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In der Deutschen Demokratischen Republik existiert kein Verbrechen - zumindest nicht offiziell. Doch hinter den grauen Fassaden, in den Aktenschränken der Volkseigenen Betriebe und in den stillen Wohnungen abgelegener Neubauviertel verbergen sich Geschichten, die das System lieber verschweigt.
Hartmut Schrader-Pietz entführt den Leser in seinen Kriminalfällen aus der Volksrepublik in eine Welt, in der die Wahrheit selten das ist, was sie zu sein scheint - und in der das Aufdecken eines Verbrechens mitunter gefährlicher ist als das Verbrechen selbst. Im Mittelpunkt steht ein erfahrener Ermittler, der die Risse im Fundament des sozialistischen Alltags kennt: die gesicherte Schublade im Büro eines verschwundenen Lagerverwalters, den zu bewussten Händedruck eines Betriebsleiters, die halbgegessene Stulle auf dem Schreibtisch, die mehr verrät als jedes Geständnis.
Jeder Fall ist eine atmosphärisch dichte Reise in das DDR-Alltagsleben der späten Jahrzehnte: Mühlenkombinate, Kantine mit Kohlgeruch, Milchglasfenster und Formulare in dreifacher Ausfertigung. Schrader-Pietz besitzt ein feines Gespür für Details, die Systeme entlarven - nicht durch laute Anklage, sondern durch die leise, unerbittliche Beobachtung seines Protagonisten.
Was diese Fälle so fesselnd macht, ist ihre moralische Vielschichtigkeit: Wer ist Täter, wer Opfer, wer Mitläufer? Wo endet Pflicht und beginnt Verrat? Der schmale Streifen Wahrheit, um den hier gerungen wird, liegt stets im Zwischenraum - zwischen Dienst und Gewissen, zwischen dem, was protokolliert wird, und dem, was wirklich geschah.
Ein Leseerlebnis für alle, die Kriminalliteratur mit historischer Tiefe schätzen.
Hartmut Schrader-Pietz ist ein Autor von Kriminalromanen, dessen Werk sich intensiv mit historischen Spannungsfeldern und moralischen Dilemmata auseinandersetzt. Seine Romane zeichnen sich durch authentische Details und psychologische Tiefe aus. Mit "Grenzstreifen" hat er eine Sammlung von Kriminalfällen geschaffen, die in einem diktatorischen Regime angesiedelt sind und die Komplexität von Loyalität, Gewissen und Wahrheit erforschen. Seine Erzählweise verbindet Spannung mit subtiler gesellschaftskritischer Reflexion. Schrader-Pietz lebt zurückgezogen und konzentriert sich vollständig auf sein schriftstellerisches Schaffen.