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'Es sind die indigenen Völker am Xingu und in ganz Brasilien, die mir ans Herz gewachsen sind. Einst starke Völker wurden im Laufe der vergangenen Jahrhunderte zu Restvölkern und machen heute im Verhältnis zu den 200 Millionen Brasilianern eine verschwindend kleine Minderheit aus. Sie sind nach wie vor in ihrem kulturellen, aber auch physischen Überleben bedroht. Am Xingu entstanden ab 1972 die ersten Basisgemeinden. Als Bischof habe ich diese Weise, Kirche zu sein, ganz bewusst gefördert, weil ich einfach der Überzeugung war und bin, dass dieses seelsorgliche Konzept in Amazonien greift und den urkirchlichen Gemeinden ganz nahe kommt. -Geborgenheit- kommt von -bergen-. Man birgt aber nicht nur Tote, sondern vor allem Verletzte. Unsere Kirche soll zum Hoffnungsanker gerade für verletzte Menschen werden, für Menschen, die an der -existenziellen Peripherie- leben. Wir wollen sie spüren lassen, dass sie wichtig, mehr noch, dass sie uns Schwestern und Brüder sind. Wir warten nicht auf sie, sondern wir holen sie dort ab, wo sie sind.' Erwin Kräutler | Geborgen in der Ungeborgenheit
Bischof Erwin Kräutler | geboren 1939 in Koblach, Vorarlberg, ging 1965 als Priester der Kongregation 'Missionare vom Kostbaren Blut' ins brasilianische Amazonasgebiet, Prälatur Xingu. 1978 wurde er brasilianischer Staatsbürger. Im Jahr 1980 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Xingo, dem damals größten Bistum Brasiliens - flächenmäßig entsprach es der Bundesrepublik Deutschland. Sein Bischofsamt übte er 35 Jahre lang aus. Er wurde zu einem kompromisslosen Verteidiger der indigenen Völker und der Umwelt in Amazonien. 17 Jahre lang war er Präsident des Rates der Brasilianischen Bischofskonferenz für indigene Völker (CIMI) und seit dessen Gründung Sekretär und Präsident des Pan-amazonischen Kirchen-Netzwerkes (REPAM). Bischof Erwin Kräutler nahm an den Generalversammlungen der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik in Santo Domingo (1992) und Aparecida (2007) sowie an den Synoden für Amerika (1997) und Pan-Amazonien (2019) in Rom teil. Er arbeitete mit Papst Franziskus zusammen bei der Formulierung der Umwelt-Enzyklika Laudato sì und hob dabei die Frage der indigenen Völker und die Erhaltung Amazoniens hervor. Der Bischof wurde 1983 von der Militärpolizei festgenommen und verprügelt. Fünf Jahre später überlebte er einen Mordanschlag nur knapp. Die Verteidigung Amazoniens und der indigenen Völker brachte ihm weitere Morddrohungen ein und zwang ihn, Polizeischutz anzunehmen. 2010 erhielt er den Alternativen Nobelpreis für sein Engagement zugunsten Amazoniens und der indigenen Völker. Er wurde mit fünf Ehrendoktorwürden und mit dem Herbert Haag Preis (2026) ausgezeichnet. Der emeritierte Bischof lebt und arbeitet weiterhin in der Diözese Xingu-Altamira. International erhebt er nach wie vor seine Stimme wegen der schädlichen Folgen, welche die Abholzungen in Amazonien für die Umwelt dort, aber auch für das globale Klima nach sich ziehen.