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Ich habe dieses Buch nicht geschrieben, weil etwas dramatisch gescheitert ist. Es gab keine spektakuläre Trennung, keinen lauten Streit, kein zerbrochenes Geschirr. Mein Leben war ordentlich. Meine Beziehung war stabil. Und ich war - zumindest nach außen - zufrieden. Ich schreibe dieses Buch, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass Zufriedenheit und Erfüllung nicht dasselbe sind. Ich war lange überzeugt, dass ich eine sehr unkomplizierte Frau bin. Ich stellte keine großen Forderungen, machte kein Drama, redete nicht alles kaputt. Ich war geduldig, verständnisvoll und - wie ich dachte - sehr reif. Vielleicht war ich das auch. Vielleicht war ich aber auch einfach sehr gut im Verzichten. Es fällt mir nicht leicht, das zuzugeben, weil Verzicht in meinem Kopf immer mit Stärke verbunden war. Wer wenig braucht, ist unabhängig. Wer viel fordert, wirkt schwierig. Ich wollte nie schwierig sein. Ich wollte angenehm sein. Und angenehm ist ein sehr geschätztes Attribut. Irgendwann stellte ich jedoch fest, dass ich meine eigenen Wünsche kaum benennen konnte. Ich wusste sehr genau, wie ich Konflikte vermeide. Ich wusste sehr genau, wie ich relativiere. Ich wusste nur nicht genau, was ich wirklich will. Das hat mich irritiert. Also begann ich zu fragen. Zuerst vorsichtig. Dann etwas klarer. Ich suchte Rat - bei einem sehr sachlichen Beziehungsforscher, der mir Begriffe wie "Dynamik" und "Selbstpositionierung" erklärte, und bei einem Schamanen, der von innerem Feuer und weiblicher Energie sprach. Beide hatten auf ihre Weise recht. Beide waren auf ihre Weise irritierend. Vor allem aber musste ich lernen, mir selbst zuzuhören.
Chiara Viola Fredda, Mitte 50, war jahrzehntelang die personifizierte Genügsamkeit. Als Hausfrau in einer stabilen, aber "flachen" Ehe hielt sie ihren Verzicht für moralischen Adel und emotionale Stärke. Sie war die Meisterin der Diplomatie, die ihre eigenen Wünsche so weit verkleinerte, bis sie unsichtbar wurden.Nach einer Phase der "somatischen Deprivation" und der Erkenntnis, dass Zufriedenheit nicht gleich Erfüllung ist, begann sie eine radikale Inventur ihres Lebens. Sie tauschte vage Flexibilität gegen "operative Ehrlichkeit" und verwandelte ihr Schlafzimmer von einer "Pflichtübung" in ein "Hochleistungskraftwerk".Heute lehrt sie Frauen, ihren Körper nicht mehr als "gepflegtes Mietobjekt", sondern als eigenes Territorium zu bewohnen.