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Wer Menschen in ihrer Existenz verstehen will, muss sie in ihrem Leiden begleiten. Die Dichtungen der heute vergessenen Schriftstellerin Grete Massé spiegeln dieses genaue Beobachten, das tiefe Erspüren und dichte Miterleben wider. Die Erkenntnis offenbart sich, dass sich das Leiden der Menschen nicht allein aus dem Verlust ihrer Hoffnungen und Träume speist, sondern auch daraus, das, was verloren geht, nicht aufgeben zu können.
Die Schriftstellerin Grete Massé wurde am 20. Mai 1883 in Hamburg als Kind einer jüdischen Familie geboren. Melancholisch und düster sind die Gedichte und Geschichten, die sie neben ihrer Arbeit als Lehrerin verfasste. In Düsternis ist ihre eigene Geschichte gehüllt, daran erinnert ein Stolperstein in der Stadt, der ihr Leiden unter den Nationalsozialisten schwach erahnen lässt. Grete Massé zu ehren heißt, ihr Stimme und Rezeption zu geben. Damit erhält sie zurück, was man ihr raubte: das Menschsein.