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Hat die PISA-Studie von 2000 wirklich gezeigt, dass das deutsche Bildungssystem grundlegend falsch aufgestellt ist? Länder mit integrativen Bildungssystemen wie Finnland und Schweden schnitten deutlich besser ab als Staaten mit einer frühen und strengen Leistungsdifferenzierung, etwa die Schweiz, Österreich und besonders Deutschland. In der Folge setzte sich schnell die Forderung durch, die Differenzierung im Bildungssystem abzuschaffen oder zumindest Bildungswege stärker zu öffnen und Leistungsanforderungen zu senken. Hartmut Esser zeigt in seiner Studie jedoch, dass diese Schlussfolgerungen auf einer problematischen Interpretation der PISA-Ergebnisse beruhten. Er dokumentiert die Irrtümer und korrigiert die Befunde am Fall der deutschen Bundesländer. Das Ergebnis ist die nahezu komplette Widerlegung der gängigen Position der Bildungspolitik: Bildungssysteme, die strikt nach Fähigkeiten differenzieren, erreichen ein höheres Leistungsniveau - gerade auch bei Kindern in schwierigen Lagen und aus Migrantenfamilien. Das Buch tritt damit der verbreiteten Auffassung entgegen, Leistungsorientierung und eine danach organisierte Differenzierung der Bildungswege seien nichts weiter als längst überholte Relikte von Ständegesellschaften, reproduzierten nur die soziale Ungleichheit und passten nicht länger in eine Welt von Diversität und beständigem Wandel. Das Gegenteil ist der Fall. Man hätte es längst schon wissen können.
Hartmut Esser, Prof. Dr., lehrte an der Universität Mannheim Soziologie und Wirtschaftstheorie.
Inhalt
Vorbemerkungen
Teil A. Wie kaum in einem anderen Land? 1. Estland 2. Die deutschen Bundesländer 3. Der Streit um die Systeme
Teil B. Grundlagen 4. Das Modell der Leistungsdifferenzierung 4.1 Der Rahmen 4.2 Allgemeine Bedingungen und Zusammenhänge 4.3 System-Effekte Exkurs über die Frage, ob die Intelligenz über die soziale Herkunft gleich verteilt ist und was das für die Stringenz beim Ability-Tracking bedeutet 5. Hypothesen und Kausalstruktur 5.1 Die Hypothesen 5.2 Die Kausalstruktur 6. Daten, Zuordnungen und Analysen 6.1 Datengrundlage und Verteilungen 6.2 Die Zuordnung der Bundesländer 6.3 Analysen
Teil C. Die Befunde 7. Sortierung, Übergang und Bildungsbeteiligung 8. Die Strukturierung der Schulklassen 9. Die Leistungen in der Sekundarstufe 9.1 Leistungen in der Sekundarstufe: 1. Die nicht konditionalen Effekte der Stringenz 9.2 Leistungen in der Sekundarstufe: 2. Die konditionalen Effekte der Stringenz Zwischenfazit
Teil D. Klärungen und Korrekturen Vorbemerkung 10. Das 'gemeinsame Lernen' 10.1 Interne Differenzierung 10.2 Das 'längere gemeinsame Lernen' 10.3 Frühe Trennung? 11. Stringenz und Stratifikation 11.1 Kollateral-Stratifikation 11.2 Mindeststandards und Resilienz 11.3 Migrantenkinder 12. Öffnung und Auflösung 12.1 Das Gymnasium 12.2 'Sekundarschulen' 12.3 Öffnung und Leistungsverfall
Teil E. In der Falle Vorbemerkung 13. Auf halbem Weg: Der DVD-Ansatz 14. Blinde Flecken: Hamburg und Ungarn 15. Bis dann alles passt: 'Better Together?' Nachtrag Literatur