Faust Sonnengesang II + III -

Faust Sonnengesang II + III

Laufzeit ca. 6 Stunden und 0 Minuten. TV-Norm: SDTV 576i (PAL). Sprachversion: Deutsch DD 2.0 Stereo. 18,8 cm / 14,3 cm / 1,7 cm ( B/H/T )
Video (DVD)
EAN 9783848870417
Verlag/Hersteller absolut MEDIEN
Übersetzer Mit -,
€ 21,99 inkl. MwSt.
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Beschreibung

Mit Faust Sonnengesang II und III setzt Werner Fritsch seine filmischen Erkundungsreisen in den Welten zwischen Bild und Sprache fort. Die faustische Suche nach dem Augenblick, der doch verweilen solle, wird bei ihm zu einer assoziativen Reise in nahe und ferne Regionen, in die jüngste und fernste Vergangenheit. Der zweite Teil seines Filmgedichts hat Europa zum Mittelpunkt. Am Anfang steht die tragische Familiengeschichte des Autors als exemplarisch für die deutsche Geschichte im vergangenen Jahrhundert. Sodann sehen wir das jeweils unterschiedliche Licht in den Ländern Europas, wir stoßen auf älteste Zeichen und hören Stimmen, die dem Kontinent geistige Kontur gegeben haben. Der dritte Teil ist ein Roadmovie: Eine Durchquerung des amerikanischen Kontinents voller Erinnerungen an amerikanische Bilder, Songs und Literatur, die unser Leben von Jugend auf prägen. Wildwest-Filme, Serien, Lektüreeindrücke sowie die Begegnung mit einem Navajo-Schamanen im Monument Valley bilden den Hintergrund dieses opulenten und betörenden Klang- und Bilderrausches. Werner Fritsch, geboren 1960, ist Schriftsteller und Regisseur. Seine Stücke wurden auf der Bühne, für den Rundfunk und fürs Kino realisiert. 1987 erschien sein vielbeachteter Roman Cherubim. Seine Arbeiten wurden u. a. mit dem Robert-Walser-Preis, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und dem Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet. Für sein Filmgedicht Faust Sonnengesang I erhielt er 2013 den Grand Prix Marulic und den Grand Prix Nova. DIRECTOR-S NOTE Wie entkommen wir den Bildern der Tragödie, die uns seit Jahrtausenden beherrschen? Was passiert, wenn ein anderes Sehen andere Bilder in den Köpfen der Zuschauer hervorruft? Wenn ein polymediales Archiv entsteht für Augenblicke, zu deren jedem man sagen will: Verweile doch, du bist so schön... Dieses Filmgedicht kehrt Goethes Formel um und öffnet den Faust-Stoff im Zeichen der Aufklärung, deren Symbol ja die Sonne ist. Außerdem bezieht sich Faust Sonnengesang auf den Sonnenhymnus des Pharaos Echnaton, auf jene erste Hymne des Jetzt, in der die Sonne als Symbol allumfassender, lebensspendender Kraft erscheint. Bildlich gesprochen und wörtlich genommen gleicht dieses Filmgedicht einer Faust, die sich öffnet: jeder Finger entspricht einem Kontinent, jeder Finger nimmt Kontakt zu einem Kontinent auf. Faust Sonnengesang ist der Versuch, noch einmal - wider die herrschende Vernunft - so etwas wie eine humane Vision - zuwenigst geglückter Augenblicke - zu behaupten. Wenn man so will, ist Faust Sonnengesang ein Gegenentwurf zur Globalisierung: statt fremde Kulturen mit den eigenen Bildern zu überschreiben, ruft das Filmgedicht aus fremden Kulturen und ihrer Natur ureigene Bilder herauf, die im Kopf des Zuschauers durch ihr Zusammentreffen auf dialogische = gleichberechtigte Weise ein vom Bisherigen abweichendes Bild der Welt kreieren. So wie Faust Sonnengesang ein Gegen-Entwurf zur Globalisierung als Überschreibung fremder Kulturen ist, so ist das Filmgedicht visuell ein Gegen-Entwurf zu der Spannungs- Dramaturgie Hollywoods und den Bildern aus dem Arsenal von Tod, Tragödie, Gewalt, Krieg, Katastrophen und es ist ein Gegen-Entwurf zum Keulenschlag tödlicher Nachrichten, der uns Tag und Nacht erreicht. So besteht der Haupt-Konflikt in Faust Sonnengesang aus Bildern, die im Feuerstrom des Vergessens untergehen, und Bildern, die aus dem Fluß der Erinnerung emporsteigen. Ein Weg, der Eineindeutigkeit und Eindimensionalität der in den Medien abgebildeten Welt zu entkommen, ist der eigens für diesen Faust-Film kreierte visuelle Haupt-Faktor, die Faust-Keil Technik. Die Kamera wird gehandhabt wie ein Faust-Keil, der bereits als Gestus 40 000 Jahre überbrückt. Auf diese Weise entstehen Bilder, die weder statisch die Welt wiedergeben noch Bilder, die nur abstrakt, also computergeneriert, sind, sondern es entstehen Bilder, die bereits in der Kamera durch die Faust-Keil- Bewegungen die "reale Welt" in neuer Gestalt erscheinen