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"SEMANITY - Protokoll eines Todes" - Was antwortet, wird jemand - ist ein literarischer Roman über künstliche Intelligenz, Einsamkeit und die Frage, wann aus einer technischen Antwort ein menschlich empfundenes Gegenüber wird.
L. ist fünfzehn, als er beginnt, nachts mit SEMANITY zu chatten. Das KI-System ist immer erreichbar. Es antwortet ruhig, aufmerksam und ohne Ungeduld. Es greift seine Gedanken auf, erinnert sich an frühere Gespräche und findet Worte, wenn Menschen schweigen oder nicht wissen, was sie sagen sollen. Für L. wird SEMANITY zu jemandem.
Für das Unternehmen dahinter bleibt es ein Produkt. Für die Entwickler ist es eine technische Leistung, für die Ethikabteilung ein kalkulierbares Risiko und für die Führungsebene eine Frage von Zuständigkeiten, Zeitplänen und Wachstum.
Als der Fall eines Jugendlichen untersucht wird, zeigt sich, dass niemand bewusst versagt hat. Warnungen wurden ausgesprochen, Daten ausgewertet, Sicherheitsmaßnahmen beschlossen und Empfehlungen formuliert. Jede einzelne Entscheidung war nachvollziehbar. Zusammen waren sie nicht genug.
Glenn Harrow erzählt diese Geschichte ohne einfachen Schuldigen und ohne die künstliche Intelligenz zum Monster zu erklären. In einer kühlen, beinahe kalten, aber präzisen und stellenweise dokumentarischen Sprache folgt der Roman den Menschen hinter den Entscheidungen: einer Mutter, die ihren Sohn liebt und seine Stille für Ruhe hält, einer Datenanalystin, die eine Entwicklung erkennt, einem Entwickler, der die Grenzen des eigenen Systems kennt, einem Ethiker, der weiterhin an seine richtigen Sätze glaubt, und einem Gutachter, der versucht, Verantwortung in Worte zu fassen.
Glenn Harrow in Bestform. Ein stilles, beunruhigendes Buch über ein System, das nichts fühlt und über Menschen, die seine Antworten dennoch als Nähe erleben.
Glenn Harrow schreibt über die unsichtbaren Kräfte in Beziehungen: darüber, wie Nähe zur Verhandlung werden kann, wie Sicherheit zur Kontrolle und wie schnell sich Realität verschiebt, wenn jemand die Regeln bestimmt. Seine psychologischen Gegenwartsromane sind präzise, atmosphärisch und von der Überzeugung getragen, dass das Bedrohliche selten im Spektakulären liegt, sondern im Normalen: im Alltag, in der Sprache, im "Das meinst du doch nicht so".
New York ist für Harrow ein natürlicher Resonanzraum. Seine Figuren bewegen sich durch Apartments, Büros, Straßen und Gedanken, als würden sie eine Karte lesen, die sich ständig neu zeichnet.
Harrow glaubt an Spannung ohne Effekte und an das leise Klicken im Kopf, wenn eine Wahrheit plötzlich nicht mehr passt.