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In dezidierter longue-durée-Perspektive untersucht die Studie erstmals systematisch, wie die Stadt Santiago de Compostela von romanischen Reisenden der Vormoderne wahrgenommen und beschrieben wurde. Neuartig vor dem Hintergrund der bisherigen, dominant geschichts- und kulturwissenschaftlich geprägten Jakobsweg-Forschung ist ihr philologischer Ansatz, der sowohl das subjektive Stadterlebnis einzelner Reisender als auch literarische Verfahren und Techniken zu dessen Vermittlung beleuchtet. Die Quellengrundlage bilden gut zwanzig größtenteils handschriftlich überlieferte, lateinische wie volkssprachliche Reisedarstellungen - vom hochmittelalterlichen Pilgerführer des Liber Sancti Jacobi bis zu den intimen Reisetagebüchern der Aufklärung. Ergänzt wird das Kernkorpus durch Seitenblicke in benachbarte Literaturen und einschlägige Bildmedien wie mappae mundi, Stadtpläne und Veduten.
Florian Weber ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Romanischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
1 Einleitung 1.1 Compostela, Stadt des Apostels Jakobus 1.2 Textkorpus 1.3 Forschungsgeschichtliche Rückschau 1.4 Vorgehen und methodisch-konzeptuelle Überlegungen 2 Santiago de Compostela im Liber Sancti Jacobi (um 1140) 2.1 Inhalt, Genese und Bedeutung des Liber Sancti Jacobi 2.2 Ad Sanctum Jacobum - zum Verhältnis von Weg und Ziel 2.2.1 Konstruierte Nähe und symbolische Zentralität: Santiago de Compostela in der westeuropäischen Sakraltopografie 2.2.2 Moralische Semantisierung des Raumes 2.3 Sukzession nach innen, ,Orient-ierung' und Ausblendung von Profanem 2.4 Ekphrasis, persönliche Perspektive und Rundgang-Illusion 2.5 Ästhetische Perfektion und Heiligkeit 2.6 Anklänge an das Himmlische Jerusalem 3 Santiago de Compostela in Pilgerberichten des Späten Mittelalters 3.1 Venezianischer Anonymus / Itinerario Marciano (frühes 14. Jh.) 3.2 Nompar II. de Caumont (1417) 3.3 Lorenzo (Mitte des 15. Jh.) 3.4 Florentinischer Anonymus (1477) 3.5 Florentinischer Anonymus / Itinerario Riccardiano (spätes 15. Jh.) 3.6 Jean de Tournai (1489) 4 Santiago de Compostela in Pilgerberichten des 16. Jahrhunderts 4.1 Antoine de Lalaing (1502) 4.2 Jan Taccoen van Zillebeke (1512) 4.3 Bartolomeo Fontana (1539) 4.4 Cristofaro Monte Maggio da Pesaro (1583) 4.5 Fabrizio Ballarini und Silverio Rettabeni (1588) 4.6 Giovanni Battista Confalonieri (1594) 5 Die Grand Tour des jungen Cosimo III. de' Medici (1669). Santiago de Compostela bei Lorenzo Magalotti, Filippo Corsini, Giovan Battista Gornia und Jacopo Ciuti 6 Die Stadt als Erlebnisraum. Santiago de Compostela im Viaggio in Ponente des Domenico Laffi (1666/70/73) 6.1 Der Autor, seine Reise(n) und sein Werk 6.2 Il tanto sospirato e bramato San Giacomo: der Moment der Ankunft 6.3 Inhalt und Aufbau der Stadtbeschreibung 6.4 Una città bellissima? Tendenziöse Selektion, sprachliche Aufwertung und Romvergleiche 6.5 Menschen und menschliches Handeln: die Kathedrale als ,belebter' Raum 6.6 Prunk, Musik und Weihrauch: die Kathedrale als sinnlicher Raum 7 Auf Laffis Spuren. Santiago de Compostela im Viaggio Occidentale des Gian Lorenzo Buonafede Vanti (1717) 8 Zwischen peregrinatio und picaresca. Santiago de Compostela in Pilgerberichten des 18. Jahrhunderts 8.1 Giacomo Antonio Naia (1718) 8.2 Guillaume Manier (1726) 8.3 Nicola Albani (1743/45) 9 Vergleichende Zusammenschau 10 Literaturverzeichnis 11 Abbildungsnachweise Anhang