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Bachelorarbeit aus dem Jahr 2022 im Fachbereich Soziologie - Arbeit, Ausbildung, Organisation, Note: 1,0, Technische Universität Berlin (Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre), Sprache: Deutsch, Abstract: Die Bachelorarbeit untersucht die Berliner Dienstmädchen zum Ende des 19. Jahrhunderts und geht der Fragestellung nach, wie Herkunft, Arbeits- und Lebensverhältnisse sowie sozioökonomische Aufstiegschancen dieser größten weiblichen Berufsgruppe ihrer Zeit beschaffen waren. Im Fokus steht dabei die Frage, ob der häusliche Dienst für junge Frauen vom Land eine reale Möglichkeit des sozialen Aufstiegs darstellte oder ob strukturelle Grenzen diesen dauerhaft verhinderten.
Die Arbeit ist klar gegliedert und führt die Leser*innen schrittweise an das Thema heran. Nach einer Einleitung, die den Forschungsstand sowie die gesellschaftliche Relevanz weiblicher Haus- und Care-Arbeit einordnet, werden im zweiten Kapitel die zentralen Transformationsprozesse des 19. Jahrhunderts analysiert. Industrialisierung, Urbanisierung, der Übergang von der Feudal- zur Klassengesellschaft sowie der Wandel des bürgerlichen Familien- und Rollenbildes bilden den historischen Rahmen, in dem der Dienstmädchenberuf verortet wird.
Das dritte Kapitel widmet sich der geografischen und sozioökonomischen Herkunft der Berliner Dienstmädchen. Anhand statistischer Quellen und zeitgenössischer Untersuchungen wird gezeigt, aus welchen Regionen die jungen Frauen nach Berlin migrierten, welchen sozialen Schichten sie entstammten und welche Motive - von Armut über Bildungsdefizite bis zur Hoffnung auf ein besseres Leben - ihre Landflucht bestimmten.
Im vierten Kapitel werden die konkreten Arbeits- und Lebensverhältnisse rekonstruiert. Thematisiert werden Berufsverbreitung und -vermittlung, extrem lange Arbeitszeiten, Arbeitsaufgaben, Bezahlung, Hierarchien im Haushalt sowie die Wohnsituation der Dienstmädchen.
Das fünfte Kapitel untersucht den sozioökonomischen Status der Dienstmädchen und fragt nach Heirat, Ansehen, Klassenzugehörigkeit sowie nach realen Chancen und Grenzen des sozialen Aufstiegs.
Die Arbeit bietet einen fundierten sozial- und geschlechtergeschichtlichen Einblick in ein lange marginalisiertes Berufsfeld und lädt dazu ein, historische Frauenarbeit neu zu bewerten. Sie wurde mit der Bestnote 1,0 bewertet. Die Studie verbindet quantitative Quellen mit qualitativen Deutungen und macht die Lebenswelt der Dienstmädchen anschaulich nachvollziehbar.