lassen: die Gegenstände werden aus vielen Perspektiven gezeigt, das Sehen wird körperlich. Wort und Bild sind in diesem Filmgedicht neu in Alchemie: durch ihr Sich-Verbinden und Sich- Durchdringen und ihr gegenseitiges Sich-Erzeugen rufen sie im Kopf des Zuschauers dritte Bilder hervor: eigene! Dem Lauf der Sonne entsprechen die 24 Stunden der Gesamtfilmdauer. Teil I des Filmgedichts Faust Sonnengesang ist die Ouvertüre - und bereits mehrfach ausgestrahlt sowie als DVD erschienen. Teil II hat das - durch all die verbindenden Kontakte zu den anderen Kontinenten bereicherte - Europa im Mittelpunkt. Im Anfang steht die tragische Familiengeschichte des Autors exemplarisch für die deutsche Geschichte im vergangenen Jahrhundert. Sie gipfelt in der Frage: Wie entkommen wir den Bildern des Leidens und des Martyriums, wie den Bildern der Apokalypse rings ums? Mephisto erscheint als Dante und weist den Weg ins Reich der Mütter, wo Demeter die Geschichte von der Entführung ihrer Tochter Persephone durch Hades erzählt. Mephista erscheint als Prinzessin Europa und klagt von ihrer Entführung durch Zeus... Wir sehen das jeweils unterschiedliche Licht in den Ländern Europas, wir stoßen auf älteste Zeichen in Spanien, Frankreich, Griechenland, in Italien und am Schwarzen Meer, wir hören Stimmen, die dem Kontinent geistige Kontur gegeben haben: unter anderen die Stimme Heraklits und die von Empedokles... Der Faust des Filmgedichts streicht im Dialog mit Goethe den Unterschied zu dessen Faust-Figur heraus. Er sagt zum Augenblick: Verweile doch, du bist so schön... Ovid, Giordano Bruno, Nietzsche werden als Kronzeugen eines Denkens, das in stetigem Fluß ist, beschworen... Faust und Mechthild von Magdeburg sprechen wie Liebende, über Jahrhunderte hinweg... Die Stimme der deutschstämmigen Rock-Ikone Nico, einer Persephone unserer Zeit, bringt uns in die Gegenwart zurück... Eine Brücke tut sich auf zum nahen und fernen Orient: die Stimme Omar Khayyams oder die Rumis oder die von Hafiz, dessen Grab wir sehen, ist zu hören im Dialog mit der jungen Muse der Poesie... Schließlich wird Faust verwandelt in Gilgamesch und trifft die Göttin Ischtar. Er erkennt, dass die Hymnen auf den Gott seiner Kindheit ursprünglich Hymnen waren auf Ischtar. Am Schluß des Filmes steht Faust, flankiert von Mephista und Mephisto, am Ufer des Atlantiks und ahnt Amerika... Aktuell in Arbeit ist nun FAUST SONNENGESANG IV, der Kontinent Asien steht im Fokus. Wiewohl jeder Teil mit allen sieben anderen Teilen aufs engste zusammenhängt, kann auch jeder Teil für sich stehen, zumal in jedem Teil durch die mannigfachen Querbezüge alles in nuce zugegen ist... Der IV. Teil hat Asien zum Schwerpunkt. Der V. Teil Australien, der VI. Teil Afrika, der VII. Teil das Sonnengesang-Archiv: so wird dieses Filmgedicht und die Faust-Figur um Träume und Sehnsüchte anderer Menschen erweitert. Der VIII. Teil wird ein Finale sein, das die Fäden der Ouvertüre und aller anderen Teile aufnimmt und das Filmgedicht- gleichsam Weltgedicht werden lässt: in Gestalt eines Archivs glücklicher Augenblicke, die sich zur Ewigkeits-Schleife schließen... Ausgelöst durch einen Unfall, in einem Augenblick zwischen Leben und Tod, läuft der Traum unseres Lebens und das Leben unserer Träume als Film vor unseren Augen ab: Was will man sehen? Was fürchtet man zu sehen? Was träumt man zu sehen? "Faust Sonnengesang" ist der Versuch, den deutschen "Faust Stoff zur Welt hin zu öffnen. Bildlich gesprochen und wörtlich genommen gleicht jeder Finger dieser geöffneten Faust einem Kontinent - und einem Medium. In der Hauptsache ist "Faust Sonnengesang" ein auf 24 Stunden angelegtes Filmgedicht, das den Lauf der Sonne durch alle fünf Kontinente, viele Kulturen und den eigenen Kopf imaginiert. Bilder und Töne der Gegenwart werden in poetische Alchemie gebracht mit den ältesten Bildern und Texten des jeweiligen Kontinents. Mephisto und Mephista erscheinen in vielfacher Gestalt, sprechen mit immer anderen Stimmen, führen Faust weit über sein Ich, seine Zeit, seine Kultur hinaus . Das "Faustische" an diesem Film ist die immer wieder von apokalyptischen Alpträumen unserer Gegenwart bedrohte Gnade, diesen "jüngsten Film" selber gestalten, also Träume - tiefeigene ebenso wie die kollektiven - und damit Augenblicke verewigen zu dürfen, zu denen man sagen will: "Verweile doch, du bist so schön ."

