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Vor mehr als fünftausend Jahren erfanden die Menschen zwischen Euphrat und Tigris die Schrift - und mit ihr die Möglichkeit zu lügen. Björn Hallstedts Erzählungsband "Tontafeln lügen nicht" entführt den Leser in diese faszinierende Welt des antiken Zweistromlandes und erweckt sie mit außergewöhnlicher sprachlicher Präzision und erzählerischer Tiefe zum Leben.
In sieben kunstvoll komponierten Erzählungen begegnen wir Menschen, die in einer Welt aus Lehm, Keilschrift und Götterwillen ihren Weg zu finden versuchen: Schreiber und Händler, Priester und Pächter, Fälscher und solche, die ihnen auf der Spur sind. Im Mittelpunkt steht stets die Spannung zwischen dem geschriebenen Wort als vermeintlich unumstößlicher Wahrheit und der menschlichen Fähigkeit zur Täuschung, zur Korruption, zur Selbstrechtfertigung.
Die Eröffnungsgeschichte um den alternden Archivschreiber Nashir, der in einem Tempelarchiv auf eine gefälschte Königsurkunde stößt, gibt den Ton des gesamten Bandes vor: ruhig und bedächtig in ihrer Atmosphäre, dabei hochspannend in ihrer Handlung. Hallstedt gelingt das Kunststück, eine längst vergangene Zivilisation nicht als Kulisse zu benutzen, sondern als lebendigen Raum, in dem universelle menschliche Fragen verhandelt werden - nach Gerechtigkeit, Schuld, Loyalität und der Frage, was Wahrheit überhaupt bedeutet.
Was diesen Band besonders auszeichnet, ist die sorgfältige Recherche, die hinter jedem Detail steckt: Siegelpraktiken, Archivwesen, Marktleben und soziale Hierarchien des alten Mesopotamien sind mit großer Sachkenntnis eingewoben, ohne dass die Erzählungen jemals belehrend wirken. Die Vergangenheit fühlt sich greifbar an - nach Lehm und Lampenöl, nach Hitze und Kanalwasser.
Wer historische Literatur schätzt, die zugleich klug unterhält und zum Nachdenken anregt, wird in diesem Band eine außergewöhnliche Entdeckung machen.
Björn Hallstedt ist ein Autor, dessen Leidenschaft für antike Kulturen und ihre Überlieferungen sich in seinen Werken widerspiegelt. Mit großem Geschick verflechtet er historische Recherche mit erzählerischer Kunst, um längst vergangene Welten zum Leben zu erwecken. Seine Erzählungen aus dem Zweistromland zeichnen sich durch atmosphärische Dichte und psychologische Tiefgang aus. Hallstedt lebt für die Geschichten, die in Ton und Schrift bewahrt wurden - und für die Geheimnisse, die sie bergen.