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Drei Wochen Überfahrt, zehn Tage über dem tiefsten Punkt der Erde - und dann jene Nacht um 3:17 Uhr, in der alles beginnt, was sich nicht erklären lässt.
Callum Prentiss entführt uns mit "Das Gedächtnis des Abgrunds" in eine der einsamsten und beunruhigendsten Kulissen der Welt: ein Forschungsschiff über dem Marianengraben. Dr. Osei, Wissenschaftlerin an Bord der RV Nordlicht, ist eine Frau der Daten, der Messwerte, der rationalen Kategorien. Was sie in dieser Nacht erlebt, entzieht sich jedoch jeder Messung: ein Bild, das kein Traum ist, kein Signal, das die Hydrophone erfassen, und doch eine Gewissheit, die tiefer sitzt als jede Frequenz, die Technik aufzeichnen kann.
Der Roman entfaltet sich als psychologisches Kammerspiel auf engstem Raum - metallische Gänge, gedimmte Nachtlichter, das konstante Atmen eines Schiffs auf offener See. Prentiss schreibt mit chirurgischer Präzision: Jedes Detail der Bordatmosphäre ist spürbar, jede Geste seiner Figuren bedeutsam. Die Spannung entsteht nicht durch laute Ereignisse, sondern durch das, was fehlt - die Stille im Graph, die Pause, die der Techniker Pita nicht füllt, das Bild von faltendem Wasser, das keine Oberfläche und keine Tiefe kennt.
"Das Gedächtnis des Abgrunds" ist ein Buch über die Grenzen menschlicher Wahrnehmung, über das, was zwischen Wachen und Schlafen, zwischen Messung und Empfindung liegt. Es fragt, was geschieht, wenn das Bewusstsein auf etwas trifft, das keine Form kennt - und ob Vernunft ein ausreichendes Werkzeug ist, um dem standzuhalten.
Für Leserinnen und Leser, die literarische Spannung der atmosphärischen Art schätzen und bereit sind, sich von einer Stimme in die Tiefe ziehen zu lassen.
Callum Prentiss erforscht die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit. Seine Arbeiten verbinden wissenschaftliche Präzision mit psychologischer Tiefe und schaffen Welten, in denen das Unbewusste eine eigene Stimme erhält. Prentiss hat sich auf Erzählungen spezialisiert, die das menschliche Bewusstsein unter extremen Bedingungen untersuchen. Seine Texte zeichnen sich durch eine charakteristische Spannung zwischen äußerer Objektivität und innerer Auflösung aus. Mit "Das Gedächtnis des Abgrunds" legt Prentiss ein Werk vor, das die Abgründe des Verlorenen und Vergessenen auslotetet.