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In "Erotische Kunstgeschichte und Sexualität von der Antike bis zur Moderne" entfaltet Georg Wissowa eine weitgespannte Untersuchung der Darstellung des Erotischen in europäischen Bild- und Deutungstraditionen. Das Werk verfolgt, wie sich Vorstellungen von Körper, Begehren und Geschlecht von der antiken Welt über Mittelalter und Renaissance bis in die Moderne verschieben, und verbindet ikonographische Beobachtung mit kulturhistorischer Reflexion. Der Stil ist gelehrt, systematisch und auf vergleichende Einordnung bedacht; das Buch steht damit in der Tradition jener Kunst- und Kulturgeschichtsschreibung, die ästhetische Formen nicht isoliert, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Normen und historischer Mentalitäten liest. Georg Wissowa ist vor allem als Altertumswissenschaftler und Religionshistoriker bekannt, dessen Arbeiten durch philologische Genauigkeit und historisches Ordnungsdenken geprägt sind. Gerade diese wissenschaftliche Herkunft dürfte seinen Zugang bestimmt haben: Erotische Motive erscheinen nicht als bloße Kuriositäten, sondern als Quellen für das Verständnis religiöser Symbolik, sozialer Praxis und kultureller Wertsysteme. Wissowas Interesse an antiken Überlieferungen und ihrer Wirkungsgeschichte bietet den intellektuellen Hintergrund für eine Untersuchung, die Sexualität als ernstzunehmende Kategorie kultureller Selbstbeschreibung behandelt. Empfohlen sei dieses Buch allen, die Kunst nicht nur betrachten, sondern historisch entschlüsseln wollen. Für Leserinnen und Leser mit Interesse an Antike, Kulturgeschichte und den wechselnden Semantiken des Erotischen bietet es eine anregende, materialreiche und interpretatorisch anspruchsvolle Lektüre.