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Papst Alexander VI. und seine Zeit entfaltet das Pontifikat Rodrigo Borgias als Brennpunkt der italienischen Renaissance: Kurienpolitik, dynastischer Ehrgeiz, Kriege der Stadtstaaten und die moralische Krise der Kirche erscheinen in enger Verschränkung. Gregorovius verbindet quellennahe Darstellung mit dramatischer Erzählkunst; sein Stil ist zugleich archivalisch genau und rhetorisch zugespitzt. Im Kontext der historistischen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts liest er die Borgia-Ära nicht als bloßen Skandal, sondern als Symptom einer Epoche, in der Macht, Kunst und Frömmigkeit unauflöslich ineinandergriffen. Ferdinand Gregorovius (1821-1891), der bedeutende deutsche Historiker Roms, lebte lange in Italien und gewann aus Archiven, Topographie und unmittelbarer Anschauung ein außergewöhnliches Verständnis der päpstlichen Metropole. Seine monumentale Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter bereitete dieses Thema vor; seine protestantisch-liberale Herkunft schärfte den Blick für kirchliche Machtstrukturen, ohne seine Bewunderung für die kulturelle Größe der Renaissance auszulöschen. Gerade diese Spannung erklärt sein Interesse an Alexander VI. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Renaissancegeschichte nicht als Abfolge glänzender Namen, sondern als komplexes Geflecht politischer Interessen verstehen wollen. Wer bereit ist, Gregorovius' zeitgebundene Urteile kritisch mitzulesen, erhält eine gelehrte, lebendige und bis heute anregende Deutung eines der umstrittensten Pontifikate der europäischen Geschichte.