Frank Becker

Ungleiche Schwestern?

Geschichtsschreibung und Literatur. 23,5 cm / 15,3 cm ( B/H )
Buch (Hardcover), 305 Seiten
EAN 9783593522685
Veröffentlicht August 2026
Verlag/Hersteller Campus Verlag GmbH

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Beschreibung

Geschichtsschreibung und Literatur haben viele Gemeinsamkeiten: Beide versuchen mit sprachlichen Mitteln etwas festzuhalten, was im Strom der Zeit unterzugehen droht. Als Text fixiert, kann es sich auf Dauer behaupten und die Einbildungskraft künftig lebender Menschen herausfordern, es im Denken, Empfinden und Vorstellen neu erstehen zu lassen; das Zu-Erinnernde leistet dabei gleichzeitig einen Beitrag zur Erklärung und Deutung der Welt. Beide nutzen einen kulturellen Vorrat von Erzählverfahren, Wissensbeständen, Begriffen und Symbolen. Doch wo liegen die Unterschiede? Was ist mit den diskursiven Elementen in den Texten der Historiker:innen, den Argumenten, Urteilen und Thesen, was mit dem Gegensatz von Faktizität und Fiktion, was mit der Referenz auf Realität im gegenständlichen Sinne, ohne die Geschichtsschreibung, anders als Literatur, nicht auskommt?
Frank Becker bietet in diesem Buch erstmals eine grundsätzliche Erörterung des Wechselspiels von Geschichtsschreibung und schöner Literatur in der europäisch-nordamerikanischen Kultur der Neuzeit. Sein Buch spricht Leser:innen, die von der Geschichte und Geschichtswissenschaft aus auf die Literatur schauen, genauso an wie solche, die von der Literatur, konkret: von unterschiedlichen Nationalliteraturen bzw. Philologien aus auf die Geschichte blicken.

Portrait

Frank Becker ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Einleitung 'Ungleiche Schwestern' Beiträge aus der Forschung Ziele und Vorgehensweise
Thematischer Aufriss Wege, sich der Vergangenheit zu nähern Der linguistic turn und seine Folgen Perspektivische Brechungen Populäre Geschichtsdarstellungen Öffnung der Geschichtsschreibung zur Literatur Realität und Fiktion
Was kann Geschichtsschreibung, was kann Literatur? Konkurrenz und Inspiration -Problematische Ansprüche -Freundliche Übernahmen -Der Historische Roman Gegenwelten -Kontrafaktische Geschichtsschreibung -Literarische Alternativgeschichte -Experiment und Versuchsanordnung -Nischen des Möglichen Historiker und ihre Verwandten als literarische Figuren -Die Fingierung von Geschichtsschreibung -Der Historiker als Romanheld -Zeitreisen
Literatur als Quelle, die historische Erkenntnisse liefert Der Literat als Intellektueller -Das Wirken in der Öffentlichkeit -Politischer Einfluss -Geistige Führung -Kultobjekte Literatur und Wahrheit -Wahrheitsformen, Wahrheitsansprüche -Deutungsangebote der (Geschichts-)Philosophie -Hellsicht Literatur und Wissen -Verzeichnen und Darstellen -Vermitteln und Belehren -Ordnungen reflektieren -Wissen verknüpfen Literatur als Deutungsinstanz -Mentalität oder Wahrnehmung? -Literatur interpretiert immer -Wiederkehrende Deutungsmuster -Das Vorstellbare Literatur in der Erinnerungskultur -Die Formung des kulturellen Gedächtnisses -Wie funktioniert das Erinnern? -Kritik an Manipulation und Steuerung Literatur und Politik -Die politische Dimension aller Literatur -Politische Leistungen und Einsprüche -Engagierte Literatur -Freies Sprechen -Handlungsimpulse und kulturelle Rahmungen -Narrative und Mythen Literatur löst öffentliche Debatten aus -Die besonderen Chancen der Literatur -Über die Provokation zur Verschiebung von Diskurslagen -Tabus und das Schweigen brechen Die Sprachlichkeit der Literatur -Etappen der Sprachgeschichte -Begriffe, Symbole und Metaphern -Sprache und Identität -Literarische Elemente in der außerliterarischen Kommunikation Literatur und Gesellschaft -Das Soziale der Literatur -Die Lebenskultur von sozialen Schichten -Situationen des Lesens -Porträts von Gesellschaften -Der Blick des Autors -Literarische Anleitungen für soziales Handeln
Die Literarizität der Geschichtsschreibung Eine Geschichte von Einheit und Trennung - und neuer Annäherung? -Historiografie und Dichtung von der Antike bis zur Aufklärung -(Unvollständige) Ausdifferenzierung im 19. Jahrhundert -Die Öffnung zu den positiven Wissenschaften, zu den Sozial- und zuletzt zu den Kulturwissenschaften -Meistererzählungen Die Darstellungsformen -Zeit und Raum -Figurentableau und Erzählperspektive Hybride Textsorten -Reiseberichte, Gesprächsprotokolle, (fingierte) Quellensammlungen -Die Biografie -Autofiktionalität -Experimentelle Textsorten in den (Sozial-)Wissenschaften
Schlussbetrachtung Ergebnisse Perspektiven
Anmerkungen
Bibliografie

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