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Barcelona, Sommer 2002. Bruno, gerade mal 16, hat einen Suizidversuch hinter sich. Er flüchtet nach Barcelona, einer Stadt, die er nur aus den Geschichten seiner Psychiaterin kennt. Völlig abgebrannt begegnet er im Ciutadella-Park der 84-jährigen Pilar. Die alte Dame ist Astrophysikerin, trägt roten Lippenstift und einen Ring mit einem Kohleklunker am Finger. Pilar macht ihm ein Angebot: Bruno soll ihr einen Garten anlegen, oben auf der Dachterrasse eines verwitterten Jugendstilpalasts, direkt neben ihrer kleinen Wohnung. Dort, wo auch ihr altes Fernrohr steht. Er verspricht ihr einen Kepos, wie Epikur ihn einst in Athen hatte. Dafür bekommt er Kost, Logis und natürlich Gespräche. Aus dem Handel wird ein Sommer. Bruno lernt, was Philosophie sein kann, wenn man sie nicht studiert, sondern braucht. Pilar erzählt von großen Denkern und aus ihrem eigenen Leben, nachts auf der Terrasse oder wenn sie gemeinsam durch die Stadt schlendern. Ihre Unterhaltungen sind eine philosophische Rhapsodie, die 2500 Jahre Denkgeschichte umfasst. Die beiden plaudern über die Vorsokratiker und die Quantenmechanik, den Ursprung des Bösen oder darüber, ob die Welt existiert, weil sie wahrgenommen wird. Ein zentrales Thema ist die Frage, ob das Bewusstsein verlischt, wenn der Körper stirbt. Für Pilar ist das keine Theorie. Ihre älteste Freundin Núria liegt schwer demenzkrank im Pflegeheim und erkennt sie nicht mehr. Pilars Leben führt mitten hinein ins zwanzigste Jahrhundert: Spanischer Bürgerkrieg, Francos Diktatur, Exil, Pinochets Chile. Und es birgt ein Geheimnis, das erst am Ende gelüftet wird, auf einem Friedhof hoch über der Stadt. Die Philosophin mit dem Fernrohr erzählt von der heilenden Kraft der Philosophie. Und von einer Freundschaft, die das Vergessen überlebt.