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Ferdinand Gregorovius' "Lucrezia Borgia" ist weniger ein sensationslüsternes Porträt der berüchtigten Renaissancefürstin als eine quellenkritische historische Rehabilitation. Das Werk entfaltet Lucrezias Leben zwischen päpstlicher Machtpolitik, dynastischen Heiraten und den Intrigen der Häuser Borgia, Sforza, Aragon und Este. In gelehrter, zugleich erzählerisch geschmeidiger Prosa verbindet Gregorovius Archivstudium, politische Analyse und kulturhistorische Beobachtung; sein Buch steht im Kontext des 19. Jahrhunderts, das die Renaissance neu entdeckte und ihre moralischen Legenden kritisch überprüfte. Gregorovius, 1821 in Neidenburg geboren und 1891 in München gestorben, wurde vor allem durch seine monumentale "Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter" berühmt. Sein langjähriger Aufenthalt in Italien, seine Vertrautheit mit römischen Archiven und sein Interesse an der Verflechtung von Politik, Kirche und Kultur prägten auch diese Biographie. Gerade weil er die Machtmechanismen des Papsttums und der italienischen Fürstenhöfe kannte, konnte er Lucrezia aus dem Schatten der Verleumdung lösen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die historische Biographie nicht als bloße Nacherzählung, sondern als kritische Untersuchung verstehen. Es bietet ein differenziertes Bild einer Frau, deren Name lange zum Symbol des Lasters gemacht wurde, und zeigt zugleich die Renaissance in ihrer ganzen Brillanz, Grausamkeit und politischen Raffinesse.