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Das 20. Jahrhundert prägte der Siegeszug von Wissenschaft und Technik, während Marktwirtschaft und Demokratie wiederholt in tiefe Krisen gerieten. Börsencrashs und Massenarbeitslosigkeit offenbarten die Schwächen liberaler Systeme. Technokratie verspricht hier einen Ausweg. Sie setzt auf die Herrschaft von Experten statt auf demokatischen Konsens. Ihre Wurzeln reichen von antiken Utopien bis zur angelsächsischen Bewegung der 1930er-Jahre, als Vordenker wie Thorstein Veblen und Howard Scott rationale Eliten propagierten. In Deutschland vermischte sich die Idee mit Antisemitismus und Autoritarismus, beeinflusste Sozialismus und Faschismus. Georg Seeßlen und Markus Metz beschreiben in ihrem Essay die Renaissance einer politischen Idee und zeigen die Gefahren, die drohen, wenn sich Technokratie mit Rechtspopulismus paart. Sie argumentieren, dass im Zeitalter der rasanten Entwicklung von Wissen und Technik auch die Politik einen Teil ihrer Kontrolle und Entscheidungsmacht an die Wissenschaft abgeben muss, allerdings öffentlich reflektiert und demokratisch legitimiert. Eine moderne Demokratie, die stark genug ist, ein technokratisches Element in sich zu begrenzen, müsste dann weniger Angst davor haben, durch die Technokratie bedroht, wenn nicht gar ersetzt zu werden.
Georg Seeslen, 1948 in München geboren, studierte Malerei, Kunstgeschichte und Semiologie in München. Er war Dozent an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland und arbeitet als freier Autor und Filmkritiker. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Artikel.