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Absolvo te entfaltet eine Erzählung von Schuld, Begehren und der schwierigen Möglichkeit der Vergebung. Im Zentrum steht nicht bloß ein kirchlicher Akt der Lossprechung, sondern die innere Prüfung eines Menschen, der sich an sozialen Normen, religiösen Formeln und unausgesprochenen Leidenschaften zerreibt. Viebigs Prosa verbindet realistische Genauigkeit mit naturalistischer Milieuschärfe; Gesten, Räume und Dialoge werden zu Indizien seelischer Spannung. So gehört das Buch in jenen literarischen Kontext um 1900, der Moral nicht predigt, sondern als historisch und gesellschaftlich bedingtes Drama sichtbar macht. Clara Viebig, geboren 1860 in Trier und lange mit den Landschaften des Rheinlandes, der Mosel und der Eifel vertraut, entwickelte aus genauer Beobachtung des Alltags ihre Stoffe. Ihre Nähe zum Naturalismus, ihre Aufmerksamkeit für Frauenleben, Klassenbindungen und religiöse Prägungen erklären die Sensibilität dieses Textes. Absolvo te wirkt wie eine Verdichtung jener Erfahrungen: katholisches Milieu, bürgerliche Erwartung und individuelles Verlangen geraten in einen Konflikt, den Viebig ohne Sentimentalität analysiert. Zu empfehlen ist dieses Buch Leserinnen und Lesern, die psychologisch genaue, sprachlich kontrollierte Prosa schätzen und historische Literatur als Erkenntnisform begreifen. Absolvo te bietet keine bequeme Erlösung, sondern eine eindringliche Studie darüber, wie schwer Vergebung wird, wenn Gewissen und Gesellschaft einander widersprechen.
Clara Viebig (1860 - 1952) war eine deutsche Erzählerin, Dramatikerin und Feuilletonistin, die insbesondere der literarischen Strömung des Naturalismus zugerechnet wird. Clara Viebigs Werke zählten um die Jahrhundertwende in den bürgerlichen Haushalten zur Standardbibliothek. Ein Teil ihres Werks, insbesondere autobiographische Schriften sowie Romane, die in der Eifel, an der Mosel und am Rhein spielen, wird heute vom Rhein-Mosel-Verlag neu aufgelegt. Ihr Debüt in der Literatur gab sie im Alter von 34 Jahren in der Berliner Volkszeitung. In einer Reihe von Romanen schildert die Autorin vor allem das Leben und die Sitten auf dem Land und in der Provinz, den schwierigen Überlebenskampf in einer städtischen, bürgerlichen Kultur und vor allem die Not der Bäuerinnen.