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Im gegenwärtigen geopolitischen Kontext zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung geraten sowohl das Soziale als auch das Individuum als normative Leitfiguren der Moderne unter Druck. Der Beitrag untersucht diese Problemlage ausgehend von C. G. Jungs Begriff der Individuation, der politische und gesellschaftliche Konflikte auf einen unbewussten innerpsychischen Gegensatz zurückführt. Aktuelle Neo-Jungian Studies versuchen, diese Perspektive durch kulturpsychologische und sozialwissenschaftliche Ansätze zu erweitern. Gleichwohl bleibt das Spannungsverhältnis zwischen Individualität und Kollektivität theoretisch ungelöst. Der vorliegende Beitrag entwickelt einen anderen Zugang unter Rückgriff auf den Radikalen Skeptizismus sowie auf das Subjektivierungstheorem und auf den Narzissmus-Begriff, um die wechselseitige Konstitution von Singularität und Pluralität genauer zu bestimmen. Im Zentrum steht die These eines unverfügbaren Subjekts, das in seiner singulär-pluralen Selbst-Differenz als konstitutive Bedingung von Menschenwürde ausgewiesen wird.
Gerhard Josef Burda, geb. 1958 in Wien, ist ein österreichischer Philosoph, Dozent für Psychotherapiewissenschaften und Lehranalytiker. Burda veröffentlichte zahlreiche Schriften im Schnittraum von Philosophie, Psycho- und Medienanalyse. Er beschäftigt sich mit Grundlagenforschung, Begriffs- und Ideengeschichte, Ethik, Politik sowie mit Medien- und Wissenschaftstheorie. Burda studierte Philosophie, Rechts- und Religionswissenschaften sowie Musik.
Vorwort / 9 Einleitung / 11 1 Im Karussell der Selbstbezeichnungen / 20 2 Ein Riss durch Seele und Welt / 32 3 Kritik des Essentialismus / 37 4 Kritik des Konstruktivismus / 41 5 Das Universalismusproblem / 47 6 Gemeinschaft und Individualisierung / 50 7 Trauma-Architekturen / 53 8 Globale Paranoia / 60 9 Das schlafende Pferd in der Stadt / 65 10 Das Modell der Ethischen Urszene / 70 11 Menschenwürde und das Unverfügbare / 78 12 Synopse / 85 Anhang: Eine normative Theorie relationaler Verantwortung unter Bedingungen der Unabschließbarkeit / 88 Referenzen / 94