Portrait

Werner Fritsch, geboren 1960, ist Schriftsteller und Regisseur. Seine Stücke wurden auf der Bühne, für den Rundfunk und fürs Kino realisiert. 1987 erschien sein vielbeachteter Roman Cherubim. Seine Arbeiten wurden u. a. mit dem Robert-Walser-Preis, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und dem Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet. Für sein Filmgedicht Faust Sonnengesang I erhielt er 2013 den Grand Prix Marulic und den Grand Prix Nova.

Inhaltsverzeichnis

Faust Sonnengesang II 1PROLOG 2FLUSS DER STIMMEN 3JETZT BIN ICH O GOTT IN DER WÜSTE 4FAUST UND MEPHISTO IM FLUSS EUNOE 5DA WAREN MORDSWURZELN IM SUMPF 6DAS IST DOCH ALLES NUR EIN TRAUM 7NUR NOCH GEWÖLK 8DIE GEGENWART DER TOTEN 9SONNENFINSTERNIS 10GOETHE: VERWEILE DOCH 11IM REICH DER MÜTTER 12EUROPA-KARUSSELL 13 DIE METAMORPHOSEN DES OVID 14KÖNIG MIDAS 15WERDE ZUM TIER 16TRIPTYCHON 17MECHTHILD VON MAGDEBURG 18SPIEGEL DER ZEIT 19NICO. SPHINX AUS EIS 20ALTER DICHTER OMAR 21EMPEDOKLES 22TRAUM VON ISCHTAR 23EPILOG Faust Sonnengesang III 1LANDUNG 2OLD FAUST 3 GLAD TO BE IN AMERICA 4ON THE ROAD 5WENZEL 6GOTT ERSCHAFFEN 7HIEROGLYPHEN 8NICO 9SONG TO THE OPEN ROAD 10WILLIAM FAULKNER 11CALL ME MOSES 12BEAUTIFUL AMERICA 13 RAINBOW BRIDGE 14HYDRA KRIEG 15THARBIS, PRIESTERIN DER ISIS 16HÖRST DU MEINE STIMME 17DAS GELOBTE LAND 18DIE ANTWORT? 19NATIVE PROPHECY 20DIE WELT WIRD NIEMALS ENDEN