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Der Jüngling, 1875 erschienen, entfaltet die fiebrige Selbstbefragung Arkadi Dolgorukis, eines unehelichen Sohnes des Adligen Versilow, der in Petersburg nach Herkunft, Geld und moralischer Souveränität sucht. Sein Traum, ein Rothschild zu werden, ist weniger ökonomisches Programm als Symptom verletzter Würde. In der Form einer rückblickenden, unzuverlässigen Ich-Erzählung verbindet Dostojewski Bildungsroman, Familienroman und Gesellschaftsanalyse; der nervöse, diskursive Stil gehört in den Kontext des großen russischen Realismus und seiner psychologischen Radikalisierung. Dostojewskis eigene Erfahrungen mit sozialem Abstieg, Schulden, Zuchthaus, Krankheit und religiöser Krise bilden den Resonanzraum des Romans. Der Autor, 1821 in Moskau geboren und nach sibirischer Verbannung zum schärfsten Diagnostiker moderner Seelenkonflikte geworden, kannte die zerstörerische Macht von Demütigung und Idee. Auch seine Auseinandersetzung mit westlichem Materialismus, russischer Identität und zerfallender Vaterschaft spiegelt sich in Arkadis Verhältnis zu Versilow. Empfohlen sei Der Jüngling allen Lesern, die Dostojewski nicht nur als Dramatiker von Schuld und Erlösung, sondern als Analytiker der Jugend, des Ehrgeizes und familiärer Unordnung entdecken wollen. Der Roman verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie jedoch mit einem dichten Bild moralischer Orientierungslosigkeit, das erstaunlich gegenwärtig wirkt.