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Was geschieht in den letzten Stunden, wenn alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und nur noch das Menschliche bleibt? Frida Söderqvists Roman "Die letzte Schicht" führt den Leser in die stille, oft übersehene Welt einer Palliativstation - und in die Abgründe eines Lebens, das am Ende auf seine wichtigsten Wahrheiten reduziert wird.
Im Mittelpunkt steht der Seelsorger Mertens, ein ruhiger, nachdenklicher Mann, dessen Beruf es ist, bei Menschen zu sein, wenn niemand sonst mehr helfen kann. Als er eines Abends außerhalb seiner regulären Dienstzeiten ans Bett von Margarethe Wolff gerufen wird, beginnt zwischen den beiden ein Gespräch, das weit über diese eine Nacht hinausreicht. Die ehemalige Lehrerin, dem Tod nah, trägt ein Geheimnis in sich, das sie seit Jahrzehnten schweigend bewacht hat - und das nun, in der letzten verbleibenden Zeit, endlich ans Licht drängt.
Söderqvist erzählt diese Geschichte mit außergewöhnlicher sprachlicher Präzision und Zurückhaltung. Ihre Prosa ist klar und dabei von großer emotionaler Tiefe - jedes Wort sitzt, jede Pause hat Gewicht. Die Autorin meidet Sentimentalität und große Gesten; stattdessen findet sie das Erschütternde im Kleinen: im Licht einer Nachttischlampe, im Kratzen eines Stuhlbeins auf Holzboden, in einer Wiederholung, die keine Nachlässigkeit ist, sondern Gewicht trägt.
Das Buch stellt Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt: Was bedeutet Schuld, wenn keine Zeit mehr bleibt, sie wiedergutzumachen? Was kann ein Mensch einem anderen geben, wenn Heilung unmöglich ist? Und was verbirgt sich hinter der professionellen Haltung derer, die täglich dem Sterben begegnen?
"Die letzte Schicht" ist ein Roman über Schuld und Würde, über das Zuhören als höchste Form der Zuwendung - und über das, was zwischen zwei Menschen entstehen kann, wenn alle Masken gefallen sind.
Frida Söderqvist ist eine Autorin, deren Werke sich mit existenziellen Fragen und den Grenzen der menschlichen Erfahrung auseinandersetzen. Ihre Erzählweise zeichnet sich durch psychologische Tiefe und eine eindringliche Darstellung zwischenmenschlicher Momente aus. Mit "Die letzte Schicht" legt sie ein literarisches Werk vor, das sich dem Thema Sterben und Pflege nähert und dabei Würde und Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt. Söderqvist lebt für ihre Schreibarbeit zurückgezogen und konzentriert sich auf die detailgenaue Erforschung ihrer Charaktere.