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Warum haben Frauen im 19. Jahrhundert komponiert? War es für sie lediglich ein Zeitvertreib, der Mode entsprechend empfindsame Klavierlieder zu schreiben? Am Beispiel von Johanna Kinkel (1810-1858) wird in der vorliegenden Studie ein Modell für die kulturwissenschaftliche Analyse des Komponierens entwickelt, das im Anschluss an literaturwissenschaftliche Theorien Komponieren als Konstruktion musikalischer Autorschaft versteht. Anhand zahlreicher Quellen wird das Bild einer sich durch große Vielfalt auszeichnenden Komponistin erstellt: Johanna Kinkel tritt als wirtschaftlich denkende Komponistin in Erscheinung, aber auch als Ehefrau, die die künstlerische Einheit mit ihrem Ehemann zu verwirklichen sucht. Ihr musikpädagogisches Komponieren erweitert das Spektrum ihres Schaffens durch den Aspekt der Vermittlung, während einige Kompositionen den Prozess der Nationswerdung Deutschlands reflektieren. Damit gibt die Arbeit auch eine Antwort auf die Frage, was »KomponistIn Sein« im 19. Jahrhundert heißen konnte.