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Ein Verbrechergenie entfaltet eine Kriminalerzählung, die weniger an der bloßen Sensation des Verbrechens interessiert ist als an der Frage, wie Intelligenz, Kalkül und moralische Entgrenzung zusammenwirken. In präziser, spannungsbewusster Prosa verbindet Ernst Moser Elemente des klassischen Detektiv- und Kolportageromans mit einer zeittypischen Faszination für Psychologie, soziale Maskierung und die Brüchigkeit bürgerlicher Ordnung. Der Titel kündigt keine einfache Verherrlichung an, sondern eine kritische Untersuchung krimineller Genialität. Moser erscheint hier als Autor, der das Verbrechen nicht nur als Handlungsmotor, sondern als Erkenntnismittel begreift. Sein Blick richtet sich auf Milieus, Motive und geistige Dispositionen, die eine außergewöhnliche Tat überhaupt denkbar machen. Gerade die Verbindung von erzählerischer Spannung und analytischem Interesse legt nahe, dass ihn die Grenzzonen zwischen Vernunft, Ehrgeiz und Schuld besonders beschäftigt haben. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die Kriminalliteratur nicht bloß als Rätselspiel verstehen, sondern als literarische Form gesellschaftlicher Diagnose. Ein Verbrechergenie bietet Unterhaltung mit intellektuellem Nachdruck und eignet sich besonders für alle, die frühe psychologische Verbrechensdarstellungen und ihre moralischen Ambivalenzen schätzen.
Ernst Moser (1863 -1927) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Verleger, hauptberuflich jedoch Buchhändler. Über die Theatergeschichte seiner Heimatstadt schrieb Moser ein Standardwerk. Zudem veröffentlichte er mehrere kleine Dramen, Romane, Schauspiele, Episodenromane und humoristische Bücher sowie zwischen 1904 und 1908 fünf Kriminalromane, von denen allerdings mit Ein Verbrechergenie nur der bekannteste 1910 eine Neuauflage erlebte.