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Wenn die letzte Fähre die Touristen mitnimmt, zeigt Sylt sein wahres Gesicht: rau, windgepeitscht und voller ungelöster Geheimnisse. Inmitten dieser trügerischen Herbststille wird in den Dünen bei Hörnum eine Leiche gefunden, deren Anblick selbst den wettergegerbten Kommissar Bendix Feddersen erschaudern lässt. Luan "Lighthouse" Brandt, charismatischer Guru der Achtsamkeitsszene und Verkäufer einer teuer bezahlten Insel-Seele, sitzt in perfekter Meditationshaltung auf einer Düne. Friedlich. Und tot. Für Bendix Feddersen, einen Mann, der mehr auf die Gezeiten als auf Börsenkurse hört, ist das Opfer die Personifizierung all dessen, was er an seiner Heimat hasst: der Ausverkauf der Authentizität im Hochglanzformat. Doch der Mord ist kein gewöhnliches Verbrechen. Er ist eine Inszenierung. Die Ermittlungen führen ihn und seine schlagfertige Kollegin Jule Vormann nicht in die Welt der harten Fakten, sondern in ein Labyrinth aus alten Legenden, gekränkten Eitelkeiten und tief verwurzelten Geheimnissen. Doch je tiefer Bendix gräbt, desto klarer wird ihm, dass die wahre Spur in die Vergangenheit führt, zu einer vergessenen Geschichte von Ehre und Verrat.
Über Erik Willms ist kaum mehr bekannt, als dass sein Leben untrennbar mit der Insel Sylt verbunden ist. Ob er ein echter Insulaner ist, dessen Wurzeln so tief im Sand stecken wie die Fundamente alter Kapitänshäuser, oder ein Zugereister, der vor Jahrzehnten sein Herz an die Insel verlor, bleibt sein Geheimnis. Man sagt, sein Leben folge den Gezeiten - mal ist er da, ein stiller Beobachter in den Dünen, mal verschwindet er für Monate spurlos vom Festland. Er kennt nicht nur die glänzende Fassade von Kampen, sondern vor allem die andere Seite: die raue See im Winter, die verlassenen Strände und das Flüstern der alten Geschichten, die der Wind über die historischen Friedhöfe trägt. Bevor er zu schreiben begann, soll er viele Berufe gehabt haben, keiner davon hinter einem Schreibtisch. Er war Fischer, Strandläufer, vielleicht sogar ein Restaurator alter Strandkörbe. Er ist ein Sammler von Stimmungen und ungesagten Worten. Mit "Tod einer Sylter Auster" gibt er der Seele der Insel eine Stimme - einer Seele, die er bedroht sieht. Erik Willms selbst bleibt lieber im Schatten, hinter seinen Geschichten. Vielleicht findet man seine Spuren im nassen Sand, bevor die nächste Flut sie wieder fortspült.