wollschläger im Wallstein-Verlag seit 2019 (bisher drei Bände).
Traian Suttles "Pater Weismann"?! Hintergründe einer Verschreibung in "Die Schule der Atheisten", nebst neuen Einsichten zu Arno Schmidt und "Walden" Ulrich Klappstein "Ungefehr Dreizn" 'Wilde Mädchen' bei Adalbert Stifter und Arno Schmidt Thomas Körber Poe und einige seiner Nachfolger. Rezension von Simon Gottwald: Verschlungene Vorbilder Bibliografie