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Ferdinand Gregorovius' "Athenaïs" entfaltet das Schicksal der Athenerin Athenais, die als gebildete Tochter eines heidnischen Philosophen an den Hof von Konstantinopel gelangt, Christin wird und als Kaiserin Eudokia in die Geschichte des oströmischen Reiches eintritt. Das Werk verbindet historische Erzählkunst mit gelehrter Kulturbetrachtung: spätantike Philosophie, christliche Theologie, höfische Intrige und die symbolische Ablösung der alten hellenischen Welt durch Byzanz werden in einem elegischen, zugleich präzise komponierten Stil zusammengeführt. Gregorovius, vor allem als Historiker Roms im Mittelalter berühmt, besaß eine außergewöhnliche Fähigkeit, politische Geschichte mit der Atmosphäre vergangener Städte und Kulturen zu verschmelzen. Seine Beschäftigung mit Mittelmeerlandschaften, mit Rom, Griechenland und Byzanz, erklärt die Wahl dieser Figur: Athenais/Eudokia verkörpert für ihn den Übergang zwischen Antike und Christentum, zwischen klassischer Bildung und kaiserlicher Macht, zwischen persönlicher Begabung und geschichtlicher Notwendigkeit. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die historische Literatur nicht als bloße Rekonstruktion, sondern als geistige Archäologie verstehen. "Athenaïs" bietet ein fein gearbeitetes Porträt weiblicher Bildung und politischer Verstrickung und eröffnet zugleich einen Zugang zu jener Schwellenzeit, in der Europa seine kulturelle Gestalt neu auszubilden begann.