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Jeder beobachtet jeden, jeder wird von jedem beobachtet. "Wir brauchen Feedback und Transparenz", lautet das Dogma einer von Selbstoptimierung besessenen Gesellschaft, deren Kontrollbedürfnis dem Individuum zum Verhängnis wird. In "Morgen werde ich Idiot" zeigt Hans-Christian Dany, wie aus der Kybernetik als Modell für selbstregulierende Systeme eine Matrix der ständigen Optimierung eines jeden und der Gesellschaft geworden ist: Von der kybernetisch inspirierten Sozialpsychologie der fünfziger Jahre wanderte die Feedback-Theorie Wieners und Lewins in die Selbsterfahrungsgruppen, die sie in die WG-Küchen weiter trugen. Parallel flossen die Methoden als Social Engineering in das Management ein und später in die sozialen Netzwerke, wo das Kommunikations-Panoptikum nochmals in neuer Form zu sich fand.
Ein heiter ätzender Spaziergang durch das Innere, die Entwicklungsgeschichte und die Albträume einer von Selbstoptimierung besessenen Gesellschaft, die ihre Kontrolle nicht mehr durch Macht, sondern durch Rückkopplung und Selbstregulation ausübt.
Hans-Christian Dany, geboren 1966, lebt als Künstler in Hamburg schon lange im Urlaub von dem, was er tun soll. Wie viele, die nicht wissen, wohin mit sich, schreibt er. Manchmal werden daraus Bücher. Bei Edition Nautilus erschienen »Speed. Eine Gesellschaft auf Droge« (2008, Neuauflage 2012), »Morgen werde ich Idiot. Kybernetik und Kontrollgesellschaft« (2013), »Schneller als die Sonne. Aus dem rasenden Stillstand in eine unbekannte Zukunft« (2015) und »MA-1. Mode und Uniform« (2018) und »Schuld war mein Hobby« (2024).