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Ich kam als Flüchtling an. Ich verließ Deutschland nie mehr - aber Deutschland verließ mich auch nie. Dieses Buch ist die Geschichte eines Migrantenleiters, eines Imams oder Community-Organisators, der in einer großen deutschen Stadt die undankbare Aufgabe übernahm: Menschen zusammenzubringen, die voreinander Angst hatten.
Der Autor kam in den 1990ern oder 2000ern nach Deutschland - als Flüchtling, als Asylbewerber, als Mensch ohne Papiere. Er arbeitete sich hoch: Von der untersten Schicht zur Stimme seiner Gemeinschaft. Irgendwann wurde er Imam, Vertrauensperson, jemand, auf den die Leute hörten. Doch seine eigentliche Mission war komplexer: Die eigene Gemeinschaft zu führen - und gleichzeitig zwischen ihr und der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu vermitteln.
Das Buch erzählt von den Anfangstagen: Als es fast unmöglich war, einen Platz für Gottesdienste zu mieten. Als die Nachbarn Angst vor "Überfremdung" hatten. Als Integration bedeutete, sich selbst unsichtbar zu machen. Der Autor beschreibt, wie er das Vertrauen seiner Gemeinde gewann - nicht durch Assimilation, sondern durch Authentizität. Und wie er gleichzeitig lernte, mit deutschen Behörden, Politikern und Bürgern zu sprechen, die seine Religion als Bedrohung sahen.
Es war eine Diplomatie im Kleinsten: Das Gespräch mit einem rechtsextremen Nachbarn, der doch zuhörte. Die Zusammenarbeit mit christlichen Kirchen auf lokaler Ebene. Die Schulbesuche, bei denen Schüler verstanden, dass "Muslim" nicht gleichbedeutend mit "Terrorist" ist. Die Moschee, die schließlich gebaut wurde - nicht trotz der Widerstände, sondern weil ein Mann weigerte, sie akzeptieren.
Doch das Buch ist auch ungeschönt. Es erzählt von der Spaltung innerhalb der eigenen Gemeinschaft: Zwischen progressiven und konservativen Stimmen. Von der Kritik, dass er "zu deutsch" oder "nicht deutsch genug" ist. Von Radikalisierungsversuchen, die er bekämpfen musste. Von der Frage: Bin ich Vermittler oder bin ich ein Komplize des Systems?
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