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"Emine Sevgi Özdamars Werk eröffnet einen zugleich intellektuellen wie poetischen Dialog zwischen verschiedenen Sprachen, Kulturen und Weltanschauungen, an dem wir lesend teilhaben dürfen." Jury-Begründung Georg-Büchner-Preis 2022 Die bereits umfangreiche Forschung zu Emine Sevgi Özdamars literarischem Werk hat sich bis heute vor allem auf Themen wie Sprache, Körper, Theater, Migration und Autobiografie konzentriert. Mit dem Erscheinen ihres Romans "Ein von Schatten begrenzter Raum" sowie durch ihre wachsende öffentliche Anerkennung im deutschsprachigen Raum - Georg-BüchnerPreis, Schillerpreis, Bayerischer Buchpreis, Düsseldorfer Literaturpreis - hat sich jedoch eine neue Dynamik ergeben. Diese Entwicklungen laden dazu ein, die Perspektiven auf ihr Werk neu zu justieren. Der Titel "Ensemble" verweist zwar auf Emine Sevgi Özdamars bekannte Brecht-Affinität, doch verfolgt der anlässlich ihres 80. Geburtstags erscheinende Band nicht die Absicht, ihr Werk allein auf das Theater zu reduzieren. Vielmehr soll Özdamars betont "autofiktionales" Erzählwerk in einem kollektiven Netzwerk verortet werden, das sich sowohl räumlich als auch zeitlich entfaltet: Das Ich der Texte ist nie übermächtig, es ruft stets andere Stimmen herbei, "wohnt" bei ihnen - um ein Leitmotiv des jüngsten Romans aufzugreifen - und lässt die Toten zur Sprache kommen. In dieser Hinsicht markieren die Friedhofsbesuche mit der Großmutter eine Art "Urszene" des Werks: Özdamars Texte werden zu einer Sprechbühne, in der sich ein chorischer Erinnerungsraum öffnet.
Bernard Banoun ist Professor für deutschsprachige Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts an der Sorbonne Université. Forschungsschwerpunkte: Literatur und Musik (Operngeschichte, R. Strauss, B. Brecht); Literatur und Interkulturalität. Benoît Ellerbach ist Assistant Professor für deutschsprachige Literatur und Komparatistik an der Koç University. Christine Meyer ist Professorin für deutschsprachige Literatur und Kultur des 20.-21. Jahrhunderts an der Université de Picardie Jules Verne (Amiens).
Bernard Banoun, Benoît Ellerbach, Christine Meyer "Ensemble". Zur Konzeption dieses Bandes I Primärtexte und Dokumente Emine Sevgi Özdamar Leyla und Herrmann. Ein Kurzhörspiel Emine Sevgi Özdamar Wenn ein Mensch nach Istanbul kommt Emine Sevgi Özdamar Das Mädchen vom halb verbrannten Wald Matthias Langhoff Laudatio auf Emine Sevgi Özdamar zum Bertolt-Brecht-Preis 2026 II Schreiben als Inszenierung Benoît Ellerbach "Das Schreiben ist wie das Theater eine Inszenierung". Entstehung, Tod und Wiedergeburt der Autorin in "Ein von Schatten begrenzter Raum" Katja Schubert Inszenierungen der Nach-Lese in "Ein von Schatten begrenzter Raum" Dorothee Kimmich "... aber die Tür spricht". Offene und geschlossene Türen in Texten von Emine Sevgi Özdamar III Chorisches Erinnern Lizzie Stewart Komplexe Implikation und narratives Falten in "Bitteres Wasser" Claudia Breger Faschismus, Exil, Vertreibung. Emine Sevgi Özdamars Poetik der multidirektionalen Erinnerung Ana R. Calero Valera Ein Fresko, das Meer und drei Friedhofe. Ko-Erinnerung in "Ein von Schatten begrenzter Raum" IV Im Dialog mit den Avantgarden Hasibe Kalkan Erinnern als Landschaft. Therapeutisches Schreiben bei Emine Sevgi Özdamar im Spiegel von Gertrude Steins Theaterästhetik Bettina Brandt "Kopf ab!" Emine Sevgi Özdamars palimpsestische Collagearbeiten zu Thomas Braschs "Lieber Georg" Sylvie Arlaud "Das reale Leben irrt sich im Traum". Emine Sevgi Özdamars surrealistische Frankreich-Bilder in "Ein von Schatten begrenzter Raum" Biogramme